Die Meldungen über den Verkauf von DB Arriva jagen sich. Gemäss einem Beitrag in der Ausgabe 290 von „Today’s Rail Europe“ will die DB AG die Bemühungen für den Verkauf ihrer Tochtergesellschaft in diesem Jahr fortsetzen. Die Internetausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigt diesen Sachverhalt und schreibt, dass die DB einen vollständigen Verkauf von Arriva auf einen Schlag anstrebe. Allfällige Interessenten sollen ihre Angebote bis zum 3. Mai 2020 entweder an die Citigroup oder an die Deutsche Bank abgeben.
Auszug aus Today’s Railways Europe
Damit findet ein seit längerem anhaltendes Trauerspiel um DB Arriva in einer schwierigen Zeit sein Ende. Der Flurschaden ist gewaltig. Die letzten Monate offenbaren auf mehreren Ebenen erschreckende Führungsschwäche und Konzeptlosigkeit. Ein Abbild der deutschen Verkehrspolitik? Die Frage, ob und wieweit die Verwerfungen des Brexits zum Malaise beigetragen haben, ist müssig.
Dazu ein paar Bemerkungen:
DB Arriva
Arriva PLC ist ein 1938 gegründetes britisches Verkehrsunternehmen. Durch verschiedene Übernahmen wuchs Arriva um die Jahrtausendwende zu einem der führenden Busbetreiber in Grossbritannien.
2010 erwarb die DB AG für EUR 1,9 Milliarden Arriva für die angestrebte Expansion in Europa. In den folgenden Jahren expandierte das neu als DB Arriva firmierende Unternehmen in Europa und erwarb zahlreiche Bus- und Eisenbahnunternehmen. Investitionen und Zukäufe erhöhten den Buchwert von DB Arriva auf rund EUR 4,0 Milliarden.
DB Arriva im Vergleich mit DB Regio und DB Fernverkehr (2017)
Heute ist DB Arriva in 14 Ländern tätig. Nachstehend zwei Auszüge aus dem Geschäftsbericht 2018 der DB AG.
Länder und Aktivitäten von DB ArrivaAbschluss 2018 von DB Arriva
Aktuelle Lage
Die Verschlechterung der Ertragslage in den letzten Jahren und die steigende Schuldenlast der DB AG führten zu Abklärungen, ob sich die finanzielle Lage des Konzerns durch den Verkauf von Tochtergesellschaften verbessern liesse. Im Fokus standen DB Schenker und DB Arriva. Die Diskussionen liessen aber auch Rückschlüsse auf eine unklare Unternehmensstrategie zu.
Die Analyse der Meldungen vorab in den deutschen Medien in 2019 führt zu einem erratischen Befund. Widersprüchliche Meldungen folgten in rascher Folge. Dem Vernehmen nach wurde auch ein Börsengang von DB Arriva erwogen.
Die nebulöse Zukunft von DB Arriva führte im Unternehmen offensichtlich zu einer Verunsicherung. Qualitätsmängel häuften sich. Die Zufriedenheit von Auftraggebern und Fahrgästen sank. Sie kulminierten in der Drohung, der DB Arriva den Auftrag an das Eisenbahnunternehmen Northern, welche den Regionalverkehr in Nordengland betreibt, vorzeitig zu entziehen. Auch in Tschechien wächst die Unzufriedenheit.
Kommentar
Ob unter diesen Umständen potentielle Käufer bereit sind, für DB Arriva einen angemessenen Preis zu bezahlen, steht in den Sternen. Nicht bemessen lässt sich der Schaden durch die Bindung von Management Kapazität im Zusammenhang mit DB Arriva – Ressourcen, die man zweckmässiger für die Behebung der Probleme bei der DB AG eingesetzt hätte.
Die Corporate Governance hat auf der strategischen und operativen Ebene versagt. Vor zehn Jahren begann man mit dem Aufbau eines europaweit tätigen Personentransportunternehmen mit über 55‘000 Mitarbeitenden und heute gibt man das Ganze auf. Die zunehmenden Qualitätsprobleme in einigen Unternehmen von DB Arriva stellen in überdies die Kompetenz von Politik und Unternehmen in Frage, ein Eisenbahnunternehmen zu führen.
Fazit ist, dass die Entwicklung nur Verlierer zeitigt, nämlich:
die DB AG, welche DB Arriva kaum zum Buchwert verkaufen kann und dadurch dem Vernehmen nach einen milliardenschweren Verlust realisieren muss
Verunsicherung auch bei der DB AG selbst, da der Abgang von DB Arriva wohl zu einem Abbau im Overhead führt – über die Hälfte des aktuellen Personalbestandes der Sparte Personenverkehr der DB AG entfällt auf DB Arriva
Unstimmigkeiten im Vorstand der DB AG durch den Abgang von Alexander Doll, CFO, und seit 2018 auch verantwortlich für den darbenden Güterverkehr
frustrierte und verunsicherte Mitarbeiter bei DB Arriva und ihren Tochtergesellschaften, was zu Abgängen und einem weiteren Qualitätsverlust führt
weiterer Rückgang der Kundenzufriedenheit und Imageverlust für den öffentlichem Verkehr
Schwächung der Bereitschaft für einen gesunden Wettbewerb im öffentlichen Verkehr
Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit gegenüber der Corporate Governance der DB AG und der deutschen Verkehrspolitik, mit negativen Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr
Keine falschen oder voreiligen Schlüsse
Nicht statthaft wäre, die Verwerfungen bei DB Arriva reflexartig und unbedacht auf den Wettbewerb oder auf Privatisierungen zurückzuführen. Das folgende Diagramm zeigt beispielsweise den Niedergang von British Rail zwischen 1948 und 1995 und den eindrücklichen Zuwachs des englischen Personenverkehrs auf der Schiene nach der Privatisierung.
Personenverkehr auf der Schiene in England nach der Verstaatlichung und der Privatisierung
Zudem entwickelt sich Kéolis, ein ähnlich ausgerichtetes französisches Unternehmen und mehrheitlich im Besitz der SCNF prächtig.
Die Bahnjournalisten Schweiz führten am 21. Januar 2020 zum Thema „Wenn der ÖV in die Luft und ans Seil geht“ eine weitere interessante Informationsreise durch.
