WLAN bei den ÖBB und beim SAD – und eine Beobachtung am Walensee

Vorbemerkungen

Im Gegensatz zu den Postautos und zu öffentlichen Verkehrsbetrieben war WLAN in den Zügen der SBB AG sehr lange kein Thema. Gemäss unseren Beobachtungen scheint sich bei unseren Staatsbahnen ein gewisses Umdenken eingestellt zu haben. Aber reicht blosses WLAN aus?

In den letzten Wochen haben wir bei zahlreiche Bahnreisen in Österreich und in Südtirol Erstaunliches festgestellt und möchten kurz darüber berichten. Wir schliessen unseren Bericht mit einer Beobachtung aus der Schweiz ab.

WLAN in Zügen der ÖBB

In den Railjet der ÖBB steht den Fahrgästen WLAN zur Verfügung.

Die Abdeckung ist abgesehen von peripheren Gegenden im Allgemeinen sehr hoch. Das WLAN funktioniert gemäss unseren Erfahrungen sogar auf den vom Railjet befahrenen Strecken im Ausland, so zwischen Salzburg, Rosenheim und Kufstein sowie in der Schweiz.

Das Angebot beschränkt sich aber nicht nur auf die Verbindung ins Internet. Die ÖBB stellen ihren Fahrgästen ein reichhaltiges Angebot an Dienstleistungen aller Art zur Verfügung, wie dieser Auszug zeigt.

Für Bahnfreunde besonders interessant ist eine Karte, anhand der die aktuelle Position und die Geschwindigkeit des Zuges verfolgt werden kann.

Eine etwas einfachere Version dieses Railnet steht auch in den neuen Cityjet Triebzügen der ÖBB zur Verfügung, wie wir auf der Fahrt von Wörgl nach Kitzbühel oder von Linz nach Selzthal feststellen konnten.

WLAN beim SAD

Aber auch im Südtirol wird den Fahrgästen des SAD in den sechsteiligen Flirt-Zügen ein gutes und auf der Fahrt von Lienz nach Fortezza unterbruchloses WLAN angeboten.

Überhaupt hat der öffentliche Verkehr im Südtirol ein Niveau erreicht, dass in seiner Gesamtheit das Niveau in unserem Land mindestens erreicht oder gar überschritten hat.

Und die Nagelprobe am Walensee

Wie einleitend erwähnt, funktioniert das Railnet in Railjet sogar in der Schweiz, und so auch am Walensee. Nachstehend die Bildschirmkopie der Fahrt zwischen Tiefenwinkel und Mühlehorn.

Liebe Leserin, lieber Leser, wo in den umliegenden Ländern bestehen auf einer derart wichtigen und stark belasteten Magistrale derartige Gegebenheiten?

Man hat uns gelegentlich vorgeworfen, negativ über Verhältnisse in der Schweiz zu berichten. Das sehen wir nicht so. Das wirklich Tragische an der Situation an der „mittelalterlichen“ Eisenbahninfrastruktur am Walensee ist, dass das Problem weder im Fokus der SBB noch von zahlreichen Bahnfreunden auftaucht.

Eisenbahnprojekte im Grossraum Wien

Topics

Neben den bekannten Grossprojekten wie Brenner Basistunnel, Koralmbahn und Semmering-Basistunnel werden in Österreich derzeit auch mittelgrosse aber in ihrer Gesamtheit ebenso wichtige Schlüsselprojekte für die Eisenbahninfrastruktur realisiert.

Zwei davon betreffen den Ausbau der Bahninfrastruktur im Grossraum Wien – nämlich die Verbindung zwischen Wien und Bratislava sowie die Leistungssteigerung der bisherigen Nebenlinie zwischen Wien und Wiener Neustadt.

Mit diesem Bericht möchten wir die beiden Projekte und deren Stand vorstellen. Bemerkenswert ist, dass bei beiden Projekten – teilweise auch an neuen Lagen – neue Bahnhöfe gebaut werden. Zudem entstand in der näheren Umgebung von Wien ein leistungsfähiger und moderner Containerterminal.

Pottendorfer Linie

Die Bestandesstrecke von Wien über Baden bei Wien nach Wiener Neustadt trägt heute die Hauptlast des Verkehrs zwischen diesen Zentren und ist Zulaufstrecke zum Semmering. Neben dieser Linie bestehen zwischen Wien und Wiener Neustadt zwei weitere Bahnstrecken. Eine davon, die Aspangbahn, hat untergeordnete Bedeutung. Viel wichtiger hingegen ist die über Pottendorf führende zweite Linie.

Zur Entlastung der Bestandesstrecke wird die Pottendorfer Linie seit 2014 zurzeit grundlegend erneuert und ausgebaut. Etwa die Hälfte der 52 Kilometer langen Strecke ist bereits in Betrieb, und 30 Prozent befinden sich in der Fertigstellungsphase mit Plantermin Ende 2019. Etwa 20 Prozent sind in fortgeschrittener Planung. Die Arbeiten an der gesamten Strecke sollen 2023 abgeschlossen werden.

Die neue Verbindung wird die Bestandesstrecke über Baden wesentlich entlasten, das Containerterminal Wien Süd erschliessen und zusätzlichen Güterverkehr aufnehmen. Zudem könnte die Pottendorfer-Linie mit Verbindungskurven in Ebenfurth und Wulkaprodersdorf die Reisezeit von Wien in die Hauptstadt des Bundeslandes Burgenland, Eisenstadt, substantiell verkürzen.

Im Rahmen des Ausbaus der Pottendorfer Linie werden alle Bahnhöfe an neuen Standorten neu gebaut oder verlegt. Mit Ausnahme der Umfahrung von Ebreichsdorf durch eine zehn Kilometer lange Neubaustrecke sowie einer Neutrassierung bei Hennersdorf bleibt die Streckenführung erhalten.

„Marchegger Ostbahn“

Von Wien nach Bratislava führen zwei Eisenbahnlinien. Eine davon endet in Bratislava Petrzalka, einem auf der westlichen Seite der Donau gelegenen Stadtteil der Haupstadt der Slowakei. Auf dieser Linie verkehrt stündlich eine S-Bahn nach Wien. Ab 2019 wird zusätzlich von Bratislava Petrzalka aus ein Railjet bis nach Zürich fahren.

Die zweite als Marchegger Ostbahn bezeichnete bedeutend wichtigere Linie verbindet Wien mit dem Hauptbahnhof von Bratislava. Der Grenzübertritt erfolgt nach Marchegg. Auf der einspurigen Strecke herrscht Dieselbetrieb. Heute verkehren von Wien aus stündlich ein Regioexpress nach Bratislava und ein Regionalzug nach Marchegg.

