Der Bahnhof Weststeiermarkt wurde als letzter der vier grossen Bahnhöfe an der Koralmbahn gebaut. Die ersten drei Bahnhöfe Grafenstein, Kühnsdorf-Klopeinersee und St. Paul im Lavanttal mussten neben ein paar Haltestellen bereits für die Inbetriebnahme des Westastes der Koralmbahn Ende 2023 bereitstehen.
Wo noch vor zwei Jahren keine Hochbauarbeiten im Gang waren, präsentierte sich mir am 5. März 2026 ein grandioses Bahnhofgebäude. Ich war überwältigt. Natürlich zeigten Kunstbilder in den Prospekten, wie sich der Bahnhof Weststeiermarkt nach der Fertigstellung präsentieren würde. Aber so richtig traute man den Augen nicht.
Visualisierung aus einem Prospekt der ÖBB.
Meine Begeisterung lässt sich anhand der folgenden Bilder gut nachvollziehen. Der Bahnhof Weststeiermarkt und das benachbarte Monument für die Einweihung sind weitere grandiose Bauwerke der Koralmbahn.
Mehr dazu, eine Bildserie und ein paar kritische Anmerkungen in diesem Beitrag.
Der Bahnhof Weststeiermarkt
Der Bahnhof Weststeiermark wird an Werktagen stündlich in jeder Richtung von einem Railjet und zwei Regionalzügen der Graz-Köflacher-Bahn (GKB) bedient. Zudem wird der Bahnhof von ein paar wenigen Bussen angefahren und verfügt über rund 400 Parkplätze sowie grosszügige überdachte Stellplätze für Fahrräder.
Die früher in etwa siebenhundert Meter vom heutigen Standort vorbeiführende Strecke der GKB wurde zwischen den Bahnhöfen Frauental-Bad Gams und Gross St. Florian mit zwei grossen Schlaufen an den Bahnhof Weststeiermarkt herangeführt. Ihre Haltestelle im Bahnhof Weststeiermarkt hat zwei Geleise und ermöglicht das Kreuzen von zwei Zügen. Fahrgäste aus Wies-Eibiswald und Deutschlandsberg können hier bequem auf die Fernverkehrszüge in Richtung Westen umsteigen.
Die Einbindung der Strecke der GKB in die eigentliche Koralmbahn erfolgt aber erst im Bahnhof Wettmanstätten. Ab hier benutzen die Züge der GKB auf den Geleisen der Koralmbahn und halten vor Graz Puntigam nur noch in Hengsberg.
Ansicht des Bahnhofs von Osten. (Alle Fotos in diesem Bericht stammen vom Verfasser.)Ansicht auf die Durchfahrt mit den Haltestellen für die Busse.Blick in die grosszügige Bahnhofshalle.Aufgang aus der Bahnhofshalle auf die Passerelle. Für einmal ohne Rolltreppe, dafür mit einem grosszügig dimensionierten Lift.Blick von Westen auf die eingehauste Passerelle.Blick vom Bahnsteig 2 auf die Passerelle.Blick auf den Bahnsteig 2.Blick von Westen auf den Bahnsteig 2 mit einem abfahrenden Zug nach Graz.Blick auf den hinteren Zugang zur Passerelle.Sogar der Liftschacht ist mit Keramikplatten ausgekleidet.
Für die Fahrpläne der Koralmbahn und der GKB verweisen wir auf unseren am 19. März 2026 publizierten Reisebericht von der Koralmbahn.
Das Monument zur Eröffnung der Koralmbahn
Unmittelbar neben dem östlichen Parkplatz des Bahnhofs Weststeiermarkt befindet sich ein eindrückliches Monument über das Werden der Koralmbahn. Es rundet die tiefen Eindrücke der Besichtigung ab. Auf einer künstlichen Erhebung steht einer der imposanten Bohrköpfe der Tunnelbohrmaschine. Etwa zehn Meter dahinter ist mit einem Gerippe aus Chromstahlrohren der Tunnelquerschnitt schematisch dargestellt. Auf der Sohle aus Original-Tübbingen werden die Innereien der Tunnelsohle gezeigt. Zudem befinden sich auf der Anlage Informationstafeln und Muster von bahntechnischen Installationen. Absolut sehenswert.
