Belegung EC 197 Zürich HB – München HB / Kommentar und Gedanken zum internationalen Personenverkehr

Der Verfasser dieses Beitrages hat in den letzten Monaten zwischen Zürich HB und Zürich Flughafen zehn Fahrten mit dem EC 197 Zürich HB – München HB unternommen. Auf diesen Fahrten wurden die Fahrgäste gezählt. Gleichzeitig erfolgten Schätzungen über das mutmassliche Reiseziel der Fahrgäste.

EC 197 Re

Nachstehend die durchschnittliche Belegung. Details können dieser Datei entnommen werden: Belegung EC 197

Fahrgäste total davon nach Deutschland
1. Klasse 20,3 7,4
 Speisewagen 6,4 2,7
 2. Klasse 42,1 20,9
Total 68,8 31,0

EC 197 B

Kommentar:

  1. Die Fahrten erfolgten jeweils am Montag oder am Dienstag. Wahrscheinlich dürfte die Belegung am Freitag oder am Sonntag höher sein. Auch dürften zwischen Winterthur und St. Margrethen weitere Fahrgäste nach Deutschland zugestiegen sein.
  2. Dennoch stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der von der Schweiz geforderten Ausbauten der Strecke zwischen Bregenz und Buchloe – ein Durchgangsbahnhof auf dem Festland vor Lindau und die Elektrifikation der Strecke im Allgäu. Unseres Erachtens entsprechen diese Forderungen einem überholten Verständnis des internationalen Personenverkehrs auf Nebenrelationen und sind dezidiert abzulehnen. Dies betrifft besonders die Abnabelung des heutigen Bahnhofes von Lindau. Den Befürwortern dieses Vorschlages sei eine Bahnreise nach Lindau und ein Rundgang durch die Stadt empfohlen.
  3. Die Schweiz kann die im HGV-Kredit enthaltene Subvention von CHF 75 Mio. an Deutschland für die Elektrifizierung der Strecke durch das Allgäu ungleich besser einsetzen. Man denke etwa an die Wiederinbetriebnahme der Linie von Evian nach St. Gingolph oder für die Fertigstellung der FM von Stabio nach Varese.
  4. Realitätsfremd ist auch die Erwartung, dass die Verkürzung der Reisezeit von Zürich nach München um rund eine Stunde den Reiseverkehr wieder beleben würde. Die Konkurrenz durch günstige und komfortable Fernbusse oder den Flugverkehr sind zu hoch.
  5. Der Fernverkehr von Zürich nach Stuttgart hat es deutlich gezeigt. Selbst die vor Jahren eingesetzte ICE-T – wahrscheinlich die luxuriösesten Triebzüge in Europa – führten zu keiner Wiederbelebung des Verkehrs.
  6. Dabei verbinden die Schweiz und das Bundesland Baden-Württemberg infolge der langen gemeinsamen Grenze und des intensiven Austauschs ungleich engere Beziehungen als mit Bayern und seiner attraktiven Hauptstadt München.
  7. Überlegungen wert wäre die dichtere Einbindung der Städte Singen und Lindau in das schweizerische Netz analog der Anbindung von Konstanz an Zürich.
  8. Und abschliessend – der Verfasser hält den Zugverkehr zwischen Zürich und München auf dem heutigen Niveau für höchst erhaltenswert. Aber primär für den Tourismus und mit der konsequenten Nutzung der Fernverkehrszüge auch für die nationale Erschliessung.
  9. Und last but not least: Der Sohn eines Freundes benutzt seit Jahren die Fernbusse zwischen Zürich und München und ist sehr zufrieden. Ein gut situiertes Ehepaar aus unserem Bekanntenkreis ist vor wenigen Tagen für EUR 89.- mit dem DB Bus von Zürich nach München und zurück gefahren. Nicht nur die Qualität der Fahrt wurden gelobt, sondern auch die Website der DB und der Webshop für Fahrausweise.

EC 197 WR

 

Güterbahnen Schweiz/Europa/Nordamerika im Vergleich & Anschlussbemerkungen

Dieser Beitrag enthält Kennzahlen zu einigen Güterbahnen in der Schweiz, in Europa und in Nordamerika sowie – darauf basierend – ein paar Anschlussbemerkungen.