Im Rahmen der laufenden Ertüchtigung der Marchegger Ostbahn wird diese abschnittsweise auf Doppelspur ausgebaut und elektrifiziert. Alle Bahnhöfe werden neu gebaut und an einigen Stellen mit der U-Bahn und dem städtischen Verkehrsnetz von Wien verbunden. Das Herzstück der Marchegger Ostbahn ist die rund 34 Kilometer lange gerade Strecke zwischen Hirschstetten und Breitensee.

In Anbetracht der Luftlinie von 55 Kilometern zwischen Wien und Bratislava ist die Reisezeit des Regioexpress von 66 Minuten sehr hoch. Nach der Fertigstellung der laufenden Arbeiten sinkt die Reisezeit auf knapp vierzig Minuten.

Das Trasse in Österreich ist bereits oder wird gemäss meinen Beobachtungen vollständig für den Ausbau auf Doppelspur vorbereitet. Auf einem Abschnitt von etwa zehn Kilometern wird der Ausbau auf Doppelspur bis auf weiteres aufgeschoben.

Kommentar

Der Ausbau erfolgt bei beiden für 160 km/h bestimmten Bahnstrecken auf einem sehr hohen Niveau. Der Schallschutz ist beispielhaft. Im Bereich der Bahnhöfe werden die Schallschutzwände aus Betonelementen durch solche aus Glas oder Ortsbeton ersetzt. Die architektonische Gestaltung und die Materialisierung der Bahnhöfe sind hochwertig. Beleuchtung und Kundenführung sind beispielhaft. Sämtliche Bahnhöfe an der Pottendorfer Linie weisen drei oder vier Geleise auf.

Nachstehend zwei Bilder vom Güterzentrum Wien Süd und von vier besichtigten Bahnhöfen – die Bilder sprechen für sich. Das Güterzentrum Wien Süd konnte leider nur aus dem fahrenden Zug fotografiert werden.

Während der Besichtigung der sich teilweise noch im Bau befindenden Bahnhöfe herrschte Nebel, oder es regnete. Das beeinträchtigte die Qualität der Bilder.

Bahnhof Marchegg

Bahnhofgebäude und Hausperron

Abgang zur Unterführung, dahinten der Lift

Bahnhof Achau

Blick von der Strasse auf den Bahnhof

Bereits fertiggestellter Mittelperron, daneben wird nach der Fertigstellung der Strassenunterführung ein zweiter Perron gebaut.Zugang zum Lift
Unterführung mit Zugang zu den Perrons. Links der noch versperrte Zugang zu der noch im Bau befindlichen Unterführung für Fahrräder.

Detail vom TreppenpodestDetail vom Treppenabgang

Bahnhof Henningsdorf

Perron bei Tag mit Blick auf den Glaseinsatz in der Schallschutzwand
Perron bei Nacht

Parkplätze unter dem Bahnhof
Abstellplätze für Fahrräder unter dem Bahnhof
Blick auf einen der beiden Lifte zu den Bahnsteigen

Bahnhof Aspern (verbunden mit U-Bahnstation)

Blick auf die U-Bahnstation, dahinter die Bahnstation

Ansicht der Bahnstation
Detailansicht vom Übergang von der Bahnstation zur U-BahnstationAbgang von der Passerelle zur U-Bahnstation

Kunst am Bau in der U-Bahnstation
Informationsblock mit Sitzgelegenheiten in der U-Bahnstation

Abschliessende Bemerkungen

Die Bilder der Bahnhöfe sprechen für sich. Hervorragende Architektur, hochwertige Materialien und sorgfältige Ausführung.

Eindrücklich auch das Güterzentrum Wien Süd im Metropolitanraum der Stadt. Da fragt man sich unwillkürlich, weshalb es den SBB nicht gelungen ist, in Spreitenbach mit der exzellenten Anbindung an Schiene und Strasse, etwas Gleichwertiges zu schaffen.

Auch die Umfahrung von Ebreichsdorf beeindruckt durch Grosszügigkeit und Weitsicht.. Dabei wäre es möglich gewesen, die bestehende Linie durch das Zentrum von Ebreichsdorf mit einem zweiten Gleis zu erweitern. Trotzdem wird eine Umfahrung gebaut. Man vergleiche diese Lösung beispielsweise mit dem Ausbau von Liestal oder dem Verzicht auf die Führung der NEAT entlang der Autobahn A2 zwischen Biasca und Giubiasco. Noch unverständlicher sind der Seitenast des Brüttenertunnels und die angedachte Wiedereinführung des Schnellzugsverkehr von Zürich nach Winterthur über Zürich-Oerlikon und Wallisellen.

GKB – exzellente Kundenfreundlichkeit in der Steiermark

Vorbemerkungen

Auf meiner Studienreise nach Österreich im November 2018 machte ich auch einen Abstecher ins Bundesland Steiermark, um ein paar Fahrten mit der Graz-Köflach-Bahn GKB zu unternehmen. Verschiedene Aspekte haben mich als Fahrgast sehr beeindruckt. Nach einem kurzen Überblick über die GKB möchte ich darüber berichten.

Überblick GKB

Die GKB ist in den Verkehrsverbund Steiermark eingebunden. Die GKB verbindet mit ihren Zügen Graz nach Westen und nach Osten. Hier ein Überblick über das Schiennenetz der GKB:

Wichtigste weitere Partner im Verkehrsverbund Steiermark sind die ÖBB und die Graz Linien. Der Verkehrsverbund Steiermark deckt das gesamte Bundesland Steiermark ab.

Das Bundesland Steiermark mit der Hauptstadt Graz erstreckt sich über eine Fläche von 16‘250 km2 und wird zurzeit von etwa 1‘250‘000 Menschen bewohnt. Die Bevölkerungsdichte liegt etwa 60 Prozent unter derjenigen der Schweiz.

Die GKP setzen hauptsächlich dieselbetriebene GTW-Triebzüge der Firma Stadler Rail ein. In den Hauptverkehrszeiten kommen vereinzelte Züge mit Doppelstockwagen und Diesellokomotiven zum Einsatz. Die GKB streben an, ihre Strecken zu elektrifizieren.

Wie in Österreich im Regional- und S-Bahn-Verkehr üblich, führen die Züge der GKB nur 2. Klasse.

Die GKB erbringen ihre Leistungen überwiegend auf eigenen Strecken. Nach Osten wird auf einem Teilstück eine Strecke der ÖBB mit befahren.

Der an Werktagen dichte Taktfahrplan wird am Samstag und am Sonntag ausgedünnt. Einzelfahrten sind im Gegensatz zu den günstigen Abonnementen relativ teuer. An Wochenenden und an Feiertagen wird für EUR 11.- ein für die gesamte Steiermark gültiges und ausgesprochen günstiges Freizeitticket angeboten.

