Eine Reise durch Spanien bot uns im Herbst 2019 Gelegenheit, als Beobachter oder Fahrgast einige Eindrücke vom spanischen Eisenbahnwesen zu gewinnen. Möglicherweise sind diese Eindrücke etwas oberflächlich, aber das Gesehene und Erlebte hat uns beeindruckt. Im Anschluss an die Reise haben wir Informationen eingeholt und unseren Wissensstand erhöht.
Im Folgenden möchten wir Ihnen unsere Beurteilung anhand von ein paar Bildern und Erläuterungen darlegen. Dem beispielhaften Busbahnhof von Sevilla haben wir auf unserer Website bereits einen eigenen Beitrag gewidmet.
Euskotren
Der erste Teil der Reise führte uns durch das Baskenland. Dabei sahen wir, dass Teile dieser Region von einer gut ausgebauten Schmalspurbahn erschlossen sind.
Leider bot sich keine Gelegenheit zu einer Fahrt mit Euskotren. Hingegen beobachteten wir unterwegs mehrere Züge und besichtigten zwei Bahnhöfe. Dabei konnten wir Fahrpläne und das Tarifsystem studieren.
Zug bei der Einfahrt in UsurbilZugkreuzung in GuernikaBahnhofgebäude von Usurbil bei NachtBahnhofgebäude von Guernika
Das Gesehene hat uns sehr beeindruckt – ein modernes und kundenfreundliches Eisenbahnsystem mit neuen Triebwagenzügen und gepflegten Bahnhöfen. Im Nahbereich von Donostia und Bilbao verkehren die Züge mindestens halbstündlich, während zwischen den beiden Städten jede Stunde direkte Züge mit einer Fahrzeit von etwas mehr als zweieinhalb Stunden unterwegs sind.
Fahrplan der Verbindung von Bilbao nach Donostia/San Sebatian
Leider wurden wir auf der Fahrt ins Landesinnere mit den Überresten einer eingestellten Zweiglinie Richtung Azpeita konfrontiert.
Als Wander- und Radweg genutztes Trasse bei ZestoaReste eines Fahrleitungsmastes bei ZestoaEhemaliger Bahnhof von Loyola – im Hintergrund ist eine Tunneleinfahrt zu erkennen
Beim Anflug
auf Bilbao sahen wir die Baustellen der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke,
welche Donostia und Bilbao mit Madrid und Frankreich verbinden wird, das
sogenannte „Basken-Y“. Dadurch erhalten diese Städte – unter Umständen mit Umsteigen
– eine schnelle und komfortable Verbindung und damit eine echte Alternative zum
heute dominierenden direkten Busverkehr.
Blick aus dem Auto auf eine Baustelle der Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Bilbao
Erstaunlich
ist, dass die Verbindungen von Euskotren im elektronischen Fahrplan der SBB
nicht angezeigt werden. Dabei liesse sich Donostia über Paris und Hendaye von
Zürich aus in gut einem halben Tag erreichen.
Bahnhof Bilbao-Abando
Auf dem Gang durch Bilbao konnte ich einen kurzen Abstecher in den Fernbahnhof unternehmen. Der prächtige Bahnhof war trotz dem eher spärlichen Angebot an Zügen überraschend stark belebt und präsentierte sich makellos.
Blick in das obere Geschoss des Bahnhofs von Bilbao-AbandoZugang zum Regionalverkehr in Bahnhof von Bilbao-AbandoRegionalzüge im Bahnhof von Bilbao-Abando. Man beachte die Geleise.Fernzug nach Madrid bei der Abfahrt in Bilbao-Abando
Täglich verlassen knapp ein halbes Dutzend Fernzüge den Bahnhof von Bilbao-Abando, wobei die schnellste Verbindung nach Madrid fünf Stunden beansprucht. Nach der Inbetriebnahme der HG-Strecke wird sich die Reisezeit halbieren und bietet damit eine überzeugende Alternative zum Luftverkehr.
Daneben verkehren einige Regionalzüge. Nicht besichtigt werden konnte in Bilbao der ungleich stärker frequentierte Stadtbahnhof Bilbao-Matiko von Euskotren, an dem zwei S-Bahnlinien enden und der von der U-Bahn bedient wird.
Bahnhof Miranda de Ebro
Die nächste
Etappe führte uns mit der Bahn von Miranda de Ebro über Zaragoza und Madrid
nach Sevilla. In Miranda de Ebro konnten wir den repräsentativen Bahnhof
ausgiebig besichtigen. Der Verkehr ist mässig – zwischen Miranda de Ebro und
Zaragoza verkehren täglich in beiden Richtungen je zehn Züge.
Blick auf den Bahnhof von Miranda de EbroZugang zum Bahnhof von Miranda de EbroPerron in Miranda de EbroSchalterhalle in Miranda de EbroSchema der Verbindung von Miranda de Ebro nach Zaragoza. Daneben hat es drei weitere ebenfalls aus handgefertigten Keramikkacheln gefertigte, kunstvolle Netzpläne der übrigen Fernverkehrsverbindungen von Miranda de Ebro.
Unser IC nach Zaragoza verliess Miranda de Ebro mit einer Verspätung von fünf Minuten. Der fünfteilige Triebwagenzug war sehr komfortabel und sauber. Der kurvenreiche erste Teil der Strecke folgte weitgehend dem Ebro. Die Fahrt war trotz der Breitspur eher unruhig. Verhältnismässig viele durch den schlechten Zustand der Strecke bedingte Langsamfahrstrecken reduzierten die Geschwindigkeit gelegentlich auf 30 km/h.
Blick ins Wageninnere der 1. KlasseBlick ins Wageninnere der 2. KlasseÜbergang zwischen den Wagen
Im
Bereich der Stadt Logrono wurde der Fernverkehr unter den Boden verlegt. Der
vierspurige unterirdische Bahnhof war beeindruckend.
Ab Logrono
bis nach Zaragoza fuhr der Zug meistens mit der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der Zustand der Geleise war bedeutend
besser als weiter nördlich. Kurz vor Zaragoza verlangsamte der Zug seine Fahrt und
fuhr durch ein Gebäude. Hier wurden gemäss unserer Beobachtung während der
Fahrt Spurweite, Stromsystem und Zugsicherungssystem angepasst.
Unser Zug nach der Ankunft in Zaragoza-Delicias
Bahnhof Zaragoza-Delicias
Beim Aussteigen in Zaragoza-Delicias verschlug es uns buchstäblich die Sprache. Wir waren enorm beeindruckt. Sauberkeit, Architektur, direkter Zugang zum Busbahnhof, Kundenzonen, Umgebung – alles, wirklich alles vom Feinsten. Und das für verhältnismässig wenige Züge.
Erster Eindruck beim AussteigenBlick in die BahnhofhalleEinfahrender ICE von RENFE nach MadridDieseltriebzug bereit zur AbfahrtAbgang zum BusbahnhofBlick in den BusbahnhofWartezone im BahnhofAussenansicht des BahnhofsFussgängerübergang beim Bahnhof Zaragoza-Delicias
In Zaragoza
wechselten wir nach längerem Aufenthalt in einen von Marseille herkommenden
TGV. Die Fahrgäste gelangten durch eine rasch erfolgende Sicherheitskontrolle
zum Zug. Bei der Kontrolle unseres Reisegepäcks stellte der Sicherheitsbeamte
das Sackmesser in meiner Reisetasche fest. Es landete trotz meinem Bitten in
einem Abfalleimer. Der TGV verliess Zaragoza mit sechs Minuten Verspätung und
traf pünktlich um 15.45 Uhr in Madrid Puerta de Atocha ein. Die höchst
beeindruckende Fahrt mit 300 km/h führte durch eine teilweise kaum besiedelte und
gebirgige Gegend. Kunstbaute reihte sich an Kunstbaute.
Unser TGV von RENFE nach der Ankunft in Madrid Puerta de Atocha
Madrid Puerta de Atocha
In Madrid de
Atocha mussten wir vom Ankunftsbereich in den Abfahrtsbereich wechseln. Die
Entfernung zwischen den beiden Bahnhofteilen beträgt mehrere hundert Meter. Den
Fahrgästen stehen jedoch Rollbänder zur Verfügung. Das gigantische Gebäude
beeindruckt durch seine architektonische Gestaltung und die Reinlichkeit.
Blick in die BahnhofhallePassage zum AbfahrtsbahnhofKunstvoll gestaltete Tragkonstruktion
Im Abfahrtsbereich warteten unzählige Fahrgäste auf ihre Züge. Wir gelangten auf einem Rollband zu unserem Zug – einem spanischen Talgo Hochgeschwindigkeitszug. Im Abfahrtsbahnhof sah ich neben weiteren Talgo-Zügen mehrere TGV und ICE. Eher ungläubig stellte ich fest, dass die Zwischenwagen unseres Talgo statt einem Drehgestell Einzelachsen hatten.
Eine Mitarbeiterin von Renfe wies uns zu unserem Wagen. Als wir das luxuriöse Interieur sahen, stiegen wir wieder aus und erkundigten uns nochmals, ob wir wirklich in den richtigen Wagen eingestiegen waren – dies war der Fall. Enorm komfortable Sitze mit Klapptischen aus Edelholz, schwere Teppiche und gedämpfte Musik!