Neben der perfekten Organisation der Reise durch Kurt Metz trugen die besuchten Firmen, Bartholet Maschinenbau AG, Flums, Leitner (Schweiz) AG, Baar, und Doppelmayr Seilbahnen GmbH, Wolfurt (A), durch die Aufmerksamkeit, die sie den Teilnehmenden entgegenbrachten, wesentlich zum Erfolg bei. Die packenden Vorträge wurden bei Bartholet und bei Doppelmayr/Garaventa mit Betriebsbesichtigungen bereichert. Dafür bedanken wir uns bestens.
Die Veranstaltung stand unter dem Fokus, ob sich Seilbahnen auch in Städten als leistungsfähige öffentliche Verkehrsmittel eignen. Die Frage wurde durch zahlreiche Erfolgsprojekte auf der ganzen Welt überzeugend bejaht. Mehr darüber und über die besuchten Firmen in diesem Bericht.
Nach der Zusammenfassung der einzelnen Besuche widmen wir uns im zweiten Teil der Eignung und den Vorzügen von Seilbahnen im urbanen Bereich.
Bartholet Maschinenbau AG, Flums
Seilbahn von Bartholet in den Flumserbergen
Bei Bartholet wurden wir von Daniel Fässer, Head of Sales & Marketing, begrüsst. Zu Beginn seines Referats erläuterte Daniel Fässer die beeindruckende Erfolgsgeschichte von Bartholet und präsentierte ein paar Kennzahlen. Umsatzzahlen dieses familiengeführten Unternehmens wurden keine genannt.
Batholet wurde 1962 als Einmannunternehmen gegründet und beschäftigt gegenwärtig über 450 Mitarbeitende, davon 350 am Standort des Unternehmens in Flums. Beeindruckend – in den letzten zehn Jahren hat sich die Anzahl der Mitarbeitenden verdoppelt.
Geschäftsfelder der Firma Bartholet
Bartholet setzt bei seinen Produkten auf Schweizer Qualität, Innovation und Design. Aktivitäten in vier Geschäftsfeldern tragen zu einer gleichmässigen Auslastung der Kapazitäten bei.
Nach dieser Einführung stellt Daniel Fässer eine Anzahl von Seilbahnen vor, die Bartholet in Städten realisiert hat. Besonders beeindruckt haben uns folgende Projekte.
MoskauBrest, mit sich übereinander kreuzenden KabinenStandseilbahn in Istanbul, 1. Bild, verbindet Einkaufszentrum mit SportarenaStandseilbahn in Istanbul, 2. Bild
Im Anschluss an das Referat erfolgt ein Rundgang durch die in mehreren Hallen angeordneten Werkstätten von Bartholet. Dabei erfahren wir, dass praktisch alle Bestandteile der Seilbahnen in Flums gefertigt werden. Sämtliche sicherheitsrelevanten Teile werden eingehend auf allfällige Mängel geprüft. Zudem ist die Fertigungstiefe hoch. Die eindrücklichen Antriebsräder werden beispielsweise aus Rohlingen gefertigt – also geschmiedet, gefräst und geschweisst.
Bei der Suche des Versammlungsraums, den wir nicht auf Anhieb fanden, mussten wir uns bei ausnahmslos höflichen und zuvorkommenden Betriebsangehörigen nach dem Weg erkundigen. Das hat uns beeindruckt – Indiz für ein gutes Betriebsklima und Firmenstolz.
Leitner (Schweiz) AG
Nach der Busfahrt zum Versuchsstollen der Amberg Group in Hagerbach begab sich die Gruppe zu einem Versammlungsraum in einer Kaverne. Hier begrüsste uns Markus Sigrist, Managing Director von Leitner (Schweiz) AG, zu seiner Präsentation. Leitner (Schweiz) AG ist eine Tochtergesellschaft der Leitner Ropeways AG.
Bauarbeiten für die Bergstation der neuen Seilbahn auf das Klein Matterhorn
Leitner Ropeways blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Unternehmen wurde 1888 von Gabriel Leitner gegründet. Der Hauptsitz und die Produktion befinden sich in Sterzing/Vipiteno in Südtirol. Firmensprache ist Deutsch. Neben Seilbahnen produziert Leitner unter anderem in seinen Tochtergesellschaften Prinoth AG Pistenfahrzeuge und mit Demaclenko Anlagen für die künstliche Beschneiung. Damit ist Leitner der erste komplette Technologieanbieter für Wintersportgebiete.
Leitner hat 2018 einen Umsatz von EUR 1,031 Milliarden erzielt und beschäftigte am Jahresende in elf Produktionsstäten, 65 Niederlassungen und 132 Servicecentern über 3‘500 Mitarbeiter. Der Unterhalt und die Wartung der Anlagen von Leitner werden immer wichtiger und trugen im Berichtsjahr EUR 200 Millionen zum Umsatz bei.
Seilbahnen von Leitner in urbanen Räumen haben sich in der Praxis bestens bewährt oder werden gegenwärtig realisiert. Leider ist ein vielversprechendes Projekt in Göteborg gescheitert.
MexicoProjekt Toulouse, 1. Bild, mit ProjektbeschreibungGebäude der Endstation der Seilbahn von Toulouse
Doppelmayr/Garaventa Gruppe
Nach einer längeren Busfahrt nach Wolfurt begrüssen uns im repräsentativen Verwaltungsgebäude der Firma Doppelmayr Seilbahnen GmbH, Reinhard Fitz, Head of International Business Development, Ueli Sutter, Projektleiter bei Garaventa, und Julia Schwärzer, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, zur Präsentation des Unternehmens. Die Doppelmayr Seilbahnen GmbH gehört zur Doppelmayr/Garaventa-Gruppe.
Samnaun
Doppelmayr/Garaventa ist einer der weltweit führenden Seilbahnhersteller und wurde bereits 1893 gegründet. In 95 Ländern auf sechs Kontinenten sind über 14‘900 Anlagen im Einsatz. Produziert wird in sieben Ländern mit 3‘081 Mitarbeitern, davon 1‘544 in Österreich. 2018/2019, alle Zahlen stammen aus diesem Geschäftsjahr, hat Doppelmayr/Garaventa einen Rekordumsatz von EUR 935 Mio. erwirtschaftet.