Der Ausbaustandard der Stationen und Haltestellen erreicht nicht das Niveau der ÖBB. In den letzten Jahren wurden jedoch zahlreiche Stationen erneuert. Die Pünktlichkeit der GKB ist mit ausgewiesenen 99 Prozent beispielhaft.

Ergänzend zum Schienenverkehr betreiben die GKB zahlreiche Buslinien.

Fahrausweise

Auf den Einzelfahrscheinen werden im Gegensatz beispielsweise zum ZVV sowohl die durchfahrenen Zonen als auch Abgangs- und Zielbahnhof ausgewiesen. Eigentlich eine kundenfreundliche Selbstverständlichkeit.

Hier zwei Beispiele:

Sonnenschutz in den GTW-Triebwagen

Die Fahrgäste der GKB können sich im Gegensatz zu den Kunden in der Kunden in der Schweiz in den GTW mit Sonnenstoren gegen das Sonnenlicht schützen. Die Rollen sind in die Gepäckablage integriert. Die Führungsschienen wurden auf die Fensterrahmen geschweisst. Der nicht abgedeckte Teil der Scheibe oberhalb der Gepäckablage lässt auch bei gesenkten Storen gedämpftes Licht in den Raum, ohne die Fahrgäste zu blenden. Die Konstruktion ist solid.

Nachstehend drei Bilder:

Zugbegleitung

Sämtliche von mir benutzten Züge waren begleitet. Die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter waren korrekt gekleidet und traten freundlich und bestimmt auf. Da auf den Haltstellen keine Billettautomaten vorhanden sind, kann man Fahrscheine auch im Zug lösen.

Die Züge sind sehr sauber und weisen keine Abnützungsspuren oder Beschädigungen auf. Dies ist meines Erachtens auch auf die sichtbare Präsenz der Zugbegleitung zurückzuführen.

Schlussbemerkungen

Das Gesehene hat mich wie geschrieben sehr beeindruckt. Die Kundenfreundlichkeit des Systems ist überragend. Mögen sich die Verantwortlichen der SBB und des ZVV ein Beispiel an den GKB nehmen. Ich frage mich immer mehr, was vor allem das Management der SBB unter dem Begriff „Kundenfreundlichkeit“ versteht. Bis auf weiteres sollten die Verantwortlichen vom Gebrauch dieses Begriffs Abstand nehmen!

Antalya – Stadtbahn der Superlative

Topics

Im Rahmen von Wanderferien verbrachten wir im Oktober 2018 einige Tage in der Türkei. Ausgangs- und Endpunkt war die stark wachsende Stadt Antalya mit über 1,1 Millionen Einwohnern. Bei der Ankunft am Flughafen sahen wir, dass der Flughafen von einem Tram erschlossen ist. Anlass für eine kurze Entdeckungsreise vor der Abreise.
Wir entdeckten ein hoch entwickeltes und modernes Stadtbahnsystem. Mehr über unsere mit Informationen aus dem Internet ergänzten Beobachtungen in diesem Beitrag.

Überblick

Das in seiner Gesamtheit einen hohen Stand aufweisende öffentliche Verkehrssystem von Antalya verfügt neben zahlreichen Buslinien über zwei normalspurige Tramlinien. Eine davon ist über fünf Kilometer lang und erschliesst die Innenstadt. Die 1999 eröffnete Strecke wird unseres Erachtens zu Unrecht als „nostalgische Linie“ bezeichnet. Daneben besteht eine leistungsstarke und moderne Stadtbahn, die wir im Folgenden kurz vorstellen.

Strecke

Die erste Etappe dieses heute rund 28 Kilometer langen Systems wurde 2009 eröffnet. Die zweite Etappe wurde 2016 in Betrieb genommen. Die Bahn verbindet ein Aussenquartier im Norden der Stadt mit dem Ausstellungsgelände im Südosten der Stadt. Ein knapp zwei Kilometer langer Ast führt zum internationalen Flughafen von Antalya. Weitere Ausbauten sind geplant.

Ausserhalb der Innenstadt verkehrt die Stadtbahn auf einer eigenen Trasse.

Stark befahrene Strassen werden in der Regel in Unter- oder Überführungen passiert.

Der Ast zum Flughafen ist mit einer Überwerfung kreuzungsfrei eingebunden.

Auch in der Kernzone fährt die Bahn auf einer eigenen und abgetrennten Trasse. Der Beton mit den eingegossenen Schienen ist zum Lärmschutz und aus ästhetischen Gründen mit einer festen Matte aus Flies abgedeckt.

Haltestellen

Die Mehrzahl der Haltstellen wurde nach zwei einheitlichen Standards gebaut. Ausserhalb des Stadtzentrums wurden die Haltestellen zwischen den beiden Fahrspuren der Ausfallstrassen als Insel mit einer Überführung errichtet.

Der Fahrsteig und die Überführung sind ausschliesslich mit Rolltreppen und einem Lift verbunden.

Der Fahrsteig ist mit einem geschwungenen und repräsentativen Schutzdach geschützt.

Fahrgäste werden mit elektronischen Anzeigen orientiert. Wartenden Fahrgästen stehen gestylte und solide Sitzbänke zur Verfügung.

In der Innenstadt verfügen die Haltestellen über ein Schutzdach aus Glas. Dieses deckt nur einen Teil des Fahrsteigs ab.

Die Haltestellen sind strassenseitig mit etwa einer Meter hohen und leicht wirkenden Glasbrüstung abgetrennt.

Die Haltestelle beim Flughafen ist aufgeständert. Sonst entspricht der Standard der Haltestelle denjenigen im Überlandbereich.

Fahrkarten

Die Benützung der Bahn erfolgt durch eine Chipkarte. Der Zugang zu den Haltestellen erfolgt durch mit Lesern ausgestattete Drehkreuze.
In der Regel verfügen die Haltestellen nur über einen Zugangspunkt. Bei grösseren Haltestellen im Stadtzentrum hat es zwei Zugangspunkte. Infolge der knappen Zeit konnten keine Informationen über das Tarifsystem eingeholt werden. Wir benützten bei unseren Fahrten eine bei den Automaten zu lösende und offensichtlich wieder aufladbare Chipkarte für TL 12.-.

Bei jeder Fahrt wurde die Chipkarte mit TL 2,75 belastet. Meines Erachtens stehen den Fahrgästen eher wenige Billettautomaten zur Verfügung.

Diese sind jedoch einfach zu bedienen. Eine Türkische Lira TL kostet gegenwärtig etwa 18 Rappen.