Blick in den Innenraum eines Wagens der 1. KlasseBlick auf den Sitzplatz mit aufgeklapptem Tisch
Schon kurz
nach der Abfahrt erreichte der Zug die Reisegeschwindigkeit von 300 km/h. Eine
Mitarbeiterin offerierte den Fahrgästen kostenlose Zeitschriften und etwas
später einen Apéro. Nach etwa der Hälfte der ausgesprochen ruhigen Fahrt wurde
den Fahrgästen ein im Preis enthaltener Lunch serviert, abgeschlossen mit
Kaffee und Digestif. Wir kennen in Europa keine auch nur annähernd so gediegene
erste Klasse.
ZeitungsständerLunchpaket mit exzellentem Rotwein
Die Fahrt bot Gelegenheit, den ganzen Zug zu besichtigen. Dazu ein paar Bilder.
Innenraum eines Wagens der 2. Klasse, mit GepäckablageWagenübergangToiletteLavabo in der Toilette
Unser Zug traf nach zwei Stunden und zwanzig Minuten pünktlich in Sevilla Santa Justa ein. Für die rund 850 Kilometer lange Fahrt von Zaragoza nach Sevilla benötigten die Züge 3 Stunden und 41 Minuten – was einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 231 km/h entspricht.
Auch in Sevilla Santa Justa präsentierte sich uns ein grossartiger und kundenfreundlicher Bahnhof. Die Fahrgäste gelangen mit Rollbändern und Rolltreppen auf das über den Geleisen liegende und klimatisierte Bahnhofgebäude. Kurze Wege führen zu den Taxistandplätzen oder zur Bushaltestelle.
Blick auf den Bereich mit den FernzügenBlick zurück auf unseren ZugZur Abfahrt bereit stehender RegionalzugAufgang zum EmpfangsgebäudeBlick auf die RampeEindruck aus der klimatisierten EmpfangshalleBlick in die EmpfangshalleVorplatz mit Vorfahrt für TaxiBlick auf das BahnhofgebäudeBlick auf die Ausfahrtsgeleise nach Südwesten. Man beachte die beiden Spurweiten.
Stadtverkehr Sevilla
Der dichte öffentliche Stadtverkehr in Sevilla erfolgt selbst in den engen Gassen der Altstadt mit Autobussen. Daneben gibt es eine Metro, einen eher dünnen Regionalverkehr per Eisenbahn und im Stadtzentrum eine etwa drei Kilometer lange, breitspurige Tramlinie. Die Trams verkehren im historischen Zentrum ohne Oberleitung. Sie können ihre Batterien bei den Haltestellen über eine kurze Stromschiene aufladen und fahren nur ausserhalb dem Zentrum unter Fahrdraht. Die sich wie neu präsentierenden Niederflurfahrzeuge sind komfortabel und klimatisiert. Die Billettautomaten sind sehr einfach zu bedienen.
Tram ohne FahrleitungHaltestelle mit AufladebereichTram beim Aufladen der Batterien während dem kurzen AnhaltenTram im Aussenbereich unter der Fahrleitung
Würdigung
„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ – das gilt sicher auch für das spanische Bahnsystem. Die zugegebenermassen wenigen Kontakte haben uns tief beeindruckt.
Nicht nachvollziehen können wir die negative Beurteilung des spanischen Schnellfahrnetzes in der nach unserer Reise geführten Korrespondenz mit Bahnfreunden. Spanien wird in wenigen Jahren über ein Hochgeschwindigkeitsnetz von über 3‘500 Kilometern Länge mit teilweise fantastischen neuen Bahnhöfen verfügen. Nota bene wurden die neuen Normalspurstrecken weitgehend losgelöst vom bestehenden Breitspurnetz gebaut. Übernommen wurden auf diesen Strecken auch das europäische Strom- und Sicherungssystem, was den Einsatz von TGV und ICE ohne grössere Einschränkungen ermöglicht.
Die verfügbaren Informationen lassen vermuten, dass ohne die neuen und leistungsfähigen HG-Strecken der Personenfernverkehr auf der Schiene in Spanien bedeutungslos geworden wäre. Im Gegenzug wären der innerspanische Flug- und Busverkehr weiter gewachsen.
Auszug aus einer älteren Ausgabe von „Railmap Europ“ von Kümmerly+Frei. Seit der Drucklegung dieser Karte sind weitere HG-Linien in Betrieb oder in Bau, so im Norden und im Westen von Madrid. Obschon Portugal den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Madrid eingestellt hat, befinden sich Teile der HG-Strecke von Madrid nach Badajoz im Bau.
Bei einem Aufenthalt in Sevilla bemerkten wir die direkt vor unserem Hotel liegende zentrale Busstation. Wir liessen es uns nicht nehmen, die sich am Rand des historischen Stadtzentrums befindende Busstation kurz zu besichtigen und ein paar Bilder anzufertigen, die wir hier gerne veröffentlichen. Am Ende der Reportage fügen wir ein paar Aufnahmen von Zaragoza, Wien und Zürich sowie einen kurzen Kommentar an.
Die Busstation wird von mehreren Fernbusunternehmen sowie von Regionalbussen der städtischen Verkehrsbetriebe von Sevilla bedient. Der Verkehr ist sehr rege.
Aussenansicht der an einer städtischen Hauptverkehrsstrasse gelegenen Busstation.Haupteingang zur Busstation. Links befindet sich der Eingang zum Parkhaus.Eingang zur Busstation.Bequeme Sitzgelegenheiten in der klimatisierten und grosszügigen Eingangs-, Warte- und Schalterhalle. Links hinten befindet sich der Kiosk mit einem breiten Sortiment an Verpflegung, Zeitungen und Reiseutensilien.Informationspavillon, im Hintergrund die Schalter der einzelnen Busunternehmen.Abgang zu den vierzig Stellplätzen für die Busse, links eine in die Mitte der Halle führende relativ flache Rampe und rechts die nach unten führende Rolltreppe. Nicht sichtbar ist die nach oben führende Rolltreppe auf der linken Seite der Rampe.Blick in die gut entlüftete Abfahrtshalle der Busse. Auch hier hat es Sitzmöglichkeiten für wartende Fahrgäste sowie Verpflegungsautomaten und einen weiteren Kiosk.Blick auf abfahrbereite Busse.In der Busstation befinden sich auch zahlreiche Abstellplätze für Fahrräder.Im grosszügigen Bahnhof von Zaragoza befindet sich eine Busstation mit unmittelbarem Zugang zu den Fernverkehrs- und Nahverkehrszügen.Rolltreppe von der grosszügigen Passerelle über den Geleisen des Bahnhofs zum Eingang zur Busstation von Zaragoza. Unmittelbar links befindet sich ein Perron zu den Nahverkehrszügen. Diese Zone kann auch mit einem Lift und über mehreren Treppen erreicht werden.Blick aus der Busstation zum Durchgang.Blick auf die zum Zeitpunkt der Aufnahme verwaisten Stellplätze der Fernbusse.Unmittelbar unter dem neuen Fernbahnhof von Wien gelegene Stellplätze für Fernbusse.Blick auf die als Carparkplatz bezeichnete Busstation von Zürich.Wartebereich für Fahrgäste in der Busstation von Zürich.
Kommentar
Die Bilder sprechen für sich – ganz offensichtlich werden im Ausland auch Buspassagiere als gleichwertige Benutzer des öffentlichen Verkehrs respektiert. Zahlreiche Ziele der von Zürich aus verkehrenden Fernbusse können per Bahn gar nicht erreicht werden – teilweise jedoch mit dem Flugzeug. Wie sich die Selbsteinschätzung des öffentlichen Verkehrs in Zürich mit den deprimierenden Zuständen beim Carparkplatz vereinbaren lässt, bleibt das Geheimnis der zuständigen Behörden von Stadt und Kanton. Unverständlich ist auch die Passivität von Parteien und Konsumentenschutzorganisationen.
Die Bahnjournalisten Schweiz führten vom 3. bis zum 5. Juni 2019 unter dem Arbeitstitel „Im Osten der Schweiz viel Neues“ eine Studienreise nach Bayern und ins Tirol durch. An dieser intensiven und hoch interessanten Studienreise nahmen ein Dutzend Bahnjournalistinnen und Bahnjournalisten teil. Die Reise wurde von Kurt Metz organisiert und geführt.
Die Reisegruppe wurde von den besuchten Firmen generell mit offenen Armen empfangen und kam in den Genuss von interessanten und ausführlichen Präsentationen. Meist wurden wir auch mit informativen Dokumentationen bedient.
In diesem Beitrag fassen wir den Verlauf der Studienreise und den Inhalt der Referate kurz zusammen. Auf einzelne Referate treten wir in den nächsten Wochen in separaten und etwas ausführlicheren Berichten ein.