Seit seiner Gründung hat Doppelmayr zahlreiche bahnbrechende Entwicklungen realisiert. 2002 fusionierte Doppelmayr mit der schweizerischen Garaventa zur Doppelmayr/Garaventa-Gruppe. Mit der modernen neuen Standseilbahn auf den Stoos hat Doppelmayr/Garaventa in der Schweiz ein revolutionäres Projekt realisiert, das weltweit für Aufsehen sorgte.
Stoosbahn
Nach der Präsentation der Firmengruppe stellen Reinhard Fitz und Ueli Sutter Projekte von Doppelmayr/Garaventa vor und treten dabei speziell auf Seilbahnprojekte im urbanen Bereich ein.
Docklands Station, LondonLa Paz Bolivien – hier besteht ein ausgedehntes Netz von SeilbahnenKoblenz DSingapore, 1. BildSingapore, 2. Bild
Die Besichtigung der hochmodernen Produktionsanlagen im benachbarten Fabrikgebäude schliesst an die Präsentationen an. Die Besucher sind vom rund 300 Meter langen und fünfzig Meter breiten Gebäude tief beeindruckt. Besondere Beachtung finden die zahlreichen Industrieroboter, welche die Produktivität und die Qualität der einzelnen Arbeitsschritte substantiell erhöhen. Anhand der minutiösen Prüfung von Werkstücken wird der hohe Stellenwert dokumentiert, welcher der Qualitätssicherung zugemessen wird. Wie bei Bartholet beeindruckt auch bei Doppelmayr/Garaventa die hohe Fertigungstiefe der Produktion.
Seilbahnen im urbanen Einsatz
Wie die Präsentationen zeigen, ordnen die drei Hersteller urbanen Seilbahnen eine hohe Priorität zu. Zahlreiche Erfolgsprojekte auf der ganzen Welt dokumentieren, dass sich urbane Seilbahnen im öffentlichen Verkehr bestens bewähren und belegen die hohe Kompetenz und die Innovationskraft von Bartholet, Doppelmayr/Garaventa und Leitner. Bemerkenswert ist die Verbreitung von urbanen Seilbahnen in Südamerika, wo diesem modernen Verkehrsmittel offensichtlich der Durchbruch gelungen ist.
Wie das folgende Bild zeigt, existieren die urbanen Seilbahnen wie die klassischen touristischen Seilbahnen in unterschiedlichen Formen und Dimensionen. Man darf die weltberühmten Cable Cars in San Francisco mit Fug und Recht als urbane Seilbahn bezeichnen. Notabene bauen alle drei Anbieter auch Standseilbahnen.
Arten von urbanen Seilbahnen
Welche Argumente sprechen für urbane Seilbahnen als öffentliche Verkehrsmittel?
Trümpfe von Seilbahnen im urbanen EinsatzCO2-Ausstoss in der Ebene
Mit urbanen Seilbahnen können grosse Höhenunterschiede und Steigungen bewältigt werden.
Urbane Seilbahnen funktionieren zuverlässig und haben eine hohe Betriebssicherheit, da sie über eine eigene Fahrbahn verfügen.
Urbane Seilbahnen sind – abgesehen vom Luftverkehr – bei Weitem das sicherste Transportmittel.
Urbane Seilbahnen können in sehr kurzer Zeit und mit vergleichsweise geringen Investitionen realisiert werden.
Personensicherheit im Vergleich mit anderen Transportmitteln
Urbane Seilbahnen bieten ihren Fahrgästen ein aussergewöhnliches Fahrvergnügen.
Kommentar
Auch in der Schweiz leisten urbane Seilbahnen in zahlreichen Städten einen wichtigen Beitrag im öffentlichen Verkehr. Man denke etwa an die kurzen und teilweise legendären Standseilbahnen in Bern „Marzilibahn“, Freiburg, Lugano und Zürich „Polybahn“, St. Gallen „Mühleggbahn“. Einige dieser Bahnen wurden noch lange nach ihrem Bau im Schwerkraftbetrieb mit Abwasser betrieben, was zwar energiearm und kostengünstig, aber nicht immer wohlriechend war.
Wie auf dieser Website vor ein paar Monaten berichtet, hat Claudio Büchel, Professor für Stadt-, Verkehrs- und Raumplanung an der Fachhochschule Rapperswil, zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für urbane Seilbahnen in Schweizer Städten definiert. Wer wagt den Anfang und ermöglicht dieser Technologie den Durchbruch in unserem Land?
Leider wird in Zürich ein falscher und längerfristig wohl kontraproduktiver Ansatz verfolgt. Die Zürcher Kantonalbank beabsichtigt, im Rahmen ihres 150-jährigen Jubiläums für eine Betriebsdauer von fünf Jahren eine Seilbahn über den Zürichsee zu bauen und dem Publikum gegen Entgelt Fahrten zu ermöglichen. Dieses Projekt ist sehr umstritten – die Realisierung ist ungewiss.
Mit vertretbaren Anpassungen hätte diese Seilbahn zwischen Zürich-Wollishofen und Zürich-Tiefenbrunnen unter anderem zur Entlastung des Stadtzentrums eine wichtige Querverbindung herstellen können. Denkbar wäre gewesen, diese Seilbahn in einer späteren Phase mit einer zweiten Linie nach Zürich-Witikon zu verlängern, um so die Verkehrserschliessung dieses peripheren Stadtteils substantiell zu verbessern. Chancen über Chancen – aber der Vergnügungsaspekt dominiert.
In eigener Sache
Die hier verwendeten Bilder und Grafiken wurden den erwähnten Präsentationen entnommen oder uns von den Firmen nachträglich zur Verfügung gestellt. Dafür danken wir herzlich – ein spezieller Dank geht an die Veranstalter und an meinen Kollegen für die Unterstützung bei der Erstellung dieses Berichts.