Fahrplan

Die Trams verkehren zwischen Fatih Bus Station und Yonka Kavsak nach einem dichten Fahrplan. Während dem Tag fährt alle acht Minuten ein Tram. In den verkehrsschwachen Zeiten verkehren weniger Trams. Ab Yonka Kavsak fährt jedes zweite Tram abwechselnd entweder zur Messe oder zum Flughafen.

Rollmaterial

Neben der Endstation Fatih Bus Station befindet sich ein ausgedehntes Depot. Gemäss unserer Beobachtung wird nur ein einheitlicher Fahrzeugtyp eingesetzt.

Fahrgäste werden akustisch in Türkisch und Englisch sowie mit zwei verschiedenen elektronischen Anzeigen orientiert.

Die Niederflurtrams sind sehr sauber und angenehm gekühlt. Breite Türen ermöglichen einen raschen Fahrgastwechsel.

Die meisten Trams sind mit bunten Werbeanzeigen versehen. Wir empfanden die oft bunten Aufschriften nicht als störend, zumal sie den Lichteintritt kaum behindern und dafür gegen das selbst im Oktober noch stechende Sonnenlicht abschirmen.
Im Überlandbereich werden die Trams durch Lichtsignale gesteuert. Wir meinten, bei der Einmündung der Linie zum Flughafen zwischen den Schienen Ballisen zu orten, was auf Zugleitsystem schliessen lässt.

Abschliessende Bemerkungen

Das Gesehene hat uns tief beeindruckt. Neben der hoch entwickelten Technik hat uns die Architektur der Bauten gut gefallen. Auch die handwerkliche Qualität ist im Allgemeinen untadelig.

In den grösseren Städten stehen den eher spärlichen Radfahrenden separate und vom übrigen Strassenverkehr abgetrennte Fahrradwege zur Verfügung.

Aber auch die auf unseren Überlandfahrten befahrenen Fernverkehrsstrassen sind sehr eindrücklich. Der überwiegende Teil der Hauptrassen ist trotz mässigem Verkehr richtungsgetrennt und verfügt in jeder Richtung über zwei oder drei Fahrspuren. Besonders die Fahrt auf der D585 von Korkutely nach Antalya war atemberaubend. Da wurden für den Bau der Strasse buchstäblich Berge versetzt.

Immerhin überwindet die Strasse auf einer Länge von 60 Kilometern einen Höhenunterschied von über 1‘000 Metern.

Der Ausbaustandard der Ausfallstrassen der besuchten Städte Antalya und Fetijeh ist hoch.

Die Mittelstreifen im Bereich der durchfahrenen Ortschaften sind meist mit Blumen oder Büschen bepflanzt.

CFF gegen SBB 1:0 – und ein paar Anschlussbemerkungen

Topics

Vor einigen Tagen fuhren wir mit dem Zug von Zürich zum Flughafenbahnhof Genf. Auf der Rückfahrt bestiegen wir in Genf-Cornavin den Zug nach Zürich. Die Fahrt entlang dem Genfersee bot Gelegenheit, unsere Aufmerksamkeit auch der dreispurigen Strecke und den Haltestellen für den Vorortsverkehr zu widmen. Anlass genug, die Eindrücke am 3. Oktober 2018 auf einem Abstecher nach Genf zu vertiefen. Die dabei gewonnenen Eindrücke überraschten. Hier ein kurzer Bericht.

Bahnhof Genf-Cornavin

Die Räume des Bahnhofgebäudes hinterlassen in ihrer Gesamtheit einen repräsentativen, ja luxuriösen Eindruck. Die Anlagen sind sehr sauber, und Kunstobjekte steigern das Wohlbefinden der Passagiere. Da geht man gerne hin. Was für ein Gegensatz zum ärmlichen Gussasphalt bei uns!

Abgang vom Perron in die Unterführung

Blick von der Unterführung nach oben

Ausführungsdetail auf der Treppe in die Unterführung

Blick in die vordere Unterführung

Aufgang aus dem Verbindungsgang in die vordere Unterführung

Kunstobjekt in der Halle

Kunstobjekt – Abschluss des ehemaligen Portals

Blick in den Verbindungsgang und den Schalterbereich

Blick in die Haupthalle

Blick aus der Haupthalle in den Verbindungsgang

Blick aus der Haupthalle in die Unterführung 2

Blick auf die Haupthalle und in den Verbindungsgang

Ausführungsdetail – Blick auf die Geldausgabeautomaten

Entsorgungsstation – schäbig und deplaziert

Infrastruktur für den Vorortsverkehr von Genf-Cornavin nach Coppet

Wie einleitend erwähnt, ist diese Strecke dreispurig. Auf dem seeseitigen Gleis wird der Vorortsverkehr abgewickelt. Die Abstände zwischen den Haltepunkten sind relativ kurz. Etwa jede dritte Haltestelle verfügt über ein Ausweichgleis mit Mittelperron. Kein Fahrgast wird von einem an der Gleiskante durchfahrenden Schnell- oder Güterzug gestört oder gefährdet. Kein Vergleich mit Gegebenheiten in der Deutschschweiz. Beeindruckend!

Chambésy

Zwischenperron und Ausweichgleis in Chambésy
In Chambésy vorbeirasender IC – ein wunderschöner Anblick aus sicherer Entfernung

Creux-de-Genthod

Zwischenperron in Creux-de-Genthod

Trainspotting aus sicherer Entfernung – auch in Creux-de-Genthod möglich

Bild auf eine der zahlreichen kleinen Haltestellen zwischen Genf-Cornavin und Coppet

Anschlussbemerkungen

Dem Vernehmen ist die Planung für einen unterirdischen Durchgangsbahnhof Genf-Cornavin weit fortgeschritten. Der Bedarf nach diesem sehr teuren Ausbau ist für mich nicht gegeben. Genf-Cornavin verfügt heute über sieben Gleiskanten. Zwei davon sind für den Reiseverkehr nach Frankreich bestimmt. Würde man die TGV aus Frankreich ins Schweizer Taktsystem integrieren und nach Lausanne weiterführen, könnten Synergien gewonnen und auf den Ausbau verzichtet werden. Viel wichtiger wäre eine vollständige Neubaustrecke zwischen Genf und Lausanne.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an das Votum von Luc Barthassat, Mitglied der Genfer Kantonsregierung, der an einer Veranstaltung in Lausanne vom 27. Oktober 2017 monierte, dass die Region Léman beim Ausbauschritt 2030/2035 übergangen werde. Diese sehr einseitige Argumentation ist ein schlechtes Omen für die Behandlung der Massnahmen des Ausbauschritts 2030/35 in den schweizerischen Räten.