Montag, 3. Juni 2019 – 1. Tag
Bahnfahrt von St. Margrethen nach Wolfurt
In St. Margrethen begrüsste uns Gerhard Mayer von der ÖBB Personenverkehr AG und informierte uns auf der Fahrt nach Wolfurt über den Personenverkehr im Bundesland Vorarlberg. Aus rechtlichen und gesamtwirtschaftlichen Gründen wurde der Auftrag für den Personenverkehr auf der Schiene durch das Land Vorarlberg direkt an die ÖBB vergeben, obschon auch die WESTbahn ihr Interesse angemeldet hatte.
Der öffentliche Verkehr in Vorarlberg ist erfolgreich, von den rund 400‘000 Einwohner besitzen 80‘000 ein Jahresabonnement des gut ausgebauten Verkehrsverbundes Vorarlberg. Die übertragbare Jahreskarte für Erwachsene kostet EUR 529.-, die Jahreskarten für Schüler und Jugendliche sind bedeutend günstiger. Die direkten Erlöse decken etwa 20 Prozent der gesamten Kosten des Verkehrsverbundes.
Logo Verkehrsverbund Vorarlberg
Der Beginn der Detailplanung für den neuen Hauptbahnhof von Bregenz wurde durch Einsprachen verzögert. Man ist zuversichtlich, mit den umfangreichen Bauarbeiten 2021 beginnen zu können. Gemäss früherer Planung war die Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs bereits 2013 vorgesehen. Zurzeit im Bau hingegen sind in Feldkirch das neue Bahnhofsgebäude mit Parkhaus und der Vorplatz mit den Zufahrten.
Combi Cargo Terminal Wolfurt
Im Bahnhof Wolfurt wurden wir von Robert Steger, Terminalleiter CCT Wolfurt, begrüsst. Auf der Fahrt zum Terminal erfuhr ich, dass die in Vorarlberg ansässige traditionsreiche Speditionsfirma Gebrüder Weiss vor rund 200 Jahren gegründet wurde und noch heute im Familienbesitz ist.
Der Empfang im modernen Verwaltungsgebäude war freundlich und zuvorkommend. Mit einem kurzen Film wurden wir über den Bau des von der ÖBB Infra AG betriebenen Terminals orientiert. Besondere Herausforderungen bot der Bau der in einem Bogen fahrenden Verladekräne.
Das hoch moderne Terminal wurde bei laufendem Betrieb der älteren Anlage im Oktober 2018 fertig gestellt. Auf vier Durchfahrgeleisen können bis zu 750 Meter lange Züge be- und entladen werden. Mit knapp 620 Metern ist die kranbare Strecke etwas kürzer. Die maximale Kapazität liegt bei 190‘000 Transporteinheiten pro Jahr und kann mit weiteren Ausbauten weiter gesteigert werden. 2018 wurden 114‘000 Transporteinheiten umgeschlagen.
Täglich erfolgen zwischen 200 und 240 Zu- und Wegfahrten von LKW. Das Terminal verfügt über 1‘700 Containerstellplätze im Kranbereich und 3‘500 Leercontainerstellplätze ausserhalb. Diese werden von vier Staplern versorgt.
Im Terminal werden 43 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 17 Kranführer. Dazu kommt eine grössere Anzahl von Auszubildenden. Ergänzend zum Umladen werden verschiedene Dienstleistungen wie Verzollungen oder Reparaturen von Containern angeboten.
Das Terminal bedient auch Kunden in der Schweiz und in Liechtenstein. Weitaus die meisten Züge erreichen Wolfurt über den Arlberg von Häfen an der Nordsee und am Mittelmeer. Vereinzelt gab es früher auch Züge aus dem schweizerischen Frenkendorf. Die EU hat durchgesetzt, dass das Terminal allen Güterbahnen zur Verfügung steht. Deshalb wurde die Zuständigkeit 2013 von der ÖBB Cargo an die ÖBB Infra übertragen. ÖBB Infra betreibt In Österreich neben Wolfurt sieben weitere Terminals mit teilweise unterschiedlichen Angeboten.
Verbindungen Cargo Terminal Wolfurt
Nach der Einführung erfolgte ein Rundgang durch das Areal des eindrücklichen Terminals. Beim Bau wurden dem Umweltschutz und der Sicherheit besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Eindruck vom Cargo Terminal Wolfurt
Beeindruckt vom Gesehenen verabschiedeten wir uns von Robert Steger und
seinem Team.
Fahrt von Bregenz nach München
Von Wolfurt aus setzten wir unsere Reise mit Umsteigen in Bregenz nach München fort, wo wir kurz nach 18.00 Uhr eintrafen. Leider war in dem aus Zürich kommenden Euro City-Zug die Klimaanlage sowohl in einem 1. Klasse Wagen als auch im Speisewagen defekt (SBB-Wagen). Dabei war es sehr heiss. Unterwegs mussten bei einem Halt rund 50 Kilogramm Lebensmittel entsorgt werden, und die Getränke waren lauwarm. Wegen einem Lokdefekt verzögerte sich die Abfahrt in Hergatz um 20 Minuten – nicht gerade eine Traumreise.
Dienstag, 4. Juni 2019 – 2. Tag
Freier Besuch der Ausstellung Transport Logistik in der Messe München
Nach der Fahrt mit der U-Bahn zum Messegelände hatten die Teilnehmenden
am Vormittag die Möglichkeit, die imposante Ausstellung zu besichtigen. Die
Eindrücke waren überwältigend – zahlreiche Eisenbahnverkehrsunternehmen aus
Europa und Asien, Speditionsfirmen, Rollmaterialhersteller und
Dienstleistungsfirmen aller Art waren präsent. Ein Schwergewicht bildete die
neue Seidenstrasse „One Belt, One Road“. Auffallend war die starke Präsenz von
Ausstellern aus China.
Titelseite des Führers durch die Ausstellung
Eher zufällig bot sich die Gelegenheit, dem letzten Teil eines Interviews mit dem deutschen Verkehrsminister Andreas Scheuer beizuwohnen. Andreas Scheuer schloss seine Ausführungen mit dem Hinweis auf die bedeutenden ökologischen Verbesserungen in der Logistik und plädierte gegen Lenkungssteuern. Andreas Scheuer verwies auf die gesteigerte Energieeffizienz der Transportmittel und den stark reduzierten Schadstoffausstoss von LKW und von Flugzeugen.
Um 13.00 Uhr trafen sich die Teilnehmenden zu den vereinbarten Besuchen
bei Ausstellern, über die wir nachstehend kurz berichten.
RAlpin
Raphael Wild und Dominic Felice, CEO a.i., begrüssten uns am Stand von
RAlpin und erläuterten die Perspektiven der Rollenden Autobahn. RAlpin will bis
2020 die Kapazität der Rollenden Autobahn auf 200‘000 Einheiten pro Jahr
verdoppeln. Dazu werden neu 100 Meter lange Gliederzugwagen eingesetzt, mit
denen bis zu 720 Meter lange Züge formiert werden können. Zurzeit beträgt die
maximale Länge der Züge 470 Meter. Infolge der Länge der Züge werden die Wagen
mit elektropneumatischen Bremsen ausgestattet. Neu können pro Zug bis zu 36 LKW
befördert werden. Auch verfügen die neuen Wagen über eine Stromversorgung, beispielsweise
für Kühlaggregate von Aufliegern.
RAlpin prüft laufend neue Routen und Terminals. Die Drehgestelle der
Wagen müssen nach 80‘000 Kilometern gewartet werden. Auch Rail Cargo Austria
will eine grössere Anzahl der neuen und CHF 9,5 Millionen teuren Gliederzüge
erwerben. Die ersten der neuen Züge sollen ab 2021 eingesetzt werden. Die
Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h, die Reisegeschwindigkeit liegt mit 100
km/h etwas tiefer.
Die Auslastung der Züge der Rollenden Landstrasse ist abhängig von der Tageszeit.
Die nachts verkehrenden Züge sind in der Regel ausgelastet, während die
Tageszüge weniger stark nachgefragt werden. Die Preise sind deshalb stark
differenziert. Meine Frage, weshalb die Chauffeure der LKW auf der Rollenden
Landstrasse stets mitfahren müssen, wurde ausweichend beantwortet.
Contargo
Heinrich Kerstgens, Leiter IT, führte aus, dass Contargo in Nordrhein
Westfalen sechs mit Strom betriebene LKW mit je 44 Tonnen Gesamtgewicht in
Betrieb nimmt. Die Reichweite der Batterien reichen für Fahrleistungen bis 220
Kilometern. Da im Nahverkehr Tagesleistungen bis 260 Kilometer erbracht werden,
müssen die Batterien tagsüber aufgeladen werden. Die Leistungsfähigkeit der
Batterien nimmt mit dem Alter ab, ältere Batterien können beispielsweise in Kraftwerken
weiter genutzt werden.
Heinrich Kerstgens schätzte, dass Batterien bei gleicher Leistung wie
heute in zehn Jahren 75 Prozent leichter sind. Heute sind die Betriebskosten
der elektrisch betriebenen LKW drei bis vier Mal so hoch wie diejenigen von konventionellen
Lastwagen.
Contargo bietet neu einen TriRegio Express Güterzug zwischen Basel und
Antwerpen an. Der Zug stellt für den Grossraum Basel eine ideale Ergänzung des
bestehenden Angebots für schnelle Güter dar. Die Kosten für den Transport eines
Container liegen zwischen EUR 300.- bis
EUR 750.-.