Die als „Pottendorfer-Linie“ bezeichnete Nebenstrecke verbindet Wien-Meidling über Pottendorf mit Wiener Neustadt. Sie wird zurzeit modernisiert und durchgängig auf Doppelspur ausgebaut. Nach der Fertigstellung wird die Pottendorfer-Linie die Magistrale Wien-Wiener Neustadt über Baden entlasten. Weiter wird der Anschluss des grossen Güterterminals Wien Süd Richtung Semmering verbessert.
Zwei der drei Abschnitte der modernisierten Strecke sind bereits in Betrieb. Die Arbeiten am dritten Teilstück werden 2020 aufgenommen, und ab 2023 soll die gesamte Strecke in Betrieb genommen werden.
Im Rahmen der Studienreise im November 2019 haben wir die Pottendorfer-Linie besichtigt. Neben dem hochwertigen Ausbau der Strecke haben uns vor allem die neuen Bahnhöfe beeindruckt.
Überblick
Der Auszug aus dem Eisenbahnatlas EU von Schweers+Wall zeigt die strategische Bedeutung der Pottendorfer-Linie. Neben den einleitend erwähnten Funktionen ist die Pottendorfer-Linie Bestandteil des Baltisch-Adriatischen Güterverkehrskorridors und nimmt auf ihrem südlichen Teil ab Wampersdorf auch die Güterzüge aus dem neuen Wiener Zentralverschiebebahnhof auf.
Eisenbahnlinien zwischen Wien und Wiener-Neustadt, rechts die Pottendorfer-LinieSchema der Pottendorfer-Linie
Zudem hat die Pottendorfer-Linie das Potential, mit kurzen Spangen in Ebenfurth und Wulkaprodersdorf die Reisezeit zwischen Wien und der Hauptstadt des Burgenlandes, Eisenstadt, substantiell zu verkürzen.
Wiener Neustadt – Wampersdorf
Die rund 17
km lange und für 140 km/h zugelassene Strecke zwischen Wiener Neustadt und
Wampersdorf wurde bereits vor einigen Jahren auf Doppelspur ausgebaut.
Gegenwärtig werden ein paar Bahnhöfe an diesem Teilstück modernisiert und
Lärmschutzwände errichtet. Im Zuge des Doppelspurausbaus wurde der Bahnhof von
Ebenfurth an den nördlichen Dorfrand verlegt.
südlicher und seit längerem auf Doppelspur ausgebauter Abschnitt der Pottendorfer-Linie
Wampersdorf – Münchendorf
Im mittleren
rund 10 Kilometer langen Abschnitt zwischen Wampersdorf und Münchendorf wird
die Bestandesstrecke im Ortszentrum von Ebreichsdorf aufgegeben und durch eine
grosszügige und für 160 km/h trassierte doppelspurige Umfahrungsstrecke
ersetzt. Die Linienführung war lange umstritten. Unseres Erachtens hätte man die
bestehende Einspurstrecke durch Ebreichsdorf durchaus mit einem zweiten Gleis
ergänzen können. Die Bauarbeiten für die neu für 160 km/h zugelassene Strecke
beginnen anfangs 2020 und umfassen auch einen neuen Bahnhof. Mit dem Abschluss
der Bauarbeiten 2023 kann die gesamte Pottendorfer-Linie in Betrieb genommen
werden.
mittlerer Abschnitt der Pottendorfer-Linie (Realisierung zwischen 2020 und 2023)
Münchendorf – Hennersdorf (- Wien Meidling)
Der
nördliche Abschnitt zwischen Münchendorf und Hennersdorf ist 13,4 Kilometer
lang und wurde im November 2019 eingeweiht. Die Streckengeschwindigkeit beträgt
200 km/h. Die Strecke erschliesst auch das Güterterminal Wien-Süd.
nördlicher und im November 2019 in Betrieb genommener Abschnitt der Pottendorfer-Linie
Im Zuge des
Doppelspurausbaus wurde die Strecke begradigt. Grössere Abschnitte wurden
teilweise in Hochlage neu trassiert. Die drei in diesem Abschnitt gelegenen
Bahnhöfe Münchendorf, Achau und Hennersdorf wurden neu gebaut und mit
grosszügigen Park and Ride-Anlagen und mit Abstellplätzen für Fahrräder
ausgestattet.
Die
folgenden Bilder belegen den hochwertigen Ausbaustandard der neuen Bahnhöfe.
Zudem wurden alle Bahnübergänge durch Über- oder Unterführungen ersetzt.
Blick nach Norden von einem der beiden Bahnsteige im Bahnhof MünchendorfBlick vom Bahnsteig in Münchendorf in südlicher RichtungUnterführung im Bahnhof MünchendorfAussenansicht des Bahnhofs MünchendorfEindruck vom Bahnhof AchauOstseite des Bahnhof Achau mit Busstation und StrassenunterführungZugang aus Westen zu den beiden Unterführungen in AchauFussgängerunterführung im Bahnhof AchauTreppenaufgang zu einem der beiden Bahnsteige im Bahnhof AchauTreppe zum Bahnsteig vom Bahnhof Achaumit Natursteinplatten verkleiderter Liftschacht im Bahnhof von AchauEindruck vom Bahnsteig im Bahnhof von HennersdorfAussenansicht des Bahnhofs von HennersdorfAutoabstellplätze unter dem Bahnhof von HennersdorfFahrradabstellplätze unter dem Bahnhof von HennersdorfAussenansicht des Aufgangs zum Bahnhof von HennersdorfTreppe zumBahnsteig im Bahnhof HennersdorfBick von oben auf eine der beiden Treppen im Bahnhof HennersdorfEindruck von einem der beiden Bahnsteige des Bahnhofs HennersdorfBlick auf das Terminal Wien Süd (ganz rechts die Geleise der Pottendorfer-Linie
Noch
ausstehend ist der Ausbau eines kurzen Einspurabschnitts im Bereich des
Bahnhofs Wien Meidling auf Doppelspur.
Kommentar
Nachdem wir im November 2018 die Pottendorfer-Linie erstmals befahren und die Bauarbeiten im nördlichen Abschnitt besichtigt hatten, konnten wir die Eindrücke bei der Studienreise 2019 vertiefen. Die Eindrücke waren überwältigend.