Die Daten wurden Geschäftsberichten oder offiziellen Publikationen der Unternehmen oder der Branchenorganisation Association of American Railroads AAR entnommen. Die abweichenden Strukturen und Begriffe wurden nach bestem Wissen normiert. Zur Verbesserung der Vergleichbarkeit wurden Bruttokennzahlen – beispielsweise Ertrag der Sparte statt Verkehrsertrag – verwendet. Die Zahlen erheben demnach keinen Anspruch auf eine absolute buchhalterische Genauigkeit. Sie sind jedoch präzise genug, um aussagefähige Folgerungen abzuleiten.

Gesellschaft/ Verband Erlös pro TKm (Rappen) Kosten pro TKm (Rappen) Gewinn pro TKm (Rappen) mittlere Transport- weite (km) Investitionen in % des Ertrags 1 Fuss- note 2
Association of American Railroads 3.11 2.53 0.58 1’469 12.87 3, 4
RhB AG 61.69 65.73 -4.04 65 n.a. 5
SBB AG 6.81 6.58 0.23 273 1.62 6
BLS AG 6.72 6.62 0.10 n.a. n.a. 7, 8
ÖBB AG 8.21 7.99 0.22 260 2.84 9, 10
DB AG 5.20 5.15 0.05 313 4.01 11
  1. Investitionen für Rollmaterial und neuen Technologien wie PTC oder ETCS, ohne Infrastruktur
  2. Bei der Rheinschifffahrt betragen die Kosten für die 1000 km lange Flussfahrt zwischen Rotterdam und Basel pro Tonnenkilometer rund einen Rappen.
  3. Die in der AAR zusammengeschlossenen nordamerikanischen Güterbahnen haben 2014 über USD 20 Mia. in Fahrzeuge, Infrastruktur und Technologien wie PTC investiert. Da bei den europäischen Bahnen der Grossteil der Investitionen in die Infrastruktur und nicht in die Verkehrsarten getätigt werden, wird hier angenommen, dass in Nordamerika die Hälfte der Investitionen in Fahrzeuge fliesst.
  4. Nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Arbeitnehmer profitieren von der hohen Ertragskraft der nordamerikanischen Güterbahnen. Mit rund USD 87’000.- beträgt das durchschnittliche Gehalt rund das Fünffache des Mindestlohns in den USA.
  5. Der Ertrag enthält eine Abgeltung von CHF 6.05 Mio. oder CHF -.17 pro Tonnenkilometer. Die Vollkosten pro Tonnenkilometerliegen liegen bei rund CHF -.65.
  6. Der Anteil von SBB Cargo International AG an der Transportleistung liegt bei rund 61 Prozent. Erlöse und Kosten im nationalen Güterverkehr dürften bedeutend höher sein als im internationalen Verkehr.
  7. Die BLS AG betreibt keinen Einzelwagenladungsverkehr. Ihre Kosten im Langstreckenverkehr dürften deshalb tendenziell über denjenigen der SBB AG liegen.
  8. Von der BLS AG liegen keine Angaben zu den beförderten Nettotonnen vor. Die mittlere Transportdistanz konnte so nicht ermittelt werden. Eine für einen Konzern übliche Spartenrechnung im Geschäftsbericht fehlt.
  9. Der Auslandanteil von Rail Cargo Austria AG an der Produktionsleistung liegt bei 37 %.
  10. Zudem unterhält Rail Cargo Austria AG für den bedeutenden Einzelwagenladungsverkehr relativ viele Bedienpunkt.
  11. Die Beträge in EUR wurden mit CHF 1,10 umgerechnet.

Unter anderem lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:

  1. Die in der AAR zusammengefassten nordamerikanischen Güterbahnen sind sehr profitabel. Dies hängt sicher mit den langen Zügen und der grossen Transportdistanzen zusammen. Auffallend sind auch die enorm hohen Investitionen.
  2. Auffallend bei den betrachteten europäischen Staatsbahnen sind die ähnlichen Transportdistanzen um die 300 km und die im Vergleich zu Nordamerika tiefen Investitionsquoten.
  3. Die mittleren Transportdistanzen in Europa liegen am untersten Ende der von der EU für den Schienengüter angestrebten Mindestentfernung zwischen 300 km und 500 km.
  4. Die Werte für die europäischen Bahnen belegen unseres Erachtens, dass die Wiedererstarkung des Güterverkehrs in Europa substantielle Investitionen und Strukturanpassungen erfordert.
  5. Statt dem Güterverkehr auf der Strasse künstliche Einschränkungen wie Nachtfahrverbote, Steuern oder weitere Verkehrsbeschränkungen aufzuerlegen, sollten die Güterbahnen endlich ihre Stärken entwickeln. Die Schwächung des Konkurrenten erhöht die eigene Kraft kaum.

