Vorbemerkungen
Gemäss dem Geschäftsbericht 2025 der RhB AG betrug die Abgeltung pro Nettotonnenkilometer im Berichtsjahr 42 Rappen. Dieser Betrag ist in den letzten Jahren stark gewachsen.
Die intensive Diskussion über den Schienengüterverkehr der SBB war Anlass, einige Kennzahlen der Güterverkehrssparten von SBB und RhB zu vergleichen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Man fragt sich, ob und wieweit mit gleichen Ellen gemessen wird.
Die unterstellte Benachteiligung der SBB zeigt sich aber nicht nur beim Güterverkehr, sondern auch beim Ausbau von Bahnhöfen und weiteren Publikumsanlagen.
Mehr über unseren Befund in diesem Bericht.
Güterverkehr
Kennzahlen im Überblick
Zur Sicherstellung eines fairen Vergleichs wurden die finanziellen Kennzahlen vergleichbar gemacht. Mehr dazu unter den redaktionellen Hinweisen am Ende dieses Berichts.








Bahnhöfe am Beispiel des Bahnhofs Grüsch
Der Bahnhof Grüsch wird während des Tages halbstündlich von Zügen der S1 und der S2 bedient. Von Grüsch aus fährt in der Regel zwischen 06.30 Uhr und 19.00 Uhr jede Stunde ein Postauto der Linie 201 nach Seewis-Dorf. Zudem fahren an Werktagen ein paar Busse nach Fanas sowie Bedarfsbusse nach Valzeina.
Im sorgfältig renovierten Bahnhofgebäude befinden sich ein gemütliches und halbtageweise geöffnetes Bistro sowie eine kostenlos zu benutzende Toilette.
Während des Tages fahren die Schnellzüge von Landquart in Richtung Klosters ohne Halt durch. In der Regel werden die mit etwa 65 Kilometer durchfahrenden Züge über das Gleis 1 – und nicht über das am Hausperron vorbeiführende Gleis 2 – geleitet. Nur ausnahmsweise finden Zugkreuzungen statt.
In einer Entfernung von etwa 20 Metern neben der Barriere wurde eine grosszügige und mit zwei Liften erschlossene Unterführung gebaut. Wenn man diese luxuriöse und höchst spärlich benutzte Infrastruktur beispielsweise mit den Gegebenheiten im Mittelland – am Beispiel des in vieler Hinsicht unzulänglichen Bahnhofs Pfäffikon SZ – vergleicht, wird man stutzig. Aber noch mehr Unverständnis für die Zuteilung der Mittel aus dem BIF besteht, wenn man an die luxuriösen Bahnhöfe der TPF beispielsweise im Greyerzerland denkt.




Kommentar
Der von abnehmenden Mengen vor allem im Einzelwagenladungsverkehr bedrohte Schienengüterverkehr der SBB steht unter enormem Druck. Man erwartet, dass der Schienengüterverkehr in einigen Jahren kostendeckend betrieben werden kann. Eine weitere Kürzungsrunde bei den vom Güterverkehr bedienten Bahnhöfen – den sogenannten Bedienpunkten – ist im Gang. Hoffnungsvolle Konzepte wie zusätzliche nationale Umschlagszentren werden nicht weiterverfolgt. Die Gefahr, dass durch den anhaltenden Abbau wertvolle Strukturen und ein filigranes Netzwerk endgültig zerstört werden, steht im Raum.
Könnte oder sollte sich ein wohlhabendes Land wie die Schweiz nicht dauerhafte Subventionen für den Schienengüterverkehr den SBB mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag leisten?
Im Gegenzug plant die stark subventionierte RhB grössere Investitionen in das Rollmaterial für den Güterverkehr.
Nichts gegen Blockzüge mit Mineralölprodukten oder Holzlieferung über die Bernina ins Veltlin. Aber machen beispielsweise Güterzüge mit wenigen Containern für die Post oder Detailhandelsfirmen wirklich Sinn? Auch die Mineralwassertransporte von Vals nach Zizers sind ökonomisch und ökologisch fragwürdig. Die meisten Container legen die erste oder die letzte Meile ohnehin auf der Strasse zurück.
Redaktionelle Hinweise und Ergänzungen
Die in diesem Beitrag verwendeten Fotos sowie die Schaubilder wurden vom Verfasser erstellt.
Die Verkehrserträge entsprechen den von der RhB und den SBB ausgewiesen entsprechenden Beträgen. Der Gewinn der Sparte Güterverkehr der RhB – sonderbar, dass ein mit über CHF 15 Millionen subventionierter Geschäftsbereich einen Jahresgewinn ausweist – wurde zu den Kosten geschlagen. Bei der SBB wurde die Differenz 1) aus dem Ergebnis der Geschäftsbereiches Güterverkehr und 2) dem Jahresergebnis als Beitrag der öffentlichen Hand definiert.
Es ist dem Verfasser bewusst, dass im Geschäftsbereich Güterverkehr der SBB sehr unterschiedliche und ungleich rentierende Geschäftsbereiche subsumiert sind. Die auf dem konsolidierten Ergebnis des Geschäftsbereiches basierenden pauschalen Kennzahlen erheben keinen Anspruch auf buchhalterische Genauigkeit. Die Ungenauigkeit tut aber den Aussagen in diesem Bericht meines Erachtens keinen Abbruch.
Die Tabellen mit den aufbereiteten Daten und weiteren spannenden Kennzahlen über die Güterverkehrssparten von RhB und SBB können über diese Links heruntergeladen werden. Dramatisch ist vor allem der Rückgang des innerschweizerischen Schienengüterverkehrs der SBB.