Bahnhöfe sind eine wichtige Visitenkarte der Eisenbahn. Sie üben eine wichtige Brückenfunktion zwischen Fahrgast und Zug aus. In den Bahnhöfen spiegeln sich die Wertschätzung und der Respekt des Transportunternehmens für seine Fahrgäste. Die Aussage gilt auch in Gegenrichtung. Wer durch hochwertige und benutzerfreundliche Bahnhöfe einsteigt, wird sich als Fahrgast im Zug korrekter verhalten, als derjenige, der dies durch lieblose und heruntergekommene Bahnhöfe tut. Auch dürften hochwertige und hell beleuchtete Bahnhöfe das Risiko von Vandalenakten stark reduzieren.
Eindrücklich sind auch die Schallschutzmassnahmen bei der Pottendorfer-Linie, die Abstellplätze für Autos und Fahrräder sowie die Führung der Strassen im Bereich der Bahnhöfe.
Hinweis
Ein Teil der hier verwendeten Fotos wurden Prospekten von ÖBB Infra oder Wikipedia entnommen oder wurden uns freundlicherweise von Jan-Christian Benk zur Verfügung gestellt. Dafür bedanken wir uns bestens. ÖBB Infra wünschen wir eine reibungslose und termingerechte Fertigstellung des Abschnitts von Wampersdorf nach Münchendorf.
Am 30. November 2019 bot sich endlich wieder einmal Gelegenheit zu einer Bahnreise nach Varese. Im Bahnhof der RFI in Varese – daneben hat es einen zweiten Bahnhof der „alten“ Ferrovia Nord Milano – musste ich umsteigen und gelangte durch die renovierte Unterführung zum Aufnahmegebäude. Dabei fertigte ich die folgenden für sich selbst sprechenden Bilder an – wirklich keine Fotomontagen.
Blick zurück in die UnterführungBlick vorwärts in die Unterführung mit dem PersonenliftAufgang aus der Unterführung Blick hinunter in die UnterführungBlick auf den PerronSchalterhalle des Bahnhofs
Reiseerfahrungen
Am morgen früh standen im Zürcher Hauptbahnhof zwei Triebwagenzüge des Typs ETR 610 zur Abfahrt bereit. Man war froh, nicht allzu eng sitzen zu müssen. Doch weit gefehlt – die Kupplungen schlossen nicht, und der vordere Zugteil wurde weggestellt. Die zahlreichen Fahrgäste drängten sich in den verbliebenen Zug, und bereits bei der Abfahrt um 07.10 Uhr herrschte ein arges Gedränge. Die Sache hatte für ein paar Bekannte von mir aber auch eine gute Seite – sie konnten die Fahrt nach Lugano in der ersten Klasse mit einem Billett der zweiten Klasse geniessen.
Der Eindruck täuscht – die Verbindung funktionierte nicht.
In Mendrisio wechselte ich von der S-Bahn nach Chiasso in die S40 25415 nach Varese. Bis zur Grenze konnte ich die Mitreisenden im vierteiligen Flirt an einer Hand abzählen – ein bitteres Bild. Zu meiner Erleichterung stiegen in allen Bahnhöfen ab Cantello/Gaggiolo jeweils zahlreiche Fahrgäste ein, so dass der Zug Varese zu guter Letzt mit rund achtzig Personen erreichte.
Weshalb die Schweizer Behörden und die SBB es bis dato in Zusammenarbeit mit ihren italienischen Partnern nicht geschafft haben, schnelle Reisezüge von Lugano zum Flughafen von Malpensa mit einer attraktiven Fahrzeit von etwa mehr als einer Stunde zu betreiben, weiss ich nicht. Hier liegt ein grosses Potential brach, und niemand setzt sich für Verbesserungen ein.
Der Kanton Tessin könnte doch Trenord bitten, einige der für den viermal pro Stunde von Mailand zum Flughafen verkehrenden „Malpensa-Express“ eingesetzten Triebwagenzüge ETR 425 an die schweizerischen Verhältnisse anzupassen und stündlich von Bellinzona über Lugano und Varese nach Malpensa zu fahren.
Die grosse Ernüchterung nach der Ankunft in Zürich-Wollishofen
Auf der Rückkehr aus dem Süden stieg ich um 14.30 Uhr in Zürich-Wollishofen aus der S-Bahn aus und begab mich durch die kürzlich erneuerte Unterführung zur Bushaltestelle. Dabei wurde ich – noch voll positiver Eindrücke aus Varese – in mit folgenden Bildern konfrontiert. Kein Kommentar.
Abgang vom BahnsteigBlick zurück in die Unterführung
Die Schweiz verfügt zweifellos über ein hoch entwickeltes öffentliches Verkehrssystem, das vielen Ländern als Vorbild gilt. Zahlreiche Verbesserungen sind angedacht oder im Gang. Aber auch im Ausland gibt es grosse Fortschritte und wegweisende Innovationen. Das gilt im Besonderen für Österreich.
Deshalb führen wir auch in diesem Jahr wieder eine spannende und intensive Studienreise nach Österreich durch. Neben der Besichtigung von neuen Bahnhöfen besichtigen wir (a) das Multimodale Mobilitätskonzept der Stadt Linz, (b) besuchen wir die Eisenbahntechnische Abteilung der Technischen Universität Graz und (c) nehmen vor Ort einen Augenschein vom Ausbau und der Modernisierung der „Pottendorfer Linie“, der zweiten Verbindung zwischen Wiener Neustadt und Wien.