Hupac
Imtraut Tonndorf und Michael Stahlhut informierten uns über
Entwicklungen bei der Hupac. Gütertransporte auf der Ost/West-Achse gewinnen
gegenüber den Nord/Südverbindungen an Bedeutung. Im Fokus ist auch die
Schienenverbindung von und nach China. Als Drehpunkt wird auf den Hafen von
Duisburg gesetzt.
Hupac prüft laufend den Eintritt in neue Geschäftsfelder sowie neue
Produkte und den maritimen Verkehr. Intensiver genutzt werden soll auch die IT.
So soll der Standort einer Lieferung jederzeit mit GPS bestimmt werden können.
Optimierungen sind auch beim Rollmaterial und bei den Prozessen für
Effizienzsteigerungen im Gang.
Alstom
Cora Hentrich-Henne, CEO Alstom Schweiz, und Tanja Kempe, Leiterin Kommunikation, begrüssten uns am Stand von Alstom und stellten die Hybrid Loks Prima H3 und Prima H4 vor. Die Prima Loks produzieren viel weniger CO2 und sind ab dem Werk mit ETCS ausgerüstet. Die Loks eignen sich sowohl für den Rangier-, für den Zustell- als auch für den Streckendienst. SBB Cargo hat 12 Prima H3 bestellt. Drei dieser Lokomotiven sind bereits seit 2017 im Einsatz im Rangierdienst. Alstom wird die Prima H3-Lokomotiven während zehn Jahren auch warten. Weltweit wurden bereits 2’800 Lokomotiven der Prima-Typenfamilie verkauft.
Ausserdem hat SBB Infra 47 Prima H4 bestellt. Diese Hybridfahrzeuge leisten bei externer Stromversorgung ab der Fahrleitung bis zu 2 Megawatt. Nach der vollständigen Auslieferung der bestellten Lokomotiven kann die SBB sechs ältere Typen von Lokomotiven ausmustern. Die SBB wird die ersten Lokomotiven nach intensiven Testfahrten 2019 in Betrieb nehmen. Die Prima H4-Lokomotiven erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Prima H4 noch ohne Logo der SBB
Auf Anfrage führte Tanja Kempe aus, dass die von der EU-Kommission
unterbundene Fusion von Alstom und Siemens von beiden Firmen bedauert wird. Im
Übrigen verwies Tanja Kempe auf des offizielle Communiqué der beiden Firmen.
Alstom hat keine Berührungsängste gegenüber der Meterspur. Die
Entwicklung des Spurwechsel Drehgestells für die Montreux-Oberland-Bahnen ist für
Alstom eine grosse Herausforderung, der sich die Mitwirkenden unter der Führung
der Bestellerin aber gerne stellen.
Wascosa
Unter der Führung einer Mitarbeiterin wurden ein paar neue Wagentypen
von Wascosa besichtigt. Teilweise verfügen die neuen Wagen immer noch über
Drehgestelle mit Klotzbremsen mit Kunststoffbremssohlen.
Stadler Rail
Ewald Falke, Leiter Produktentwicklung Lokomotiven, empfing uns am Stand von Stadler Rail und stellt uns die EURODUAL Lokomotiven vor.
Die sechsachsige Lokfamilie besteht aus der EURODUAL, die mit Leistungen bis zu 7’000 Kilowatt bei elektrischem Betrieb und 2’800 Kilowatt bei Dieselbetrieb aufwarten kann, sowie der Viersystem-Lokomotive EURO9000, die unter einer Wechselstromfahrleitung maximal 9’000 Kilowatt und mit Dieselantrieb bis zu 1’900 Kilowatt leistet.
Darüber hinaus enthält die Lokfamilie auch reine Diesellokomotiven, die an Bahnen in Europa, Afrika und Südamerika verkauft wurden und sich dort bewährt haben. Aus der Familie der vierachsigen Lokomotiven wurden zwei Serien als reine Diesel- bzw. als Duallokomotiven nach Grossbritannien geliefert.
Der CEO von Stadler Valencia, Inigo Parra, beschrieb die EURODUAL-Lokomotiven an der Inno Trans wie folgt: „Vielseitigkeit, Wirtschaftlichkeit und Umwelt – EURODUAL ist die technologische Antwort von Stadler Rail auf die Herausforderungen des Schienengüterverkehrs. Mit ihrer vorausschauenden Technologie deckt sie jeden Bedarf effizient und zuverlässig ab und bietet den Bahnbetreibern zahlreiche wirtschaftliche und ökologische Vorteile“
Bild einer Eurodual Lokomotive
European Loc Pool
Willem Goosen, CEO, begrüsste uns am Stand der Firma European Loc Pool AG und stellte sein Unternehmen vor. Die Aktien von ELP gehören zu 50 Prozent plus eine Stimme Peter Spuhler und zu 50 Prozent minus eine Stimme der Privatbank Reichmuth & Co. in Luzern.
ELP finanziert Eisenbahnunternehmen den Kauf von Eurodual Lokomotiven
und weiteren Triebfahrzeugen der Firma Stadler Rail durch Leasing. Die
Leasingverträge sind mit einem umfassenden Versicherungsschutz ausgestattet.
Selbst das Betriebsunterbrechungsrisiko – der finanzielle Ausfall, den ein
Unternehmen erleidet, wenn eine Lokomotive nicht einsatzfähig ist – ist versichert.
Dadurch sind auch kleinere und weniger kapitalkräftige
Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Lage, sich von Stadler Rail produzierte
Triebfahrzeuge zu leisten. Ein weiterer genialer Marketing Schachzug von Peter
Spuhler.
BRECO Train – ein innovative Zug für den
Brenner Korridor
Karl Fischer, CEO, empfing uns zusammen mit Dr. Frank Albers, CEO der
Firma Bernard Krone, und Mirko Pahl, CEO von TX Logistics zu einer knapp
einstündigen Präsentation.
Karl Fischer erläuterte einleitend die Entwicklung des Modal Split am Brenner. Nach längeren Schwankungen in den letzten Jahren werden zurzeit 71 Prozent der Güter auf der Strasse und 29 Prozent auf der Schiene transportiert. Der Anteil des Wagenladungsverkehrs auf am Schienengüterverkehr liegt noch bei 16 Prozent. Im letzten Jahr wurden 164‘000 LKW auf der Schiene über den Brenner transportiert. Auf der Strasse fuhren 2,45 Mio. LKW. Karl Fischer wies auf den sich abzeichnenden Mangel an Lokführern und das gesteigerte Umweltbewusstsein als Treiber der zukünftigen Entwicklung hin.
Der Modal Split im bayerischen Hinterland beträgt 78 Prozent auf der
Strasse zu 22 Prozent auf der Schiene und soll nachhaltig zu Gunsten der
Schiene verändert werden. So wurde eine Fördergesellschaft für Anschlussgeleise
gegründet. Allerdings sind zurzeit auf den Zulaufstrecken zum Brenner nur noch
20 freie Trassen pro Tag verfügbar, die mutmasslich ab 2022 voll beansprucht
werden.
Das Potential des Schienengüterverkehrs soll durch technische,
organisatorische und infrastrukturelle Massnahmen besser ausgeschöpft werden. Auch
die Politik ist durch die Schaffung von günstigeren Rahmenbedingungen
gefordert. Als weniger wichtig erachtete Karl Fischer die Förderung der
Digitalisierung.
BRECO Trains strebt gemäss Dr. Frank Albers an, ihre Züge zu hundert
Prozent auszulasten. Mirko Pahl wies darauf hin, dass die Lokomotiven in
Italien im Gegensatz zu Deutschland und Österreich immer noch mit zwei
Lokomotivführern besetzt sein müssen.
Fahrt von München nach Kufstein
Im Hauptbahnhof München erreichten wir nach einem Eilmarsch den von der U-Bahn Station weit entfernten Flügelbahnhof München Ost, von wo aus wir nach einer angenehmen Fahrt mit einem FLIRT-Triebwagenzug von Meridian kurz vor 20.00 Uhr in Kufstein eintrafen.
Mittwoch, 5. Juni 2019 – 3. Tag
DB/ÖBB-Ausbauprojekt Nordzulauf zum Brenner Basistunnel
Torsten Gruber, Projektleiter DB Netze, und Dr. Arnold Fink, Projektteamleiter ÖBB Infra, präsentierten uns den Stand der Ausbauprojekte für die Nordzulaufstrecken in Bayern und Tirol zum Brenner Basis-Tunnel. Mit der Brennerachse als wichtigster europäischer Gütertransitachse soll der Modal Split nachhaltig zu Gunsten der Eisenbahn verändert werden. Die Kapazität des leistungsfähigen Brenner Basis-Tunnels kann bei der Eröffnung wegen den fehlenden Zulaufstrecken noch nicht ausgeschöpft werden. Sowohl im Norden als auch im Süden werden Ausbauprojekte zielstrebig vorangetrieben.