Drei Unterschiede

Auch in diesem November hat der Verfasser im Rahmen einer Exkursion zu Eisenbahn Grossprojekten in Österreich umfangreiche Bahnfahrten unternommen. Ein Bericht ist in Arbeit und wird zu gegebener Zeit auf dieser Website publiziert.

Vorab aber ein paar Bilder, nämlich zur Infrastruktur aus Kundensicht, dem Wageninneren und zum Kundenservice im Zug.

Ablauf Villach

Bodenablauf in der Bahnhofunterführung von Villach (stellvertretend für die mir bekannten Bahnhöfe in Österreich)

Ablauf Wollishofen

Bodenablauf in der Bahnhofunterführung in Zürich-Wollishofen (stellvertretend für einige Bahnhöfe im Grossraum Zürich)

Sitzplatz EC 164

Sitzplatz 2. Klasse im EC 164 Transalpin von Graz nach Zürich, aufgenommen kurz vor Zürich

Sitzplatz IC 827

Sitzplatz 2. Klasse im IC 827 Brig – Romanshorn, aufgenommen kurz vor Zürich (man beachte weniger den Abfall als den durchgescheuerten Bodenbelag und die Sitzfläche)

Zugbegleiter RE

Zugbegleiter des R 4856 von Spittal-Millstättersee nach Lienz (aufgenommen in Lienz mit Erlaubnis des Zugbegleiters, im Hintergrund Stadler-Flirt der SAD nach Fortezza)

Da die SBB nicht einmal mehr auf den weitlaufenden und oft sehr stark belegten RE – zum Beispiel Zürich – Chur – Zugbegleiter einsetzen – fehlt ein entsprechendes Bild.

Bahnfahren in Irland – exzellente Servicequalität

Der Verfasser dieses Berichts hat im Oktober 2015 in Irland mit Irish Rail einige Städtereisen unternommen. Ein ausführlicher Erfahrungsbericht ist in Vorbereitung und wird auf dieser Website in einigen Wochen publiziert.

Beeindruckt hat die exzellente Servicequalität aus Kundensicht. Vorab soll deshalb in diesem Beitrag auf einige Aspekte davon eingetreten werden.

Mit ganz wenigen Ausnahmen sind alle Stationen bedient. Der Stationschef steht bei der Ankunft des Zuges mit einer Rampe bereit, um älteren oder behinderten Passagieren das Aussteigen zu erleichtern. Dabei beträgt die Höhendifferenz zwischen dem Wagen und dem Perron oft nur wenige Zentimeter.

Wexford 1

Arklow

Die Stationen sind sauber und gepflegt. Die Anlagen sind in aller Regel mit Blumen oder historischen Gegenständen geschmückt. Die Signaletik ist klar und übersichtlich. Aufdringliche Werbung fehlt. Die Passagiere werden aufgerufen, unkorrektes Verhalten zu melden.

Wexford 3

Die Züge sind modern und weisen selbst in der zweiten Klasse einen hohen Standard auf. Mit wenigen Ausnahmen sind die Fernzüge mit kostenlosem Wireless ausgestattet.

RE 1

RE 2

Die Billettautomaten sind einfach zu bedienen. Die Billette können auf einfache Art auch per Internet bestellt werden. In den meisten Fällen können dabei Sitzplätze ausgesucht und reserviert werden. Wahlweise wird der Name des Reisenden im Display im Zug angezeigt.

Reservation

In den modernen Fernzügen verfügt praktisch jeder Wagen über ein sauberes und übersichtliches WC. Tritt man ein und schliesst die Türe, wird man mit einer sympathischen Stimme mit „Please lock the Door“ aufgefordert, die Türe zu verriegeln. Das Befolgen dieser Aufforderung wird mit einem „Thank You“ quittiert.

In den grösseren Stationen – erstaunlicherweise jedoch nicht in einem der beiden grossen Stadtbahnhöfe von Dublin „Dublin Conolly“ – kann der Reisende sein Gepäck an einem bedienten Schalter für eine Gebühr von EUR 2.50 zur Aufbewahrung übergeben.