Höhepunkte
Nachstehend ein Überblick über die Höhepunkte der vom 20. bis zum 22. November 2019 stattfindenden Studienreise:
Besichtigung des Hauptbahnhofs von Salzburg
Präsentation des Multimodalen Mobilitätskonzepts der Stadt Linz durch Herrn Albert Waldhör, CEO von Linz Linien
Besuch des historischen Bahnhofgebäudes von Selzthal, einem früher noch bedeutenderen Bahnknoten
Besichtigen und teilweises Befahren des westlichen Teilstücks der Koralmbahn, der neuen Direktverbindung zwischen Klagenfurt und Graz
Führung durch die europaweit führende Eisenbahntechnische Abteilung der Technischen Universität Graz
Fahrt über die bereits 1853 eröffnete Gebirgsbahn über den Semmering
Befahren der sich im Umbau befindenden „Pottendorfer Linie“, Besichtigung des Bahnhofs von Achau und des dortigen Informationszentrums
Besichtigung des Bahnhofs von Wien Aspern
Fahrt mit der U-Bahn nach Wien und Rundgang im neuen Hauptbahnhof von Wien und dessen Umgebung
Universität Graz (Quelle: Website der TU Graz)
Reisedetails
Für weitere Angaben der Reise verweisen wir auf das unter dem folgenden Link verfügbare Detailprogramm:
Im Mittelpunkt der Herbsttagung vom 17. Oktober 2019 von Avenir Mobilité im Farelhaus in Biel stand die Frage nach den Visionen und der Realität von multimodalen Lösungen im Personenverkehr. Im Rahmen einer weiteren interessanten und aktuellen Veranstaltung von Avenir Mobilité widmeten sich Fachleute nach zwei Inputreferaten und in zwei getrennten Panels mit dieser Fragestellung. Es zeigte sich, dass nicht nur in Frankreich, sondern auch in Österreich multimodale Mobilitätslösungen in Städten Realität geworden sind. Die Herbsttagung erfolgte in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Strassen- und Verkehrswesen GSV.
Inputreferat I von Albert Waldhör, CEO von Linz Linien
Unter der Bezeichnung „tim“ (täglich.intelligent.mobil.) wird in Linz derzeit ein multimodales Mobilitätskonzept umgesetzt. Dabei erfolgt eine enge Kooperation mit Graz und Wien. Man strebt an, das vom Bundesministerium BMVIT nachhaltig unterstützte Konzept nach der Einführung österreichweit auch in Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg zu realisieren. Gestartet wurde in Linz mit fünf Knoten. Implementiert werden sollen bis 2021 14 weitere Knoten.
Kunden stehen an den Knoten in der Regel verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung, nämlich Tram, Bus, Velo, Sammeltaxis im Nachtbetrieb sowie Autos mit Elektroantrieb und Verbrennungsmotoren. Alle Verkehrsmittel sind einheitlich gekennzeichnet und können mit der Basiskarte des öffentlichen Verkehrs benutzt werden. Kunden werden in einem grosszügig gestalteten Informationszentrum beraten.
Knoten mit dem Standardangebot liegen idealerweise in Stadtteilen, in denen in einem Umkreis von 400 Metern 4‘000 Menschen wohnen oder sich 4‘000 Arbeitsplätze befinden. Die ersten Erfahrungen sind vielversprechend, obschon das Angebot zurzeit hauptsächlich vom Berufsverkehr genutzt wird. Für ausserhalb des Ballungsraums liegende Ortschaften werden angepasste Lösungen entwickelt. Das neue Konzept wird zurzeit subventioniert und soll 2021 die Gewinnschwelle erreichen.
Inputreferat II von Laurent Kocher, Executive Vice Président von Kéolis SA
Laurent Kocher stellt das voll integrierte und multimodale Verkehrskonzept der Stadt Lyon vor. Kéolis, zu 70 Prozent im Eigentum der SNCF, betreibt den öffentlichen Verkehr in Lyon seit 1985, aus dem das multimodale Mobilitätskonzept herausgewachsen ist. Der Kostendeckungsgrad ist zwischen 2005 und 2018 von 44,3 Prozent auf 63,7 Prozent gestiegen. Der Umsatz hat in dieser Periode von EUR 266 Mio. auf EUR 438 Mio. zugenommen. Kéolis wird von der Stadt Lyon erfolgsabhängig honoriert, wobei Kéolis im Gegenzug der Stadt einen Mindestumsatz garantiert.
Mit diesen Werten liegt Lyon weit über dem Durchschnitt von Städten in Frankreich und in der EU. In der Vergleichsperiode wurden die angebotenen Leistungskilometer um 14 Prozent erhöht. Zwischen 1995 und 2015 hat sich der Modalsplit zwischen dem motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr erheblich zugunsten des letzteren entwickelt. Bis 2030 soll der Anteil des MIV mit 35 Prozent gleich hoch sein wie derjenige der Fussgänger (!), 22 Prozent sollen von Metro, Tram und Bus erbracht und 8 Prozent mit Velos zurückgelegt werden.
Interessant ist die Entwicklung der öffentlichen Verkehrsmittel in der genannten Periode, nämlich Metro plus zehn Prozent, Tram plus 31 Prozent und Busse minus 7 Prozent.
Kunden können ihre Transportbedürfnisse verkehrsmittelübergreifend befriedigen. Bezahlt wird über eine einheitliche Karte oder über das Smartphone. Kéolis stellt ihren Kunden in Lyon an 25 Standorten kostenlos über 7‘500 bewachte Parkplätze mit direktem Anschluss an die öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung.
Dialoganlass «Multimodalität – Vision und Realität» Photo by Béatrice Devènes
Panel I
Dieses sowie das folgende Panel wurde von Prof. Dr. Mathias Finger von der EPFL wie gewohnt souverän moderiert.
Nicole Mathys, Sektionschefin im Bundesamt für Raumenwicklung, eröffnet das erste Panel mit einem Überblick über den Autoverkehr in der Schweiz. Fünf Prozent der Autohalter besitzen neben ihrem eigenen Wagen ein Generalabonnement, und 22 Prozent einen Wagen und ein Halbtaxabonnement. Neun Prozent der Autofahrten erfolgen über eine Strecke von weniger als einem Kilometer, 32 Prozent unter 3 Kilometer und 46 Prozent unter 5 Kilometer. Diese Zahlen belegen die Grenzen des Einsatzes von multimodalen Mobilitätsangeboten. Dem Bund stehen nur wenige Hebel für eine Beeinflussung des Verkehrsverhaltens zur Verfügung, am ehesten über den Sachplan Verkehr und Handlungsempfehlungen für Regionen.