Überblick über die Ausbauetappen der Zulaufstrecken zum Brenner Basis-Tunnel
In Bayern erfolgt der Ausbau ab München Priem in vier Losen. Für einige
Teilstücke erfolgen bereits Ausschreibungen. Bei anderen Abschnitten laufen in
enger Absprache mit den Bürgern Abklärungen. Der enge Einbezug der Bevölkerung
ist zwar zeitaufwendig, führt aber zu guten Lösungen und verhindert spätere
Einsprachen. Die Zufahrtsstrecken sollen durchgängig vierspurig ausgebaut
werden. An mehreren Orten sind kreuzungsfreie Verbindungen vorgesehen.
In Österreich steht die Detailplanung für die Weiterführung der tiefgelegten Inntalbahn ab Radfeld bis Schaftenau vor dem Abschluss. Die Neubaustrecke wird weitgehend tiefgelegt, und Kufstein soll östlich in einem Tunnel umfahren werden. Die ausgebauten Zulaufstrecken stehen wahrscheinlich erst ab 2040 bereit. Mit zahlreichen Massnahmen, wie etwa die Verkürzung der Blockabschnitte, soll die Kapazität der Bestandesstrecken bis zur Fertigstellung der Zulaufstrecken erhöht werden.
Details zur Etappe 5
Die Tunnels werden als Doppelspurtunnels gebaut. Dies ist bis zu einer
Länge von 15 Kilometern zulässig, bei Tunnellängen zwischen 15 und 25
Kilometern besteht ein gewisser Spielraum bezüglich der Ausführung mit einer
oder mit zwei Röhren.
Die Lokomotivführer fahren von München bis zum Brenner durch.
Gegenwärtig werden die Betriebskonzepte erarbeitet. Dabei sind zahlreiche
Rechtsfragen zu lösen.
Auf Anfrage führte Torsten Gruber aus, dass die Planfeststellung für
den TEN Korridor TEN 17 von München über Mühlheim nach Freilassing demnächst
erfolgen soll. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h, und die Strecke
soll nach 2030 in Betrieb genommen werden.
LKW Walter Internationale Transportorganisation
Nach einer Busfahrt durch Kufstein wurden wir im modernen und repräsentativen Bürogebäude der Firma LKW Walter von Thomas Telfner und Michael Rheintaler empfangen.
Sattelaufleger der Firma LKW Walter vor dem Verwaltungsgebäude
LKW Walter wurde 1924 gegründet und beschäftigt heute rund 1‘800 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist im Familienbesitz und setzte 2018 über EUR 2 Mia. um. 2018 wurden 1,45 Mio. Ladungen auf einheitlichen und kranbaren Trailern befördert. LKW Walter setzt über 10‘000 eigene Auflieger ein. Diese von der Firma Bernard Krone produzierten Aufleger sind seit 2008 mit GPS Sendern ausgerüstet. Kunde und Spediteur können den Standort ihrer Sendungen jederzeit feststellen. Die Aufleger werden zum grössten Teil in Deutschland gewartet. LKW Walter besitzt keine eigenen Zugfahrzeuge. Hingegen werden Transporteuren teilweise Kredite für den Kauf von Zugfahrzeugen gewährt.
Kennzahlen der Firma LKW Walter
Deutschland ist für LKW Walter der wichtigste Markt. Etwa ein Viertel
der Aufleger wird mit der Eisenbahn befördert, teilweise sogar in Blockzügen.
Neben Europa ist LKW Walter auch in Nordafrika aktiv. Weitere Destinationen und
Märkte sind in Evaluation.
ent 6;\lsdpr
Nach diesen Ausführungen erfolgte ein Rundgang durch das Gebäude. Die modern
eingerichteten Arbeitsplätze befinden sich in Grossraumbüros. LKW Walter stellt
zahlreiche Studienabgänger ein und fördert diese durch interne Schulungen. Im
Unternehmen werden 35 Sprachen gesprochen. Jeder Kunde wird in der Regel in
seiner Muttersprache bedient.
Die Qualität der Transporte ist sehr hoch. Diebstähle sind sehr selten.
Aufleger werden nur in gesicherten Parkplätzen zwischengelagert. Mit RAlpin
werden jährlich a. 15‘000 Aufleger transportiert. Die Zusammenarbeit gestaltet
sich teilweise schwierig.
Durch den Transport der Aufleger können – im Vergleich mit dem Transport
mit LKW – mit dem Schiff 75 Prozent und mit der Bahn 53 Prozent Energie
eingespart werden. Der Modal Split ist seit Längerem verhältnismässig stabil.
Fahrt nach Innsbruck
Nach kurzem Fussmarsch erreichten wir den Bahnhof Kufstein, von wo aus wir
mit dem Railjet über die tiefgelegte Inntalbahn nach einer guten halben Stunde
Innsbruck erreichten. Unterwegs konnten wir einen Blick auf die eindrückliche Zufahrt
zum Tunnel der Güterzugsumfahrung von Innsbruck werfen.
Verkehrslenkungs- und Verlagerungsmassnahmen des Landes Tirol
Mag. Ekkehard Allinger-Csollich, Leiter der Verkehrsplanung Tirol,
erläuterte uns in einem interessanten und ausführlichen Referat die
Verlagerungsmassnahmen. Die grossen Probleme des intensiven LKW-Verkehrs
bestehen mit 2,52 Mio. Fahrten nicht auf der Brenner Autobahn, sondern mit 3,14
Mio. Fahrten auf der Inntalautobahn zwischen Kufstein und Innsbruck. In den
Hauptverkehrszeiten ergeben sich auf dieser auch für den Regionalverkehr
wichtigen Inntalautobahn regelmässig Staus. Die Grenzen für die
Schadstoffbelastung werden regelmässig überschritten.
Verkehrsentwicklung in TirolEntwicklung des Modalsplit über den Brenner
Verlagerungsmassnahmen und die Reduktion der Umweltbelastung sind in Tirol seit dreissig Jahren ein Thema. Mit folgenden Massnahmen werden die Probleme teilweise in enger Abstimmung mit der EU bekämpft:
Dank dem österreichischen Immissionsschutzgesetz kann für LKW mit grösserem Schadstoffausstoss ein Nachtfahrverbot verhängt werden. Es gibt kein generelles Nachtfahrverbot, hingegen wird nachts eine höhere Maut erhoben.
Transportalternativen mit geringerem Schadstoffimmissionen werden finanziell gefördert, indem zurzeit 50 Prozent der Mehrkosten des teureren Transports vergütet werden.
Die Kapazität der Strassen und der Verkehrsfluss werden durch die situative Steuerung der Geschwindigkeit optimiert.
Die Verlagerung des Personenverkehrs auf die Schiene wird durch günstige Abonnemente gefördert. Die Jahreskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel im ganzen Bundesland Tirol kostet weniger als EUR 500.-. Der Anteil der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisenden Touristen wird aktiv gefördert.
LKW mit einer hohen Schadstoffbelastung werden mit einem Fahrverbot belegt. Infolge der Auswirkungen für das heimische Transportgewerbe erfolgt die Einführung gestaffelt.
Die nur auf den Autobahnen anfallende Maut kann kaum mehr erhöht werden. Die noch nicht eingeführte Wegekostenrichtlinie der EU wird auch in Tirol intensiv diskutiert.
In Kufstein werden LKW blockweise abgefertigt. In Spitzenzeiten werden nur 650 LKW pro Stunde abgefertigt.
Der Anteil der rollenden Landstrasse schrumpft seit einigen Jahren. Zurzeit werden noch 145‘000 LKW pro Jahr auf der Schiene befördert. Bis 2021 soll die Anzahl der LKW auf der Rollenden Landstrasse auf 450‘000 LKW jährlich verdreifacht werden.
Ein vollständiges oder ein sektorales Nachfahrverbot ab 2021 ist in Diskussion. Eine Alpentransitbörse würde begrüsst.
Ehrgeizige Verlagerungsziele
Italien dosiert den Verkehr auf der Brennerautobahn über die
Mautstellen, welche den Fluss der LKW verstetigen.
Brenner Basis-Tunnel BBT und Besichtigung der Baustelle Ahrental
Vor der Besichtigung der Baustelle in Ahrental statteten wir dem im
Aufbau begriffenen Besucherzentrum in der Nähe von Innsbruck Hauptbahnhof einen
Besuch ab. Hier erhielten wir einen ersten Überblick über das von der EU als
Leuchtturmprojekt bezeichnete und etwa zur Hälfte von ihr finanzierte
Grossprojekt.
Der BBT wird von einer Gesellschaft Europäischen Rechts mit den Partnern Italien und Österreich gebaut. In diesen Tagen feiert man das 15-jährige Jubiläum des der Gesellschaft zugrunde liegenden Staatsvertrages. Zurzeit sind bereits 100 Kilometer der insgesamt 230 Kilometer Tunnel im Rohbau fertig gestellt. Der BBT soll Ende 2028 dem Betrieb übergeben werden. Etwa sechzig Prozent der Tunnels werden mit Tunnelbohrmaschinen, und der Rest wird bergmännischen ausgebrochen.