Viele Triebwagenzüge tragen bereits das Logo „Léman Express“ der nach der Eröffnung der Ceva-Linie in Betrieb gehenden S-Bahn. Ich kann mir überschwänglichen Eröffnungsansprachen bereits heute gut vorstellen. Dabei wurde höchstens halbe Arbeit geleistet. Weshalb haben es die Politiker und die Eisenbahnunternehmen nicht geschafft, im unteren Genferseebecken ein grenzüberschreitendes S-Bahnsystem im Dreieck Genf – Bellegarde – Evian zu errichten? Dies verbunden mit dem Potential, das Teilstück der Tonkin-Linie zwischen Evian und St. Gingolph in Zukunft wieder in Betrieb nehmen zu können, und damit die Verkehrsgunst des Chablais nachhaltig und relativ kostengünstig zu steigern.

Bringen wir es auf den Punkt: „Weitsichtige Verkehrsplanung sieht anders aus!“

Kéolis S.A. – Innovation und Wachstum / Fakten und Kommentar

Vorbemerkungen

Kéolis S.A. wurde 2001 gegründet und ist eine im Personenverkehr weltweit tätige, innovative und erfolgreiche Unternehmensgruppe. Das Unternehmen mit Sitz in Paris ist eine Tochtergesellschaft der SNCF. SNCF hält eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent werden von einer kanadischen Bank gehalten.
Erstaunlicherweise ist Kéolis selbst unter Bahnfreunden in der Schweiz wenig bekannt. Auch das Wissen um die Entwicklungen im europäischen öffentlichen Personenverkehr hält sich hierzulande in Grenzen. Anlass genug, Kéolis einen Beitrag auf unserer Website zu widmen und auf verschiedene bemerkenswerte Aspekte einzutreten.

Kéolis S.A. im Überblick

Kéolis beschäftigte 2017 63‘000 Mitarbeitende und ist in zehn europäischen Ländern sowie in Nordamerika und in Asien tätig. Kéolis verfügt über eine breite Expertise als Anbieterin von klassischem Schienenverkehr, U-Bahnen, Strassenbahnen, Luftseilbahnen, Bussen und weiteren Transportdienstleistungen, wie Carsharing, Velovermietung, Rettungsdienste sowie im Betrieb von Parkhäusern. Diese breite Angebotspalette ermöglicht Kéolis, für Gemeinwesen gesamtheitliche und innovative Mobilitätskonzepte mit vielfältigen Verkehrsangeboten zu entwickeln und zu betreiben.
2017 betrug der Umsatz EUR 5’399 Mio., und von Kéolis wurden weltweit rund 3 Milliarden Personen befördert. Seit 2008 ist der Umsatz Kéolis um 170 Prozent gestiegen – national um 80 Prozent und international um stolze 560 Prozent. Leider ist die von Kéolis zur Verfügung gestellte Datenbasis dürftig. Detaillierte Angaben über den Geschäftsgang auf den Teilmärkten liegen nicht vor.

Nachstehend ein Überblick über die wichtigsten Dienstleistungen und Kennzahlen sowie ein Vergleich der Auslandaktivitäten von Kéolis mit DB Arriva.

Quelle: Geschäftsbericht 2017 von Kéolis sowie eigene Erhebungen

Quelle: Geschäftsbericht 2017 von Kéolis und eigene ErhebungenQuelle: Geschäftsberichte 2017 der beiden Gesellschaften.

Erkenntnisse

  1. Knapp die Hälfte des Umsatzes von Kéolis wird ausserhalb von Frankreich erbracht. Der Anteil des Auslandumsatzes wächst dynamisch. Dennoch ist DB Arriva doppelt so gross wie das Auslandgeschäft von Kéolis.
  2. Kéolis verfügt im öffentlichen Personennahverkehr über eine ausgesprochen breite Expertise bei allen relevanten Verkehrsträgern. Das ermöglicht Kéolis, integrierte Verkehrskonzepte zu entwickeln und zu betreiben.
  3. Diese Eigenschaft bestätigt die Vermutung, dass Frankreich bei der Entwicklung von innovativen und gesamtheitlichen Verkehrssystemen im Personennahverkehr eine Spitzenposition einnimmt und diese Fähigkeit auch vermarkten kann.
  4. Die internationalen Aktivitäten von grossen mitteleuropäischen Staatsbahnen wie SNCF mit Kéolis, DB mit Arriva und NS mit Abellio zeigen, dass der Wettbewerb auch im Personennahverkehr auf der Schiene funktioniert und Innovationen fördert.
  5. Interessant wäre es, die wahren Beweggründe der europäischen Staatsbahnen zu kennen, neben dem Güterverkehr auch im Personenverkehr ins Ausland zu expandieren. Nachstehend ein Katalog von möglichen Motiven:
    a. Im Heimatland der jeweiligen Staatsbahn nicht vorhandene unternehmerische Freiheit gegenüber der Politik, den Lieferanten und den Arbeitnehmerorganisationen
    b. Gewinnung von Informationen über den Eisenbahnbetrieb im Ausland
    c. Ausnutzen von Synergieeffekten
    d. Merkantilistische Überlegungen zur Förderung der nationalen Interessen des Sitzlandes der jeweiligen Staatsbahn, verbunden mit einer versteckten Subventionierung der Auslandsaktivitäten
  6. Offensichtlich ist es der EU nachhaltig gelungen, stark verkrustete Märkte aufzubrechen und echten Wettbewerb als Treiber von Innovationen und Effizienz zu schaffen.
  7. Bemerkenswert ist zudem, dass Frankreich den Schutz seiner nationalen Verkehrsmärkte nur sehr zögerlich aufgibt und trotzdem weltweit als innovativer Anbieter im öffentlichen Personennahverkehr auftritt. Liegt da nicht ein Widerspruch zwischen den europafreundlichen Forderungen von Präsident Macron und der Realität vor? Taten statt Worte sind gefragt.

Und in der Schweiz

  1. Mag dieser Bericht die Diskussion über den Wettbewerb im öffentlichen Verkehr in der Schweiz intensivieren und versachlichen.
  2. Dazu kommt, dass der Wettbewerb innerhalb von Verkehrsträgern bereits heute spielt. Man denke beispielsweise an das Engagement der Churer Busbetriebe im Oberengadin.
  3. Es wäre unseres Erachtens an der Zeit, die Sinnhaftigkeit der Vielzahl von schweizerischen Eisenbahnunternehmen im Normalspurbereich kritisch zu hinterfragen.
  4. Auch im Metropolitanraum Zürich besteht inzwischen eine unübersichtliche Vielfalt von Verkehrsträgern und Angeboten. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.