Stefan Mayr, Geschäftsführer Arge ÖVV, Wien, erwähnt, dass in Österreich im Prinzip jedes Bundesland einen mit einem Bundesgesetz österreichweit geregelten Verkehrsverbund betreibt. Eine Ausnahme bildet der Verkehrsverbund von Wien mit der Einbindung der stadtnahen Regionen von Nieder- und Oberösterreich sowie des Burgenlandes. Man strebt eine Ausweitung der Verkehrsverbünde in noch stärker bedarfsorientierte Mobilitätsverbünde an. Zudem ist eine landesweite Informationsplattform im Entstehen.
Dino Graf, Leiter Group Communication bei Amag, führt aus, dass viele Schweizer je nach dem Zweck der Reise, unterschiedliche Verkehrsmittel benutzen. Zweifellos kann man die verschiedenen Angebote noch besser kombinieren, als dies heute der Fall ist.
Ueli Stückelberger, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr, betont, dass die Schweiz mit Mobility eine Pionierrolle für die verkehrsmittelübergreifende Mobilität eingenommen hatte. Das Interesse an multimodalen Mobilitätslösungen ist gross und es ist viel im Aufbruch. Im Übrigen verfügt die Schweiz über einen flächendeckenden und gut ausgebauten öffentlichen Verkehr.
Laurent Kocher argumentiert, dass multimodale Mobilitätslösungen vor allem in Ballungsräumen sinnvoll sind. in dünn besiedelten Regionen gibt es kaum öffentlichen Verkehr, da lässt sich auch nichts kombinieren.
Panel II
Martina Müggler, Mitglied der Geschäftsleitung von Postauto Schweiz AG, betont, dass Multimodalität bei Postauto schon seit einigen Jahren ein Thema ist. Mit Publibike und einer gemeinsamen App mit BVB und BLT hat Postauto national eine Pionierrolle ausgeübt. Die Weiterentwicklung der App wurde wegen der angekündigten Entwicklung einer entsprechenden App durch die SBB abgebrochen. Neben einer leistungsfähigen App brauche es aber auch Anreizsysteme und adäquate Angebote.
Gery Balmer, Sektionschef beim Bundesamt für Verkehr, bestätigt das grosse Potential von multimodalen Mobilitätslösungen. Der Bedarf ist ausgewiesen. Er plädiert für attraktive, einfache und effiziente Lösungen. Bestehende Angebote müssen noch besser vernetzt werden, auch sollen die Vertriebssysteme für Dritte geöffnet und der Zugang zu Daten erleichtert werden. Martina Müggler hat Bedenken, dass der Eintritt von Dritten bewährte Abläufe beeinträchtigen könnte, besonders wenn die Rückkoppelung zu den Transportunternehmen nicht funktioniert.
Gemäss Franz Schwammenhöfer, Leiter Gesamtverkehr beim österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, verlangen multimodale Mobilitätslösungen nach einer verstärkten Kooperation unter den Anbietern und können Synergien auslösen. Mobilität muss selbst in kleineren Städten als hochwertiger Gestaltungsraum genutzt werden, Innovationen fördern und bedarfsgerechtere Angebote hervorbringen.
Laura Schmid, VCS Bern, spricht sich für ein Masshalten beim Verkehr aus, vor allem beim privaten Autoverkehr. Sie befürchtet, dass die neuen Angebote zu Mehrverkehr führen. So hat Uber in zahlreichen Städten einen Anstieg der Autofahrten bewirkt. Für multimodale Mobilitätslösungen bedarf es eines klaren Auftrag des Staates. Google verfügt schon heute über eine leistungsfähige und stark genutzte Applikation für Routenwahl und Reiseplanung.
Eigentumsrechte und Nutzung der Daten stehen im Mittelpunkt der Plenumsdiskussion. Vor dem Hintergrund, dass Google bereits heute die meisten Daten schon besitzt, plädiert Gery Balmer für eine konsequente Öffnung der Datenbanken. Franz Schwammenhöfer argumentiert, dass die Daten primär dem Staat gehören. Gery Balmer entgegnet, dass Daten zur öffentlichen Infrastruktur gehören, und verspricht sich von multimodalen Mobilitätslösungen unter anderem eine höhere Auslastung der Transportmittel.
Der Stadtpräsident von Biel, Erich Fehr, überbrachte den Anwesenden zum Abschluss das Grusswort der Stadtregierung. Er führte aus, dass auch Biel die Wichtigkeit der multimodalen Mobilität erkannt habe und verschiedene Projekte in die Wege geleitet hat.
Anschlussbemerkungen des Verfassers
Nur wenig angesprochen wurde in der Diskussion die Thematik, was mit den Daten geschehen soll, insbesondere, wer welche Angebote und Services damit bereitstellen darf. Welche Risiken entstehen durch den Markteintritt von mächtigen Anbietern? Welche Freiräume bleiben dem Staat für eine proaktive Gestaltung der Verkehrspolitik? Darin liegen unseres Erachtens die zentralen Fragen der im Raum stehenden Problematik. Sollen Dienste wie booking.com in der Hotellerie, künftig auch im Verkehrswesen eine dominante Position einnehmen?
Ausserdem verfügt die Schweiz bereits heute – basierend auf den traditionellen öffentlichen Verkehrsmitteln und der Plattform des Direkten Verkehrs – über ein verkehrsmittelübergreifendes System. Mit der Einbindung von Mobility und Publibike einerseits und der von der SBB angekündigten Entwicklung einer IT-Plattform könnte unseres Erachtens rasch und mit verhältnismässig geringem Aufwand ein multimodales Mobilitätskonzept realisiert werden.
Eine Reise durch Spanien bot uns im Herbst 2019 Gelegenheit, als Beobachter oder Fahrgast einige Eindrücke vom spanischen Eisenbahnwesen zu gewinnen. Möglicherweise sind diese Eindrücke etwas oberflächlich, aber das Gesehene und Erlebte hat uns beeindruckt. Im Anschluss an die Reise haben wir Informationen eingeholt und unseren Wissensstand erhöht.
Im Folgenden möchten wir Ihnen unsere Beurteilung anhand von ein paar Bildern und Erläuterungen darlegen. Dem beispielhaften Busbahnhof von Sevilla haben wir auf unserer Website bereits einen eigenen Beitrag gewidmet.