In Limerick Junction wurde ich Zeuge des Erteilens des Abfahrbefehls durch den Stationschef.

Limerick Junction 1

Güterverkehr Nordamerika / Verdreifachung

Gemäss den Angaben in der Sonderausgabe 2015 von TRAINS „Locomotive“ hat sich die Menge der Tonnenmeilen der „Class I-Güterbahnen“ in Nordamerika zwischen 1964 und 2014 praktisch verdreifacht.

Class I Statistik

Neben den heute noch sieben „Class I-Güterbahnen“ gibt es in Nordamerika zahlreiche kleinere Eisenbahngesellschaften. Ihr Anteil ist jedoch unbedeutend.

Schlamperei im Bahnhof Kilchberg

Der Bahnhof Kilchberg liegt an Bahnstrecke zwischen Zürich HB und Thalwil. Er wird von zwei S-Bahnlinien bedient und erfreut sich besonders in den Hauptverkehrszeiten einer hohen Frequenz. Täglich dürften in Kilchberg mehrere Tausend Passagiere ein- oder aussteigen.

In unmittelbarer Nähe des bergseitigen Perrons 2 wird ein repräsentatives Mehrfamilienhaus fertiggestellt. Die Bahnstrecke wurde mit einer aufwändigen Schutzwand gegen die Baustelle geschützt. Die Stahlkonstruktion wurde zusätzlich mit einer Erdleitung gegen allfällige Kurzschlüsse geschützt.

Kilchberg 2

Der dazu verwendete Verbindungsdraht liegt lose herum und stellt als Stolperfalle nur wenig mehr als einen Meter von der Perronkante entfernt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Auch wird der Draht im Winter die Schneeräumung erschweren.

Kilchberg 3

Dieser Missstand besteht seit Monaten. Es stellt sich die Frage, weshalb bei den SBB niemand auf diesen Mangel hingewiesen hat. Zudem stellt er dem verantwortlichen Handwerker ein miserables Zeugnis aus. Der Draht – ich habe eine handwerkliche Lehre absolviert – hätte mit geringem Aufwand sicher befestigt werden können.

Ein Zusammenhang mit den zahlreichen Signal-, Weichen- oder Stellwerkstörungen? Honi soit qui mal y pense!

Internationaler Personenverkehr – Fahrt mit dem RE 96442 von Pontarlier nach Neuchâtel

Nein, die folgenden Bilder stammen nicht von einem auf die Verschrottung wartenden Wagen in Stein AG, sondern von einem grenzüberschreitenden Regional Express. Hier die Details:

Erfreut hatte ich gesehen, dass zwischen Pontarlier und Neuenburg wieder mehrere Züge verkehren. Grund genug also, am 23. September 2015 eine Reise in den Jura zu unternehmen. Doch das Ergebnis war niederschmetternd.

Als der RE 96441 – er stellte in Frasne den Anschluss vom TGV von Paris nach Lausanne her – pünktlich um 15.05 Uhr in Pontarlier eintraf, war der Zug praktisch leer. Knapp ein Dutzend Passagiere stiegen aus und acht Personen stiegen ein. Mit neun Passagieren in der ersten und 18 Passagieren in der zweiten Klasse setzte sich der Zug Richtung Neuchâtel in Bewegung.

RE 96441

Als ich durch die Wagen des Zuges schritt, traute ich meinen Augen nicht. Der Zug war im höchsten Mass heruntergewirtschaftet.

Sitz

Die Polster von zahlreichen Sitzen in der zweiten Klasse waren durchgescheuert und nicht mutwillig zerstört.

Polster

Auch die WC Anlage ist mittelalterlich.

WC

Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin in den letzten Jahren in mehreren europäischen Ländern mit der Bahn gefahren. Aber solche Bilder habe ich selbst in ärmeren Ländern in Osteuropa nicht gesehen. Nota bene – der RE 96411 stellt den Anschluss an einen europäischen Hochgeschwindigkeitszug her und ist ein Angebotselement des internationalen Personenverkehrs auf der Schiene. Eigentlich unfassbar und in höchstem Masse beschämend für die SBB.