Nach dieser Einführung wurden wir mit Kleinbussen nach Ahrental gefahren. Nach der Ausrüstung mit Schutzkleidung, Lampe und Notfallset und nach der Erläuterung der Sicherheitsvorschriften fuhren wir über die vier Kilometer lange und zehn Prozent steile Rampe des Zwischenangriffs zur eigentlichen Tunnelbaustelle.
Präsentation tief unter der Erde
Zuerst fuhren wir in den Sicherheitsstollen, der mit Rettungsfahrzeugen befahrbar ist und der die Abwasserleitungen und die technischen Geräte für den Betrieb des Tunnels aufnehmen wird. Der Bau des Sicherheitsstollens ist weit fortgeschritten, der Durchschlag soll 2021 erfolgen. Geführt wurden wir von Charlie List, der seit vielen Jahren im Tunnelbau arbeitet und die Besichtigung mit seinem profunden Wissen bereicherte. Wie Charlie List ausführte, soll im Gotthardtunnel die Versinterung der unter den Geleisen liegenden Entwässerungsröhren Probleme verursachen.
Charlie List ist in seinem Element
Anschliessend fuhren wir eine längere Strecke an den Westkopf des unterirdischen Anschlusswerks des BBT an die Güterzugumfahrung von Innsbruck. Dieser Anschluss erfolgt mit zwei einzelnen Röhren – in der Fachsprache Überwerfungen – kreuzungsfrei.
Übergang in die beiden Einzelröhren zur Güterzugsumfahrung von Innsbruck
Von hier aus gelangten wir in eine der beiden Hauptröhren des BBT, wo
wir verschiedene Arbeitsschritte wie Betonieren des Gewölbes oder der
Bodenplatte mit verfolgen konnten.
Schalung der Seitenwand unmittelbar vor dem Einbringen des BetonsBetonieren der Bodenplatte – erfordert höchste Präzision
Tief beeindruckt vom Gesehenen gelangten wir nach etwa zwei Stunden
wieder ins Freie und wurden pünktlich zum Bahnhof Innsbruck zurück befördert.
Abschluss und Dank
Pünktlich traten wir in Innsbruck die Heimreise an. Wir danken Kurt
Metz bestens für die informative und perfekt organisierte Studienreise.
Und eine kritische Schlussbemerkung: Erstaunlich ist, dass der BBT
trotz dem komplizierten Anschlusswerk vor Innsbruck, der aufwendigen
Unterquerung des Eisackflusses bei Franzensfeste und einer mit Motorfahrzeugen
befahrbaren dritten Röhre weniger kostet als der Gotthard Basis-Tunnel. Und
noch weniger nachvollziehbar ist, weshalb für den Einbau der Bahntechnik im BBT
drei Jahre veranschlagt werden, während die Unternehmen in der Schweiz für den
Einbau und den Test der Bahntechnik im Ceneri Basis-Tunnel vierzig Monate benötigen.
Ein grosser Detailhandelskonzern der Schweiz wirbt für sein Angebot mit dem Leitspruch „Qualité & Prix“. Das mögen sich die Zuständigen von Meridian, einem in Deutschland tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen der französischen Transdev-Gruppe, auch gedacht haben. Transdev setzt beim elektrisch betriebenen Personenverkehr hauptsächlich auf FLIRT-Triebwagenzüge der Firma Stadler. Auf der bereits erwähnten Medienreise der Bahnjournalisten Schweiz „Im Osten der Schweiz viel Neues“ fuhren wir mit einem Meridian-Zug von München nach Kufstein. Die Fahrt war abgesehen von den etwas engen Abteilen in der 1. Klasse pünktlich und angenehm.
Auf der Plattform lagen Prospekte für Kunden auf, mit denen über die Tarife und die Entschädigungsregelung bei Verspätungen informiert wurden. Mehr darüber in diesem Beitrag.
FLIRT-Triebwagenzug im Bahnhof München-Ost (Foto von Paul Smith in Wikipedia)
Abgesehen vom Einsatz von FLIRT-Zügen von Stadler fällt die grosszügige und weit über den gesetzlichen Normen liegende Entschädigungsregelung bei Verspätungen auf – ein Vorbild für die kleinräumige Schweiz?
Auszug aus einem Prospekt von Meridian
Bemerkenswert sind auch die ausserordentlich günstigen Ausflugs- und Freizeit-Tickets. Diese sind im gewählten Bereich an Werktagen ab 09.00 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen uneingeschränkt gültig.
Speziell ist auch die Kooperation mit der WESTbahn. So kann eine Gruppe von fünf Erwachsenen und drei Kindern in der ersten Klasse für EUR 143.- ab München einen Tagesausflug nach Wien unternehmen – die Fahrt mit Meridian und WESTbahn dauert nicht viel länger als mit den direkt verkehrenden und teureren Fernverkehrszügen von DB und ÖBB.
Auf einer Reise nach Selzthal hielt der Zug kurz in Liezen. Liezen ist eine Stadt mit rund 8’200 Einwohnern im Steirischen Ennstal und Hauptstadt des Bezirks Liezen, des flächenmässig grössten Bezirks von Österreich. Nachstehend ein Auszug aus der Österreichischen Karte 1:500’000.
Beeindruckt vom Blick aus dem Fenster des Zuges machte ich auf der Rückreise einen kurzen Unterbruch in Liezen und fertigte in wenigen Minuten die folgenden Bilder an.
Profil Bahnhof Liezen
Der neue Bahnhof Liezen wurde 2017 eröffnet. Er wird heute von sieben Fernzügen – einer davon der Transalpin -, einem Night Jet nach Zürich, neun Regionalzügen und vier Regionalexpresszügen bedient. In der Regel fährt jede Stunde ein Zug. Von Liezen aus fahren mehrere Busse in die Umgebung. Trotz der relativ dünnen Zugfolge beeindruckt der Bahnhof durch die architektonische Gestaltung und die hochwertige Ausführung, Dazu die folgenden Bilder – sie sind selbsterklärend und verdienen einen Vergleich mit erneuerten Bahnhöfen in der Schweiz:
Bushaltestelle und Sicht auf das BahnhofgebäudeBlick auf das BahnhofgebäudeTreppe und Wartsaal von AussenBillettautomat, Informationstafeln und LiftTreppe in die UnterführungBlick auf die soeben gereinigte UnterführungBlick auf den Zwischenperron, auch er verfügt über eine WartehalleBlick auf den Treppenaufgang mit dem Lift im HintergrundEindrücke vom Mittelperron mit den beleuchteten InformationstafelnWartehalle auf dem ZwischenperronTalent-Triebzug im Bahnhof von Liezen in der neuen Farbgebung der ÖBB
Ergänzend noch je ein Bild aus Selzthal und Salzburg, mit Kommentar
Bild aus dem Innern der aufwendig renovierten musealen Wartehalle des Bahnhofs von Selzthal. Dieser früher viel bedeutendere Bahnhof wird heute zusätzlich zu den Zügen aus Liezen von einem Dutzend Zügen aus Linz bedient, die teilweise bis nach Graz weiterfahren.Hier noch aus ein Bild aus dem Bahnhof von Salzburg. Man beachte die stilvolle Aufhängung der Stromschiene. Ob die für die barbarische Aufhängung der Stromschiene in Zürich Enge und Zürich Wollishofen zuständigen Fachleute der SBB sich davon ein Bild gemacht haben?
Auch nach dem ersten Quartal liegen die Fahrgastzahlen zwischen Pruntrut, Delle und Belfort weit unter den Erwartungen. Offensichtlich waren die Erwartungen unrealistisch, oder das Betriebskonzept ist falsch. Wir haben die Gegebenheiten vor Ort unter anderem im Rahmen einer Studienreise besichtigt und dabei Überraschendes festgestellt.
Bahnhof Delle mit einem Zug von Flirt-Zug der SBB und einem Autorail Grande Capacité AGC der SNCF
Diese Beobachtungen und Erfahrungen aus früheren Erkundungen im
Pruntruter Zipfel sowie im benachbarten Frankreich waren Anlass für die
Erarbeitung eines grenzüberschreitenden Erschliessungskonzepts für den
öffentlichen Verkehr.
Fakten
Frankreich
Im Grossraum Belfort besteht gemäss dieser Karte ein gut ausgebautes öffentliches Busnetz.
Regionalnetz Optymo
Das regionale Busnetz wird ergänzt durch mehrere und häufig befahrene städtische Buslinien in Belfort.
Stadtnetz Optymo
Das unter der Marke „Optymo“ bestehende Netz beeindruckt in mehrfacher Hinsicht, beispielsweise in Bezug auf Fahrzeuge, Erscheinungsbild, Haltestellen, Billett- und Tarifsystem, Kundeninformationen und Internetauftritt. Erstaunlich ist, dass die zwischen Belfort und Meroux TGV bestehende Eisenbahn nicht in den Verbund integriert ist, und die Bahnbillette doppelt so teuer sind als die Busbillette.
Das Billett für eine einfache Fahrt kostet in der Schweiz CHF 5.80 und in Delle EUR 5.-Die 24-Stundenkarte für das gesamte Optymo-Netz kostet EUR 3.80Die Mehrfahrtenkarte für zehn Fahrten kostet EUR 12.- / Wahrscheinlich braucht es für eine Fahrt von Delle nach Belfort zwei Fahrten, da in Meroux umgestiegen werden muss.