Gruppenreise im Elsass – Eindrücke und Kommentar

Vorbemerkungen

Am Wochenende vom 25. auf den 26. August 2018 unternahmen wir – eine Gruppe von 14 Personen – ein Wanderwochenende in den Vogesen. Dabei benützten wir gemäss der nachstehenden Übersicht auch im Elsass ausschliesslich öffentliche Verkehrsmittel.

Für die Reisen von täglich rund 220 Kilometern ab Basel SNCF benützten wir die nur am Wochenende erhältlichen Tageskarten für Gruppen bis zu fünf Personen. Diese Tageskarten kosteten EUR 38.10, entsprechend etwa CHF 44.-. Somit betrugen die Reisekosten pro Person für beide Tage CHF 19.- oder 4,4 Rappen pro Kilometer. Alle verwendeten Verkehrsmittel waren sauber und trafen pünktlich am Zielort ein.

Übernachtet haben wir in Molsheim. Der Bahnhof dieses Städtchens hat uns sehr beeindruckt. Dazu ein paar Bilder – auch die Schalterhalle präsentiert sich sauber und grosszügig. Die Signaletik ist klar und benutzerfreundlich.

Die Verbindungen zwischen Molsheim und Strasbourg sind an Werktagen sehr dicht. Am Wochenende verkehren weniger Züge. Hier ein Auszug auf dem Fahrplan.

Weitere Eindrücke

  1. Leider verkehrten infolge Bauarbeiten zwischen Molsheim und St. Dié-des- Vosgues nur Bahnersatzbusse. Die Strecke zwischen Strasbourg und Rothau wurde vor rund zehn Jahren erneuert und durchgängig auf Doppelspur ausgebaut. Ab Rothau nach Saales und weiter nach St. Dié-des-Vosgues ist die Strecke einspurig, weniger gut ausgebaut und weist einen bedeutend tieferen Zugsverkehr auf.
  2. In Rothau werden Weichen und Signale noch mit einem mechanischen Stellwerk gesteuert.
  3. In Strasbourg habe ich auf den Abstellgeleisen für den Regionalverkehr praktisch nur noch neues Rollmaterial gesichtet. Die dreiteiligen Dieseltriebzüge sind komfortabel und beschleunigen rasch.
  4. Aufgefallen sind mir der exzellente Zustand der Gleisanlagen zwischen Strasbourg und Basel und die besonders im nördlichen Teil zahlreichen Überholgeleise. Nach meiner Einschätzung hätte die Strecke während der Streckensperrung bei Rastatt bedeutend mehr Güterverkehr aufnehmen können (und sollen).
  5. Die zwischen Basel und Strasbourg mit bis zu 200 km/h fahrenden Regionalzüge TER 200 werden mit Corail-Wagenmaterial geführt. Die Wagen sind etwas in die Jahre gekommen, aber selbst in der zweiten Klasse bequem und geräumig. Die TER 200 benötigen für die Strecke von rund 145 Kilometern zwischen Basel und Strasbourg und mit drei Zwischenhalten – Mulhouse, Colmar und Sélestat – 78 Minuten und erreichen damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h – höchst eindrücklich. Hinweis: Das entspricht der Durchschnittsgeschwindigkeit der zwischen Bern und Zürich ohne Halt verkehrenden IC-Züge.
  6. In seiner Gesamtheit erreicht der öffentliche Verkehr im Elsass das Niveau in der Schweiz nicht – aber die Fortschritte in den letzten Jahren besonders in den Metropolitanräumen von Strasbourg und Mulhouse sind enorm. Dazu gehört auch das neue Tram-Train zwischen Mulhouse und Thann.

Kritische Fragen zu den Sparpreisen

  1. Natürlich haben wir uns über die günstigen Fahrpreise im Elsass gefreut.
  2. Aber nicht nur im Elsass kann man günstig fahren – eine Teilnehmerin hat für die Fahrt mit dem IC 760 von Zürich nach Basel ein Sparbillett von CHF 5.20 gelöst. Der Zug war übrigens sehr schwach besetzt.
  3. Die enorm günstigen Preise beunruhigen mich dennoch. Der Preis ist aus Kundensicht der Massstab für eine Dienstleistung und bestimmt in einem gewissen Sinn das Ansehen des Produkts. Sind Bahnreisen in der öffentlichen Wahrnehmung so weit gesunken, dass die Bahngesellschaften glauben, gewisse Züge nur noch mit diesen günstigen Preisen füllen zu können? Handelt es sich dabei nicht um Schleuder- oder Schundpreise? Hoffentlich wird dadurch nicht eine fatale Spirale nach unten eingeleitet! Weshalb beschränkt sich der Einsatz von Sparbilletten nicht auf Strecken, bei denen die Bahn unmittelbar durch Fernbusse konkurrenziert wird?
  4. Zudem besteht der Eindruck, dass die Einführung der Sparbillette überhastet erfolgt ist. Billettpreise zu weniger als einem Drittel des regulären Preises sind kaum zu rechtfertigen. Möglicherweise haben die SBB Algorithmen anderer europäischen Bahnunternehmen übernommen, ohne zu berücksichtigen, dass auf den jeweiligen Verkehrsmärkten andere Gegebenheiten bestehen.

 

Bahn und Bus in Irland / Fakten und Kommentar

Topics

In unserem Beitrag aus dem Jahr 2015 haben wir über das Bahnwesen in der Republik Irland berichtet. Im August 2018 haben wir Irland erneut besucht und einen Abstecher nach Nordirland unternommen. Dabei fuhren wir mit der Bahn von Dublin nach Belfast und zurück und unternahmen in Belfast drei kürzere Fahrten mit Regionalzügen.

Beim Rundgang durch Dublin und Belfast besichtigten wir auch die zentralen Busbahnhöfe und studierten dort das Angebot an Fernbusverbindungen. Ein besonderes Augenmerk galt dem in diesem Beitrag dargestellten Vergleich des Fernverkehrs von Bus und Bahn.

Zentrale Busstationen und Bahnhöfe

Vorab ein paar Bilder von den grossen zentralen Busstationen und Bahnhöfen in Nordirland und Irland:

Zentrale Busstation im Stadtzentrum von Dublin, im rechten Teil die Einfahrt für die Busse

Haupteingang der zentralen Busstation von Dublin

Wartezone in der zentralen Busstation von Dublin

Innenansicht der zentralen Busstation von Dublin

Innenansicht der zentralen Busstation von Belfast, unmittelbar neben dem Bahnhof von Belfast Great Victoria Street

Innenansicht des Bahnhof Great Victoria Street von Belfast. Daneben gibt es in Belfast mit Central Station einen weiteren grösseren Stadtbahnhof, über den unter anderem der Eisenbahnverkehr mit der Republik Irland abgewickelt wird.