 

Bahnen Grossbritannien – ein Status

CC wp

Hier ein paar Fakten zum Eisenbahnwesen in Grossbritannien:

  1. Die englischen Bahnen gehören zu den sichersten in Europa. Zahlreiche Unfälle, von welchen die SBB in den letzten Jahren betroffen waren, wären vom englischen Zugssicherungssystem (aber nicht nur dort) verhindert worden.
  2. In Grossbritannien werden gegenwärtig bedeutende Investitionen in die Eisenbahn getätigt. Neben den Grossanschaffungen von Rollmaterial durch die privaten Betreiber sei der über CHF 20 Mia. teure neue Stadttunnel von London erwähnt.
  3. Die Passagierzahlen und die Personenkilometer England entwickeln sich trotz der Konkurrenz durch Fernbusse in den letzten Jahren nur in einer Richtung – nach oben.
  4. Ich selbst habe während der Privatisierungsphase 1996 und 1997 in Mittel- und Nordengland ausgedehnte Zugreisen unternommen. Dabei bin ich hauptsächlich mit British Rail und mit der Great Nord Eastern Railway und der Midland Mainline gefahren. Meine Erfahrungen in zwei Sätzen: (a) Die Qualität der Reisen mit den privaten Gesellschaften war weitaus besser als diejenige mit British Rail, (b) Die Infrastruktur war teilweise in einem desaströsen Zustand. Ich staunte, dass auf gewissen Strecken überhaupt noch Züge fahren konnten.
  5. Gemäss dem beiliegenden Bericht – einer der beiden Autoren gehört zu den herausragenden Beobachtern des Schweizer Eisenbahnwesens – zeichnet sich das Eisenbahnwesen in Grossbritannien heute durch eine erfreuliche Qualität aus.
  6. British Rail wurde von der konservativen Regierung zwischen 1994 und 1997 schrittweise privatisiert. Unter anderem wurden rund 25 Betreibergesellschaften gegründet. Die Privatisierungen wurde von Labour während ihrer 13-jährigen Regierungszeit nicht rückgängig gemacht.

Zeit also, die positiven Entwicklungen im englischen Eisenbahnwesen vorurteilslos zur Kenntnis zu nehmen und die Gründe für den Aufschwung zu analysieren – ehe es auf dem Kontinent zu spät ist.

Der Bericht kann hier heruntergeladen werden:Bericht Eisenbahn Grossbritannien 2015

WC

Fernverkehr in Italien heute – eine neue Dimension

Eindrücke von einer Bahnreise nach Sizilien und Erfahrungsberichte von Bekannten von Bahnreisen in Oberitalien haben mich zu einer Bahnreise nach Italien bewogen. Das Gesehene und das Erlebte waren enorm beeindruckend. Die Qualität des Fernverkehrs zwischen der Lombardei und Kampanien aus Sicht eines anspruchsvollen Reisenden ist überragend.

Nachstehend die Begründung für diese Beurteilung anhand verschiedener Aspekte:

Zugang und Auftritt der Bahnhöfe

Milano Bodenbelag

Milano Zwischengeschos

Obenstehend zwei Bilder vom Bahnhof Milano Centrale. Die Bilder sprechen für sich. Ergänzend sei auf die exemplarische Sauberkeit der Anlagen hingewiesen.

Innenräume der Züge

FR 500 Innenaraum

Hier ein Bild vom Innenraum eines Frecciarossa. Man beachte die grosszügige Raumgestaltung und die diskrete Bildung von Abteilen.

Betreuung am Platz

FR 500 Service

Kurz nach der Abfahrt der Züge wird den Reisenden in der ersten Klasse ein breites und kostenloses Angebot an Zeitungen und Zeitschriften offeriert. Später kommen die Reisenden der ersten Klasse in den Genuss eines kleinen Snacks und können aus einem reichen Angebot an Getränken einen Drink auswählen.

Zugbegleitung

Zugchef FA

Alle Zugbegleiter tragen Veston und Krawatte. Sie repräsentieren ihr Unternehmen in untadeliger Weise. Der Zugchef trägt eine Mütze oder hat sie bei sich. Analoges habe ich selbst in sizilianischen Regionalzügen und bei hochsommerlichen Temperaturen beobachtet.