Ein über 200 Tonnen schwerer Bohrkopf einer Tunnelbohrmaschine.Mit Chromstahlrohren modellierter Querschnitt durch die fertige Tunnelröhre.
Die drei weiteren grossen Bahnhöfe an der Koralmbahn
Die drei weiteren grossen Bahnhöfe befinden auf der Westseite des Koralmtunnels im österreichischen Bundesland Kärnten. Sie werden von den Regional- und Regionalexpresszügen der Lavanttalbahn und – mit Ausnahme des Bahnhofs Grafenort – in der Regel stündlich von Fernverkehrszügen bedient.
Dazu ein paar Bilder aus früheren Berichten auf unserer Website.
Bahnhof Grafenstein
Luftaufnahme vom Bahnhof Grafenstein (Quelle: ÖBB).Nahaufnahme vom Bahnhof Grafenstein.
Bahnhof Kühnsdort-Klopeinersee
Bahnhofgebäude von Kühnsdorf/Klopeinersee von Osten.Blick auf die Überführung des Bahnhofs Kühnsdorf/Klopeinersee
Bahnhof St. Paul im Lavanttal
Blick auf die Zufahrt zum Bahnhof St. Paul im Lavanttal.Eingangsbereich des Bahnhofs von St. Paul im Lavanttal.Blick vom Bahnsteig 2 auf das Bahnhofgebäude von St. Paul im Lavanttal.
Kommentar
Man mag sich in Anbracht des überschaubaren Angebots an Zügen und Bussen und des mittel- und langfristigen Potentials des Bahnhofs Weststeiermarkt durchaus fragen, ob ein einfacheres Bahnhofgebäude den Bedürfnissen auch entsprochen hätte. Lassen wir diese Frage für einmal im Raum stehen und freuen uns ganz einfach über das grossartige und erstklassig ausgeführte Bauwerk.
Am 12. Dezember 2025 fand die feierliche Eröffnung der Koralmbahn im Süden Österreichs statt. Bereits seit dem 7. Dezember 2023 ist der Westast der Koralmbahn zwischen Klagenfurt und Wolfsberg in Betrieb. Wir haben auf dieser Website mehrfach über das Grossprojekt berichtet und einzelne Bahnhöfe näher vorgestellt.
Am 5. März 2026 bot sich Gelegenheit für mehrere Fahrten mit der Koralmbahn. Aus der Vielfalt des Angebots wurden verschiedene Züge benutzt – neben der ÖBB auch einen Zug der Westbahn und auf dem Abschnitt zwischen dem Bahnhof von Weststeiermarkt und Graz auch einen Regionalzug der Graz-Köflach-Bahn (GKB).
Die Eindrücke waren überwältigend. Mehr darüber und über das mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn eingeführte Interregio-Konzept der ÖBB in diesem Bericht. Dem grossartigen Bahnhof Weststeiermarkt widmen wir einen separaten Bericht.
Aber nicht nur der hochwertige Fernverkehr in Österreich hat mit der Koralmbahn einen enormen Entwicklungsschub erfahren. Auch der bis dato eher stiefmütterliche Eisenbahnverkehr zwischen mittelgrossen Städten wurde mit dem Interregio-Konzept aufgewertet und systematisiert. Wohl nicht zuletzt auch wegen der Einstellung der direkten Züge zwischen Wien über Leoben nach Klagenfurt.
Imponierendes Monument beim Bahnhof Weststeiermark. (Sämtliche Bilder in diesem Bericht wurden vom Verfasser am 5. März 2026 aufgenommen. Auch die Tabellen wurden vom Verfasser aufbereitet.)