Innenansicht des Bahnhofs Dublin Heuston. Zudem besteht im Stadtzentrum von Dublin in der Nähe der zentralen Busstation ein zweiter grosser Stadtbahnhof, über den der Verkehr mit Nordirland, Teile des Fernverkehrs und der elektrisch betriebene dichte S-Bahn Verkehr abgewickelt werden.

Wie die Bilder zeigen, bestehen weder in der Republik Irland noch in der britischen Provinz Nordirland zwischen den Busstationen und den Bahnhöfen in baulicher und einrichtungsmässiger Hinsicht Unterschiede. Sauberkeit, klare Signaletik, geschützte Wartezonen und kostenlos zur Verfügung stehende WC-Anlagen sind selbstverständlich.

Bus- und Zugsverkehr

Die folgenden beiden Übersichten enthalten für Irland und Nordirland die Anzahl der Verbindungen, die Reisezeit und die Preise von einigen Bus- und Bahnverbindungen. Die Werte wurden nach bestem Wissen und Gewissen den an vielen Orten aufliegenden kostenlosen Fahrplänen oder dem Internet entnommen. Teilweise gewähren Bus- und Bahnbetreiber substantielle Vergünstigungen auf den normalen Preisen. Wir basieren hier auf den offiziell kommunizierten Standardpreisen. Ein Busanbieter in Nordirland publiziert keine schriftlichen Preisangaben und erteilt ausschliesslich telefonische Auskünfte.

Die Distanzangaben wurden mit einem Routenplaner aus dem Internet ermittelt. Dort, wo wir den Verlauf der Bahnstrecken kennen, wurden eigene Berechnungen oder Schätzungen angestellt. Teilweise bedienen die Fernbusse auch Ortschaften abseits der Hauptstrassen. Wir können leider keine Gewähr für die Distanzangaben bieten.

Für den Vergleich herangezogen wurden für Nordirland zwei und für Irland drei Verbindungen. Die komfortablen Züge zwischen Dublin und Cork und Belfast und Dublin haben Intercity-Charakter und verfügen in der Regel über einen Speisewagen und führen erste und zweite Klasse.

In der Regel sind sowohl Busse als auch Züge komfortabel und sehr sauber. Das Personal ist aufmerksam und hilfsbereit.

Gemäss unseren Feststellungen besteht sowohl in den Metropolitanräumen von Dublin und Belfast ein gut ausgebauter öffentlicher Bus- und Eisenbahnverkehr. Dublin verfügt zudem über zwei dicht befahrene und hohen Ansprüchen genügende Tramlinien.

Vergleich für die Provinz Nordirland

Vergleich für die Republik Irland

Die beiden Tabellen können bei Problemen mit der Lesbarkeit hier als PDF-Dateien herunter geladen werden: Kennzahlen Nordirland 2018 und Kennzahlen Irland 2018.

Kommentar

Nachstehend ein paar Bemerkungen zu den Tabellen:

  1. Auf den dargestellten Relationen besteht ein intensiver Wettbewerb zwischen Bahn und Bus.
  2. Es besteht der Eindruck, dass die Fahrpreise erheblich von der Marktstellung der Verkehrsträgers auf der jeweiligen Relation bestimmt werden.
  3. Auffallend ist die Dichte des öffentlichen Verkehrs in der englischen Provinz Nordirland. Trotz den werktäglich über sechzig Busverbindungen zwischen Belfast und Londonderry bietet Translink auf dieser Relation an Werktagen 16 Verbindungen auf der Schiene an. Erstaunlich ist, dass die Bahnfahrt länger dauert und erst noch teurer ist.
  4. Auf den meisten Relationen fahren die Busse rund um die Uhr – teilweise mit Lücken nach Mitternacht.
  5. Unsicher ist, wie lange Irish Rail den hochwertigen aber dünnen Zugverkehr auf Relationen wie beispielsweise zwischen Dublin und Rosslaire/Wexford noch aufrecht erhalten kann. Seit unserem letzten Aufenthalt in Irland im Jahr 2015 wurde an Werktagen und sonntags je ein Zugpaar gestrichen.
  6. Der Wettbewerb zwischen Bus und Bahn scheint die Qualität nachhaltig gefördert zu haben. Die Bilder aus den Busstationen und den Bahnhöfen sprechen für sich. Aber auch die Qualität in den Zügen ist gut. Die Ausstattung der nur zweite Klasse führenden Regionalzüge in Nordirland ist ausgeprochen komfortabel, wie diese Bilder zeigen. Der freundliche Zugbegleiter scheute sich nicht, beim Richtungswechsel in Belfast Great Victoria Street Zeitungen und Kaffeebecher zu entsorgen.

Und noch paar Bemerkungen zur Schweiz:

  1. fokus-oev-schweiz hat sich in einem früheren Beitrag zu den unhaltbaren Zuständen auf dem Carparkplatz in Zürich geäussert. Die Besichtigung der beiden zentralen Busstationen auf der irischen Insel hat uns in unserer Kritik bestärkt – der Carparkplatz in Zürich ist eine Schande! Zahlreiche Busse verlassen den Carparkplatz Zürich zu Zielen, die nur per Bus erreichbar sind (es sei, man fliege oder fahre mit dem Privatauto). Leidtragende dieses Missstandes sind in aller Regel sozial schlechter gestellte Mitmenschen, die oft in der Schweiz für tiefste Löhne wertvolle Arbeit leisten.
  2. Der Fernverkehr mit Bussen wird sich in Europa weiter ausbreiten. Aus Sicht der Eisenbahn ist dies zu bedauern. Eine nüchterne Betrachtung ergibt, dass der Anteil des Busverkehrs in der Schweiz bereits heute viel höher ist als allgemein angenommen wird. Man denke etwa an die Gruppenreisen mit Cars.
  3. Die Bahnindustrie täte gut daran, die Bedrohung durch Fernbusse ernst zu nehmen und wirksame Gegenmassnahmen zu ergreifen. Immer tiefere Sparbillette oder Behinderungen der Konkurrenz durch Verbote werden es nicht richten – eine grundlegende Erneuerung des Schweizer Eisenbahnwesens und Innovationen wie eine drastische Verkürzung der Reisezeiten zwischen den grossen Zentren sind unabdingbar.
  4. Die kürzeste Fahrzeit von 3 Stunden und 53 Minuten für die rund 360 Kilometer lange Strecke von St. Gallen nach Genf ist viel zu lang.
  5. Zu prüfen wäre zudem, ob die SBB vermehrt Personenverkehr auf der Strasse anbieten könnten, um potentiellen Konkurrenten den Markteintritt zu erschweren. Dazu könnten sich Relationen wie Luzern – Stans – Flüelen oder Luzern – Cham – Affoltern am Albis – Zürich durchaus eignen. Zur Erinnerung – die SBB betreiben mit dem Glarner Bus bereits heute Regionalverkehr auf der Strasse.