Geschwindigkeit und Kundeninformation

FR 500 Anzeige

Die Reisenden werden anhand von diskreten Bildschirmen laufend über den Stand der Reise informiert. Die Züge verkehren mit grosser Geschwindigkeit auf neuen Strecken. Das verkürzt die Reisezeit für alle und spart auch Personalkosten.

Kommentar

Von einem vertieften Vergleich mit Gegebenheiten im schweizerischen Fernverkehr wird abgesehen. Dennoch ein paar Kritikpunkte

  1. Mit RE sichergestellter Fernverkehr – auch in der ersten Klasse vier Sitze in einer Reihe und keine Zugbegleitung, ist und bleibt inakzeptabel.
  2. Auftritt und Bekleidung vieler Zugbegleiter besonders in den hochwertigen Fernverkehrszügen sind für mich unhaltbar. Viele Zugbegleiter strahlen weder Kompetenz noch Sicherheit aus. Dafür patrouilliert Sicherheitspersonal. Für mich repräsentiert es nicht Sicherheit, sondern dokumentiert durch seine Präsenz, dass Zugreisen unsicher geworden sind.
  3. In der Illustrierten „Eisenbahn Amateur“ wurde der unterirdische Bahnhof von Montreal kritisiert. Ich kenne die Gegebenheiten vor Ort relativ gut. Sie sind – abgesehen vom dünnen Zugsangebot – fast deckungsgleich mit denjenigen im Bahnhof Bern.

 

 

Ein Aufgang im Bahnhof Zürich-Enge und der Niedergang der Zürcher Stadtbahnhöfe

Der erste Kontakt mit der Bahn erfolgt in der Regel an einem Bahnhof. Es heisst doch so schön, dass der erste Eindruck der Wichtigste sei.

Nachstehend ein paar Bilder von zwei Zürcher Stadtbahnhöfen – Zürich-Enge und Zürich-Wollishofen. Vor allem Zürich-Enge ist ein wichtiger Verknüpfungspunkt zwischen der SBB, dem Zürcher Tram und Schnellverbindungen von Postauto AG in den Westen. Zudem befinden sich in Schrittdistanz zwei grosse Zürcher Mittelschulen.

Zürich-Enge

Enge 1Enge 2Enge 4

Die gezeigte Unterführung im Bahnhof Zürich-Enge führt vom Gleis 1 unter der vielbefahrenen Bederstrasse hindurch direkt zur Tram- und Bushaltestelle sowie zu den Schulhäusern. Also ist sie eine sichere und effiziente Verbindung. Die Unterführung wird werktäglich wahrscheinlich von einigen tausend Passagieren verwendet. Und diese sind dabei mit diesen Missständen konfrontiert.

Zürich-Wollishofen

Wollishofen 3Wollishofen 2Wollishofen 1

Die zweite Unterführung – auch dazu drei Bilder – ist der einzige Zugang zum Bahnhof Zürich-Wollishofen. Dieser ist – und das sei nur am Rande erwähnt – weiterhin nicht behindertengerecht ausgebaut und verfügt auch in der weiteren Umgebung über kein öffentliches WC. Die Frequenz von Zürich-Wollishofen ist in den letzten Jahren erfreulicherweise stark gestiegen – besonders bei Anlässen auf der Landiwiese wird der Bahnhof rege benützt.

Kommentar:

  1. Weder in Italien noch in Österreich habe ich derart üble Bilder gesehen. Solche Bahnhöfe sind eines Landes, das sich seines öffentlichen Verkehrs rühmt, unwürdig – wer auch immer schlussendlich die Verantwortung dafür trägt.
  2. In Tierzuchten bestehen strenge Vorschriften für die Qualität von Wand- und Bodenbelägen. Sie müssen mit Keramikplatten oder speziellen Belägen versehen sein. Offensichtlich gelten für Passagiere weniger strikte Normen.
  3. Analoge Aufnahmen hätten auch in anderen Stadtbahnhöfen gemacht werden können, beispielsweise in Schlieren.
  4. Nicht der Neid, wie von einem Kollegen aus dem Westen unterstellt, führt mkich in Gedanken immer wieder zu den feudalen Bürogebäuden der SBB – unter anderem in Bern, Olten oder Zürich. Aber heisst es nicht, dass der Kunde zuerst kommt? Das wäre Kundenfreundlichkeit. Zustände wie oben beschrieben, sind nur ein Indiz für den Zerfall der Kundenfreundlichkeit vorab bei den SBB.