Koralmbahn und weitere Innovationen in Österreich
Angebot im Fernverkehr
Auf der rund 130 Kilometer langen Koralmbahn besteht Mischverkehr. Im Personenverkehr werden Internationale, nationale und – auf Teilstrecken – auch regionale Züge angeboten. Als Anbieter treten die ÖBB, die Westbahn und die GKB auf. Daneben sollen auf der Koralmbahn auch Güterzüge fahren.
Auszug aus der Fahrplanbroschüre der ÖBB. Zwischen 09.03 Uhr und 10.03 Uhr fahren vier Züge von Graz auf der Koralmbahn nach Westen. Alle Fahrplanbilder können durch Anklicken vergrössert werden.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Koralmbahn eine völlig neue Eisenbahnverbindung ist, überrascht das grosse Angebot. An Werktagen sind 34 Fernzüge unterwegs.
Im Gegensatz zu den Railjet-Zügen (RJ) verkehren die Railjet Express-Züge (RJX) auf der Koralmbahn ohne Halt. Zudem halten sie auf der Fahrt zwischen Wien Meidling und Graz nur in Bruck an der Mur.
Bei den benutzten Zügen wurden am 5. März 2026 folgende überraschend hohe Fahrgastzahlen ermittelt. Und das an einem gewöhnlichen Werktag.
Am 4. und am 5. März 2026 vom Verfasser ermittelte Belegung von Zügen auf der Koralmbahn. Ergänzend ist die Belegung des Transalpin am 6. März 2026 aufgeführt.
Angebot im Regionalverkehr
Auf dem Westast der Koralmbahn verkehren die Regionalzüge zwischen Wolfsberg und Klagenfurt in der Regel stündlich. Sie zweigen in Wiederndorf-Aich von der Hauptstrecke ab und fahren über die sogenannte „Bleiburger-Schleife“, um bei Mittlern wieder auf die Geleise der Koralmbahn einzuschwenken. An Werktagen werden zusätzlich 12 beschleunigte Regionalzüge angeboten – an Sonntagen noch vier.
Die beschleunigten Regionalexpresszüge fahren nicht über die „Bleiburger-Schleife“ und verkürzen die Reisezeit zwischen Wolfsberg und Klagenfurt auf 45 Minuten. Die Regionalzüge über die „Bleiburger-Schleife“ werden à Niveau in die Koralmbahn eingebunden. Dies im Gegensatz zu den Regionalzügen aus Wolfsberg, die bei St. Paul kreuzungsfrei in die Koralmbahn eingeführt werden. Der Stundentakt im Regionalverkehr führt kaum zu Trassenkonflikten.
Auszug aus der Fahrplanbroschüre der ÖBB.
Komplexer ist der Mischbetrieb auf dem Ostast der Koralmbahn zwischen Wettmanstätten und Graz. Die Züge der GKB fahren an Werktagen in der Regel jede halbe Stunde und erreichen die Koralmbahn à Niveau. Das Risiko von Trassenkonfilkten ist hier besonders bei Verspätungen im Fernverkehr höher als auf dem Westast.
Fahrplan der Graz-Köflach-Bahn (GKB) für die Linie S6 von Wies-Eibiswald über Wettmannstätten nach Graz.
Bei der Niederschrift dieses Berichts verfügte die GKB kaum über das für den schnellen Regionalverkehr notwendige Rollmaterial. Eingesetzt wurden von der DB AG gelieferte ausgemusterte und störungsanfällige Doppelstockwagen gezogen von geleasten Vectron-Lokomotiven.
Zug der GKB nach der Ankunft in Graz HB.