Zwischen Meroux TGV und Belfort verkehren an Werktagen pro Stunde mindestens fünf Busse, welche zahlreiche Haltepunkte bedienen. Zwischen Delle und Meroux TGV verkehrt an Werktagen jede Stunde ein Bus. Zu den Hauptverkehrszeiten stellen mehrere Buslinien die Erschliessung von kleineren Dörfern in der Region sicher.
Auswahl von drei anschaulich und leicht verständlich gestalteten Fahrplänen. An Werktagen fahren die Busse der Linie Nr. 3 mindestens viermal pro Stunde, diejenigen der Linien 24 und 25 in der Regel stündlich.
Schweiz
Zwischen Pruntrut und Delle verkehrt in der Regel jede Stunde ein Zug. Tagsüber verkehren die Züge meistens praktisch leer. Die Entfernungen zwischen den Bahnhöfen und den Siedlungsgebieten sind teilweise beträchtlich – in Courtemaîche zirkuliert deshalb jede Stunde ein Bus zwischen dem Bahnhof und dem Dorfzentrum. An Grandgourt als kleiner Haltestelle halten nur vereinzelte Züge.
Auszug aus der Landeskarte der Schweiz
Daneben besteht mit der von den Chemin Fer du Jura CJ betriebenen und rund 11 Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Pruntrut und Bonfol eine weitere Bahnverbindung. Bis zum zweiten Weltkrieg führte von Bonfol eine rund 23 Kilometer lange Eisenbahnlinie weiter nach Dannemaire an der Strecke von Belfort nach Mulhouse. CJ betreibt auf ihrer Strecke einen stündlich verkehrenden Zug.
Auszug aus der Landeskarte der Schweiz / Leider ist die wieder in Betrieb genommene Bahnlinie zwischen Delle und Belfort nur schwach erkennbar.
Als Besonderheit besteht zwischen Courtemaîche und dem Truppenübungsgelände bei Bure eine knapp 5 Kilometer lange und bis zu 45 Promille steile Stichstrecke für die Erschliessung des Waffenplatzes und den selten gewordenen Transport von Panzern und anderen schweren Militärfahrzeugen.
Neben diesen beiden Eisenbahnlinien wird der Pruntruter Zipfel von mehreren Buslinien der Postauto AG erschlossen.
Kurze Lagebeurteilung
Die Verkehrserschliessung durch Optymo beeindruckt. Der Grundtakt wird durch Zusatzverbindungen ökologisch und ökonomisch vorteilhaft ergänzt.
Die Busse von Optymo sind der Eisenbahn in Bezug auf die lokale Erschliessung zwischen Delle und Belfort weit überlegen. Die Gehdistanzen von den langgezogenen Strassendörfern wie Grandvillars oder Bourogne zu den Bahnhöfen sind oft sehr gross.
Eine analoge Feststellung gilt auch auf der schweizerischen Seite in Bezug auf den lokalen Eisenbahnverkehr zwischen Porrentruy und Delle. Die Gemeinden zwischen Porrentruy und der Grenze haben noch etwa 2’800 Einwohner. Die Einwohnerzahl von Porrentruy beträgt rund 6’700 Personen, und im gesamten und dünn besiedelten gleichnamigen Bezirk wohnen 24’600 Personen. Angaben über die Anzahl Arbeitsplätze und Grenzgänger liegen mir nicht vor.
Pruntrut ist ausserdem mit der Autobahn A16 mit Boncourt und ab der Grenze – mit der französischen Schnellstrasse N1019 – mit der Region Delle-Grandvillars verbunden.
Die Erschliessung der Region zwischen Pruntrut und Bonfol mit der Eisenbahn als Relikt aus der Vergangenheit ist wegen der dünnen Besiedlung und dem fehlenden Anschluss nach Frankreich hoch ineffizient.
Für die Eisenbahnlinie zwischen Pruntrut, Delle und Belfort bedarf es dringend eines geeigneten Nutzungskonzepts.
Empfehlungen für den Bus
Der heute durch die Eisenbahn sichergestellte
lokale Verkehrserschliessung im Pruntruter Zipfel ist auf Busse umzustellen.
Der Busverkehr im Pruntruter Zipfel ist optisch
und kommerziell nach dem Vorbild von Optymo zu konzipieren. Der Auftrag für den
Betrieb des Netzes ist bei geeigneten Anbietern auszuschreiben.
Es ist ein grenzüberschreitender Tarifverbund
mit möglichst weitgehender Angleichung der Tarife zu bilden.
Soweit möglich sind grenzüberschreitende
Busverbindungen anzubieten. Das gilt im Besonderen für die Relation von
Pruntrut über Bonfol nach Dannemaire mit möglicher Verlängerung nach Altkirch.
Empfehlungen für die Eisenbahn
Die SBB beschränken sich auf den Eisenbahnverkehr zwischen Delémont und Porrentruy. Sie bieten dort tagsüber einen Halbstundentakt mit Regionalzügen an. Denkbar wäre, diesen Auftrag aus lokalpolitischen Überlegungen an die Chemin Fer du Jura CJ zu übertragen.
Das Zugsangebot auf der Relation zwischen Pruntrut, Delle und Belfort ist auf den Berufsverkehr, den überregionalen Eisenbahnverkehr und auf gute Anschlüsse an den Fernverkehr in Meroux TGV auszurichten.
Luftaufnahme des grossartigen TGV-Bahnhofs von Meroux mit der noch nicht fertiggestellten Bahnlinie von Delle nach Belfort mit dem Regionalbahnhof, von wo aus der Lift direkt auf das Perron des TGV-Bahnhofs führt
In der Schweiz sind die beschleunigten Regionalexpresszüge bis nach Delémont zu führen. Sie halten nur in St. Ursanne, Pruntrut, Boncourt, Delle und Meroux TGV. Idealerweise stellen die Züge nach Delle in Delsberg den Anschluss an die IC von Biel nach Basel her.
Der Betrieb dieser Züge erfolgt durch die SNCF oder – im Zuge der Liberalisierung des französischen Regionalverkehrs – durch Kéolis. Diese Firmen setzen an schweizerische Normen angepasstes französisches Rollmaterial ein und beschäftigen eigenes Personal – TGV Lyria als Vorbild.
komfortabler und ruhig laufender Autorail à Grande Capacité der SNCF im Bahnhof Delle
Begründung: Der Arbeitskräftemangel in der Schweiz wird durch französische Grenzgänger gemildert. Im Gegenzug reduziert der Einsatz von schweizerischem Rollmaterial und Personal das Arbeitsvolumen in Frankreich – wohl ein Widerspruch aus der Sicht einer Nation mit einem hohen Selbstbewusstsein. Meines Erachtens liegt darin einer der Gründe für die zwischen den SBB und der SNCF miserabel abgestimmten Fahrpläne zwischen Delle und Belfort.
Nutzen
Die Menschen im Pruntruter Zipfel verfügen über
ein hochstehendes sowie ökologisch und ökonomisch überzeugendes öffentliches
Verkehrssystem.
Ein bedarfsgerecht verdichtetes Angebot steigert
die Attraktivität und fördert dadurch die Benutzung des öffentlichen Verkehrs.
Die Möglichkeit, auf dem Arbeitsweg „eigene“
Züge zu benutzen, senkt die Hemmschwelle für französische Grenzgänger, auf den
öffentlichen Verkehr umzusteigen.
Die grenzüberschreitende Kooperation wird
gefördert.
Die Standortgunst der Ajoie wird durch eine
Verkürzung der Reisezeit nach Paris erhöht.
Der Kanton Jura könnte sich als Pionier mit
einem visionären, grenzüberschreitenden Konzept mit Frankreich profilieren, und
ein Modell für analoge Kooperationen mit dem Elsass und im Metropolitanraum
Genf vorlegen.
Nach einem Unterbruch von 26 Jahren wurde am 6. Dezember 2018 die wieder instand gestellte Eisenbahnlinie von Delle nach Belfort feierlich eröffnet, und am 8. Dezember 2018 fanden Gratisfahrten für das Publikum statt. Leider haben die Frequenzen in den ersten drei Monaten die Erwartungen nicht erfüllt. An was mag das liegen?
Dieser Frage nachzugehen und die neue Bahnstrecke zu befahren, ist nur einer der Gründe für unsere attraktive Studienreise von Mittwoch, 3. April 2019.