DB Arriva / Fakten & Kommentar

Vorbemerkungen

Auch der in diesem Jahr in gedruckter Form vorliegende „Integrierte Bericht 2017“ der Deutschen Bahn AG enthält zahlreiche interessante Informationen, unter anderem über die Absatzmärkte und die Geschäftseinheiten des Unternehmens.

Im Zusammenhang mit der Debatte über den Wettbewerb auf den Verkehrsmärkten im Allgemeinen und bei der Personenbeförderung im Speziellen hat uns das Geschäftsfeld DB Arriva besonders interessiert. DB Arriva ist neben DB Regio und DB Fernverkehr eines der drei Geschäftsfelder der DB AG im Personenverkehr.

Nachstehend ein Überblick über das Unternehmensmodell von DB Arriva:

DB Arriva betreibt ausserhalb der Grenzen von Deutschland in Europa Personenverkehr auf der Schiene und auf der Strasse. Rund ein Viertel der Passagiere auf dem englischen Schienennetz werden von DB Arriva befördert. Nachstehend eine Übersicht über wichtige Zahlen über DB Arriva im Vergleich mit DB Regio und DB Fernverkehr.

Kommentar

Wie die folgenden Kennzahlen zeigen, hat das Geschäftsfeld DB Arriva für DB AG eine grosse Bedeutung erlangt. Rund 42 Prozent der Passagiere der DB werden im Ausland befördert, über 51 Prozent der Mitarbeitenden arbeiten im Ausland oder für das Auslandgeschäft, und der Anteil von DB Arriva am gesamten Umsatz des Personenverkehrs der DB liegt bei knapp 30 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass EBIT und Aussenumsatz pro Mitarbeiter bei DB Arriva erheblich unter den Vergleichswerten von DB Regio und DB Fernverkehr liegen.

Anschlussbemerkungen

Offensichtlich funktioniert der Wettbewerb auch im europäischen Personenverkehr auf der Schiene und auf der Strasse. Bemerkenswert ist, dass staatlich dominierte Unternehmen in vielen Ländern der EU als Anbieter auftreten. Bis auf Weiteres nicht zugänglich für ausländische Anbieter sind die französischen Verkehrsmärkte. Es wäre interessant, die Beweggründe zu kennen, welche die DB AG und andere europäische EVU dazu veranlassen, ausserhalb ihrer Grenzen Personenbeförderung zu betreiben. Skaleneffekte sind von aussen betrachtet kaum erkennbar.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass schweizerische Eisenbahnunternehmen in Deutschland und Italien im Auftrag von Bundesländern und/oder Regionen Personenverkehr auf der Schiene betreiben, so die SBB AG zwischen Konstanz und Engen sowie im Wiesenthal ab Basel und die BLS AG zwischen Iselle und Domodossola.

Eisenbahnen in Grossbritannien – Fiktion und Realität

Vorbemerkungen

Wie der Artikel „Das süsse Versprechen der Verstaatlichung“ von Benjamin Triebe in der Ausgabe der Neuen Zürcher-Zeitung vom 6. Juni 2018 zeigt, wünscht eine Mehrheit der Briten eine Verstaatlichung der zwischen 1994 und 1997 privatisierten Eisenbahnunternehmen. Dies trotz der recht hohen Zufriedenheit der Bahnreisenden und dem eindrücklichen Verkehrswachstum im schienengebundenen Personenverkehr. Der Artikel von Benjamin Triebe steht über folgenden Link zur Verfügung: GB NZZ.

Im Folgenden möchten wir uns zur Problematik äussern, welche gegenwärtig durch die Debatte um den Wettbewerb auf dem Schweizer Normalspurnetz eine erhöhte Beachtung geniesst.

Analyse

Die Auswirkungen der Privatisierung von British Rail zwischen 1994 und 1997 werden noch heute von Fachleuten und Besuchern in Grossbritannien kontrovers beurteilt. Die Diskussion ist oft von weltanschaulichen oder politischen Überlegungen geprägt.

In der folgenden Tabelle haben wir die Entwicklung der Personenfahrten in Grossbritannien mit derjenigen bei der DB, ÖBB und SBB verglichen. Dabei haben wir auch das Bevölkerungswachstum in den Heimatstaaten der erwähnten Bahngesellschaften berücksichtigt. Die Daten wurden der NZZ und den Geschäftsberichten entnommen:

Kommentar

Diese der NZZ entnommene Grafik zeigt die enorme Zunahme des Eisenbahnverkehrs in Grossbritannien nach 1994.

Die Privatisierung hat den seit den fünfziger Jahren anhaltenden Niedergang gebrochen und zu einem eigentlichen Paradigmenwechsel geführt. Dies trotz der Konkurrenz durch Reisebusse und den nationalen Luftverkehr.

Wie die Tabelle zeigt, liegt die Zunahme weit über den Vergleichswerten der betrachteten kontinentalen Eisenbahngesellschaften. Für uns überraschend ist auch der Vergleich von DB, ÖBB und SBB untereinander, wobei darauf hinzuweisen ist, dass der Wert von Österreich durch das Aufkommen der Westbahn AG verfälscht wird und 2016 statt der ausgewiesenen 18 Prozent etwa 26 Prozent betragen dürfte.

Folgerungen

„Lasst zahlen sprechen“ – wie immer die Beurteilung des britischen Eisenbahnwesens ausfallen mag – die zahlenmässige Entwicklung ist beeindruckend. Die bereinigte Zunahme liegt weit über den zum Vergleich herangezogenen Bahnen in Mitteleuropa. Überrascht hat auch der relativ hohe Zuwachs bei der DB AG – trotz der starken Konkurrenz durch Fernbusse und nicht staatliche Eisenbahnunternehmen.

Und noch eine persönliche Anmerkung: Wir waren 1996 und 1997 während mehreren Wochen bei Freunden in Grimsby in der Landschaft Lincolnshire zu Gast. Dabei habe ich in der Endphase der Privatisierung zahlreiche Eisenbahnfahrten nördlich von London unternommen. Aufgefallen sind mir damals der deprimierend desolate Zustand der Eisenbahninfrastruktur abseits der Hauptachsen und die substantiell höhere Qualität in den Zügen der bereits privatisierten Eisenbahngesellschaften im Vergleich zur niedergehenden British Rail.