Kommentar
Seit 2011 habe ich die Entstehung der Koralmbahn intensiv verfolgt. Ein grossartiges Bauwerk. Obschon die Frequenzen bedeutend tiefer sind als beim Lötschberg Basistunnel, wurde der Koralmtunnel von Beginn weg doppelspurig ausgebaut. Und während die Reise zwischen Klagenfurt und Graz mit den Intercity Bussen der ÖBB zwei Stunden beanspruchte, dauert die Reise heute mit den schnellsten Zügen noch 41 Minuten.
Die ganze Neubaustrecke kostete exakt EUR 6.3 Mrd. oder rund EUR 50 Mio. pro Kilometer Doppelspur, trotz einem beträchtlichen Tunnelanteil von rund vierzig Prozent. Das ist im Vergleich zu den hiesigen Verhältnissen ausgesprochen günstig.
Der Railjetexpress 151 verliess Graz am 5. März 2026 mit drei Minuten Verspätung um 09.25 Uhr und traf in Klagenfurt nach 38 Minuten Fahrzeit pünktlich um 10.03 Uhr ein. Eindrücklich!
Bild von einem Monitor im RJX 131 am 5. März 2026.
Aber nicht nur der Fernverkehr profitiert von der Koralmbahn. Auch die Reisezeit ins periphere Lavanttal hat sich dank der Koralmbahn halbiert. Substantiell verkürzt hat sich auch die Reisezeit von Graz in den Südosten der Steiermark. Die „normalen“ Railjet haben zwischen Graz und Klagenfurt den Charakter von Regionalexpresszügen. Sonderbar ist, dass der perfekt ausgebaute Bahnhof Kühnsdorf/Klopeinersee nur von wenigen Railjet bedient wird.
Am 5. März 2026 benutzte ich für eine Fahrt von Graz nach Klagenfurt auch einen Giruno der Westbahn. Dieser Zug war auf längeren Strecken mit 250 km/h unterwegs, während die Railjet Expresszüge „nur“ 230 km/h erreichten. Trotzdem fand ich die Fahrt mit dem Giruno angenehmer. Der Zug lief ruhiger, und die Geräusche im Innenraum waren tiefer.
Bild von einem Monitor im Giruno 1005 der Westbahn am 5. März 2026.
Nachtrag: Das Interregio-Angebot
Nachstehend ein Überblick über das Interregio-Angebot. Bemerkenswert ist, dass in Zusammenarbeit mit der Slowenischen Staatsbahn auch eine grenzüberschreitende Verbindung nach Slowenien angeboten wird. Einige Züge werden über Maribor hinaus bis nach Ljubljana weitergeführt.
Interregio-Netz der ÖBB. (Auszug aus einer Broschüre der ÖBB.)Brandneuer Interregio-Zug der ÖBB im Bahnhof Klagenfurt unmittelbar vor der Abfahrt nach Bruck an der Mur.
Hinweis: Bei den gegenwärtig für den Interregio-Verkehr eingesetzten Zügen handelt es sich um solche der ÖBB-Reihe 4748, die mit einem 1.-Klasse Abteil nachgerüstet wurden. Die eigentlich für den Interregio Verkehr vorgesehenen Züge heissen «Mireo» von Siemens. Diese sind dem Vernehmen nach noch nicht geliefert und zugelassen.
Verpflegungsstation im Interregio-Zug.Interregio-Zug der Slowenischen Staatsbahn im Bahnhof Graz. Dieser Zug fährt über Maribor hinaus weiter nach Ljubljana, wo er nach etwas über drei Stunden Fahrt eintrifft.
Und noch eine weitere Innovation im grenzüberschreitenden Reiseverkehr
Erfreulich ist, dass ab Villach auch die grenzüberschreitenden Verbindungen nach Ljubljana ausgebaut und systematisiert wurden. Ab dem 14. Dezember 2026 werden im Zweistundentakt neun Züge nach Ljubljana angeboten.
Auszug aus der Fahrplanbroschüre der ÖBB für die Linie von Villach nach Jesenice (SL).