Weitere Höhepunkte der intensiven Reise sind:
Besichtigung des TGV-Bahnhofs Belfort-Montbéliard
kurzer Rundgang durch den Bahnhof von Belfort und Einblick in den „optymo“-Verkehrsverbund
Fahrt dem Doubs entlang auf der wunderschönen Bahnstrecke von Belfort nach Besançon-Viotte
Rundgang durch das Stadtzentrum vom Besançon und Einblick in den von Kéolis betriebenen öffentlichen Stadtverkehr
Fahrt auf der malerischen und nur noch wenig befahrenen Strecke von Besançon über Morteau nach Le Locle
Abstecher von Le Locle nach Les Brenets
Weiterfahrt nach Neuenburg
Für weitere Angaben verweisen wir auf das untenstehende Detailprogramm, das auch als PDF-Datei über den Link am Ende dieses Beitrages herunter geladen werden kann:
Leoben im österreichischen Bundesland Steiermark ist eine vitale Stadt mit rund 25’000 Einwohnern und ein wichtiger Bahnhof im Netz der ÖBB. Im 1975 neu erbauten repräsentativen Bahnhof von Leoben kreuzen sich die Eisenbahnlinien von Graz nach Selztal und von Wien nach Villach. Auf beiden Linien verkehren sowohl österreichische als auch internationale Fernverkehrszüge. So unter anderem der Transalpin in seiner heutigen Fahrplanlage von Graz nach Zürich. Zwischen der Abzweigung Stadtwald südlich von Bruck an der Mur und St. Michael in der Obersteiermark benutzen beide Verbindungen die gleiche Doppelspur.
Auszug aus der Railmap Europe 1:5 000 000 von Kümmerli+Frei
Die Fernzüge verkehren in der Regel im Zweistundentakt. Alternierend fahren zweistündlich Regionalexpresszüge. Von Leoben nach St. Michael in der Obersteiermark verkehrt stündlich eine S-Bahn. In St. Michael besteht Anschluss an die Regionalzüge nach Selzthal.
Zwischen Leoben und Bruck an der Mur verkehren neben den Fernverkehrszügen nach Wien S-Bahnen in Halbstundentakt. In Bruck an der Mur bestehen schlanke Anschlüsse nach Graz. Die Fernverkehrszüge von Leoben nach Graz umfahren den Bahnhof von Bruck an der Mur.
Streckenführung
Bis 1998 benutzten die Züge eine der Mur folgende kurvenreiche und langsam zu befahrende Doppelspurstrecke. Nach dem Bau des 5’460 Meter langen Galgenbergtunnels wurde der Verkehr zwischen Leoben und St. Michael in der Steiermark auf die für hohe Geschwindigkeiten errichtete Neubaustrecke verlegt. Auf dem Trasse der alten Strecke ist ein Radweg geplant.
Auszug aus dem Eisenbahnatlas Österreich von Schweers+Wall
Vergleich mit Ziegelbrücke
Man vergleiche die Situation im Raum Leoben mit der Relation zwischen Ziegelbrücke und Murg. Obschon der Verkehr am Walensee ungleich dichter ist, verkehren die Züge zwischen Mühlehorn und Tiefenwinkel vor Murg auf einer mit 75 km/h zu befahrenden Einspurstrecke.
Dieser Engpass stellt die SBB vor grosse Herausforderungen. Selbst geringfügige Störungen führen zu Verspätungen. Beispielsweise kann der Anschluss der S-Bahnzüge aus Uznach an die Regionalexpresszüge nach Chur nicht gewährleistet werden.
Ich kenne in Mitteleuropa keinen vergleichbaren Engpass auf einer derart wichtigen Magistrale wie es die Verbindung zwischen Zürich und Sargans/Chur eben ist. Und trotzdem steht die Beseitigung dieser Schwachstelle irgendwo in den Sternen.
Für mich ein Gradmesser für die Qualität und die Weitsicht der schweizerischen Eisenbahnplanung.
Und noch ein Letztes – von einem Vergleich der Bahnhofsgebäude und der Publikumsanlagen von Leoben und Ziegelbrücke wurde abgesehen. Ich empfehle Interessierten, den Bahnhof von Leoben bei Gelegenheit selbst zu besuchen.
Das Konsumentenmagazin SALDO beschäftigt sich in seiner Ausgabe 01/2019 eingehend mit den Verspätungen bei den SBB. In einem ausführlichen Artikel wird von einem IT-Fachmann berichtet, der auf der Grundlage der öffentlich zugänglichen Datenbank des Bundesamtes für Verkehr die effektiven Verspätungen ermittelt hat.
Dabei wurde die gemäss SALDO nur hochgerechnete Verspätungsstatistik der SBB in einem beträchtlichen Mass falsifiziert. So sollen zum Beispiel in der untersuchten Periode lediglich 73 Prozent der Züge zwischen Bern und Zürich ihr Ziel mit weniger als drei Minuten Verspätung erreicht haben. Zehn Prozent der Züge trafen sogar mit mehr als zehn Minuten Verspätung am Zielbahnhof ein.
Nachstehend die SALDO mit dem besten Dank entnommene Übersicht.
Einige Anschlussbemerkungen
Die Verspätungen im Fernverkehr haben unseres Erachtens die Grössenordnung der viel geschmähten Verhältnisse im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG erreicht.
Natürlich wird der Begriff „Verspätung“ von den europäischen Eisenbahnunternehmen unterschiedlich definiert. Was bei uns als Verspätung gilt, mag andernorts noch nicht als solche gelten.
Auf der anderen Seite sollte man die Verspätungen ins Verhältnis zur Reisestrecke setzen. Die Ankunftsverspätung von 15 Minuten eines ICE aus Hamburg in Basel nach einer siebenstündigen Fahrt ist anders zu gewichten, als die Verspätung eines IC von Bern nach Zürich von zehn Minuten. Zudem durchfährt der ICE aus Hamburg auf seiner Fahrt nach Basel mehrere ausgedehnte Verkehrsverbundnetze.
Erstaunlich ist, dass von Kundenorganisationen kaum öffentliche Reaktionen gegen die unbefriedigende Situation zu verzeichnen sind oder gar Vorschläge für deren Minderung geäussert werden.
Da ist die Situation im eher autofreundlichen Deutschland grundlegend anders: Im Januar 2019 hat der deutsche Bundesminister für Verkehr, Andreas Scheuer, die Probleme bei der Deutschen Bahn zur Chefsache erklärt und sich drei Mal zu längeren Aussprachen mit dem Vorstand der DB getroffen. Dazu kommt, dass zurzeit praktisch alle grossen deutschen Tageszeitungen den Problemen eine breite Aufmerksamkeit widmen.
Und was unternehmen die SBB in dieser angespannten Situation? Ungeachtet der durch die Verspätungen verärgerten Kundschaft bauen sie mit der angekündigten massiven Erhöhung der Gebühren für die Schliessfächer die Servicequalität weiter ab (Daten aus der Ausgabe 01/2019 von K-Tipp).
Im Gegensatz zu den Postautos und zu öffentlichen Verkehrsbetrieben war WLAN in den Zügen der SBB AG sehr lange kein Thema. Gemäss unseren Beobachtungen scheint sich bei unseren Staatsbahnen ein gewisses Umdenken eingestellt zu haben. Aber reicht blosses WLAN aus?
In den letzten Wochen haben wir bei zahlreiche Bahnreisen in Österreich und in Südtirol Erstaunliches festgestellt und möchten kurz darüber berichten. Wir schliessen unseren Bericht mit einer Beobachtung aus der Schweiz ab.
WLAN in Zügen der ÖBB
In den Railjet der ÖBB steht den Fahrgästen WLAN zur Verfügung.
Die Abdeckung ist abgesehen von peripheren Gegenden im Allgemeinen sehr hoch. Das WLAN funktioniert gemäss unseren Erfahrungen sogar auf den vom Railjet befahrenen Strecken im Ausland, so zwischen Salzburg, Rosenheim und Kufstein sowie in der Schweiz.
Das Angebot beschränkt sich aber nicht nur auf die Verbindung ins Internet. Die ÖBB stellen ihren Fahrgästen ein reichhaltiges Angebot an Dienstleistungen aller Art zur Verfügung, wie dieser Auszug zeigt.
Für Bahnfreunde besonders interessant ist eine Karte, anhand der die aktuelle Position und die Geschwindigkeit des Zuges verfolgt werden kann.
Eine etwas einfachere Version dieses Railnet steht auch in den neuen Cityjet Triebzügen der ÖBB zur Verfügung, wie wir auf der Fahrt von Wörgl nach Kitzbühel oder von Linz nach Selzthal feststellen konnten.
WLAN beim SAD
Aber auch im Südtirol wird den Fahrgästen des SAD in den sechsteiligen Flirt-Zügen ein gutes und auf der Fahrt von Lienz nach Fortezza unterbruchloses WLAN angeboten.
Überhaupt hat der öffentliche Verkehr im Südtirol ein Niveau erreicht, dass in seiner Gesamtheit das Niveau in unserem Land mindestens erreicht oder gar überschritten hat.
Und die Nagelprobe am Walensee
Wie einleitend erwähnt, funktioniert das Railnet in Railjet sogar in der Schweiz, und so auch am Walensee. Nachstehend die Bildschirmkopie der Fahrt zwischen Tiefenwinkel und Mühlehorn.
Liebe Leserin, lieber Leser, wo in den umliegenden Ländern bestehen auf einer derart wichtigen und stark belasteten Magistrale derartige Gegebenheiten?
Man hat uns gelegentlich vorgeworfen, negativ über Verhältnisse in der Schweiz zu berichten. Das sehen wir nicht so. Das wirklich Tragische an der Situation an der „mittelalterlichen“ Eisenbahninfrastruktur am Walensee ist, dass das Problem weder im Fokus der SBB noch von zahlreichen Bahnfreunden auftaucht.