Euskotren
Der erste Teil der Reise führte uns durch das Baskenland. Dabei sahen wir, dass Teile dieser Region von einer gut ausgebauten Schmalspurbahn erschlossen sind.
Leider bot sich keine Gelegenheit zu einer Fahrt mit Euskotren. Hingegen beobachteten wir unterwegs mehrere Züge und besichtigten zwei Bahnhöfe. Dabei konnten wir Fahrpläne und das Tarifsystem studieren.
Zug bei der Einfahrt in UsurbilZugkreuzung in GuernikaBahnhofgebäude von Usurbil bei NachtBahnhofgebäude von Guernika
Das Gesehene hat uns sehr beeindruckt – ein modernes und kundenfreundliches Eisenbahnsystem mit neuen Triebwagenzügen und gepflegten Bahnhöfen. Im Nahbereich von Donostia und Bilbao verkehren die Züge mindestens halbstündlich, während zwischen den beiden Städten jede Stunde direkte Züge mit einer Fahrzeit von etwas mehr als zweieinhalb Stunden unterwegs sind.
Fahrplan der Verbindung von Bilbao nach Donostia/San Sebatian
Leider wurden wir auf der Fahrt ins Landesinnere mit den Überresten einer eingestellten Zweiglinie Richtung Azpeita konfrontiert.
Als Wander- und Radweg genutztes Trasse bei ZestoaReste eines Fahrleitungsmastes bei ZestoaEhemaliger Bahnhof von Loyola – im Hintergrund ist eine Tunneleinfahrt zu erkennen
Beim Anflug
auf Bilbao sahen wir die Baustellen der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke,
welche Donostia und Bilbao mit Madrid und Frankreich verbinden wird, das
sogenannte „Basken-Y“. Dadurch erhalten diese Städte – unter Umständen mit Umsteigen
– eine schnelle und komfortable Verbindung und damit eine echte Alternative zum
heute dominierenden direkten Busverkehr.
Blick aus dem Auto auf eine Baustelle der Hochgeschwindigkeitsstrecke bei Bilbao
Erstaunlich
ist, dass die Verbindungen von Euskotren im elektronischen Fahrplan der SBB
nicht angezeigt werden. Dabei liesse sich Donostia über Paris und Hendaye von
Zürich aus in gut einem halben Tag erreichen.
Bahnhof Bilbao-Abando
Auf dem Gang durch Bilbao konnte ich einen kurzen Abstecher in den Fernbahnhof unternehmen. Der prächtige Bahnhof war trotz dem eher spärlichen Angebot an Zügen überraschend stark belebt und präsentierte sich makellos.
Blick in das obere Geschoss des Bahnhofs von Bilbao-AbandoZugang zum Regionalverkehr in Bahnhof von Bilbao-AbandoRegionalzüge im Bahnhof von Bilbao-Abando. Man beachte die Geleise.Fernzug nach Madrid bei der Abfahrt in Bilbao-Abando
Täglich verlassen knapp ein halbes Dutzend Fernzüge den Bahnhof von Bilbao-Abando, wobei die schnellste Verbindung nach Madrid fünf Stunden beansprucht. Nach der Inbetriebnahme der HG-Strecke wird sich die Reisezeit halbieren und bietet damit eine überzeugende Alternative zum Luftverkehr.
Daneben verkehren einige Regionalzüge. Nicht besichtigt werden konnte in Bilbao der ungleich stärker frequentierte Stadtbahnhof Bilbao-Matiko von Euskotren, an dem zwei S-Bahnlinien enden und der von der U-Bahn bedient wird.
Bahnhof Miranda de Ebro
Die nächste
Etappe führte uns mit der Bahn von Miranda de Ebro über Zaragoza und Madrid
nach Sevilla. In Miranda de Ebro konnten wir den repräsentativen Bahnhof
ausgiebig besichtigen. Der Verkehr ist mässig – zwischen Miranda de Ebro und
Zaragoza verkehren täglich in beiden Richtungen je zehn Züge.
Blick auf den Bahnhof von Miranda de EbroZugang zum Bahnhof von Miranda de EbroPerron in Miranda de EbroSchalterhalle in Miranda de EbroSchema der Verbindung von Miranda de Ebro nach Zaragoza. Daneben hat es drei weitere ebenfalls aus handgefertigten Keramikkacheln gefertigte, kunstvolle Netzpläne der übrigen Fernverkehrsverbindungen von Miranda de Ebro.
Unser IC nach Zaragoza verliess Miranda de Ebro mit einer Verspätung von fünf Minuten. Der fünfteilige Triebwagenzug war sehr komfortabel und sauber. Der kurvenreiche erste Teil der Strecke folgte weitgehend dem Ebro. Die Fahrt war trotz der Breitspur eher unruhig. Verhältnismässig viele durch den schlechten Zustand der Strecke bedingte Langsamfahrstrecken reduzierten die Geschwindigkeit gelegentlich auf 30 km/h.
Blick ins Wageninnere der 1. KlasseBlick ins Wageninnere der 2. KlasseÜbergang zwischen den Wagen
Im
Bereich der Stadt Logrono wurde der Fernverkehr unter den Boden verlegt. Der
vierspurige unterirdische Bahnhof war beeindruckend.
Ab Logrono
bis nach Zaragoza fuhr der Zug meistens mit der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der Zustand der Geleise war bedeutend
besser als weiter nördlich. Kurz vor Zaragoza verlangsamte der Zug seine Fahrt und
fuhr durch ein Gebäude. Hier wurden gemäss unserer Beobachtung während der
Fahrt Spurweite, Stromsystem und Zugsicherungssystem angepasst.
Unser Zug nach der Ankunft in Zaragoza-Delicias
Bahnhof Zaragoza-Delicias
Beim Aussteigen in Zaragoza-Delicias verschlug es uns buchstäblich die Sprache. Wir waren enorm beeindruckt. Sauberkeit, Architektur, direkter Zugang zum Busbahnhof, Kundenzonen, Umgebung – alles, wirklich alles vom Feinsten. Und das für verhältnismässig wenige Züge.
Erster Eindruck beim AussteigenBlick in die BahnhofhalleEinfahrender ICE von RENFE nach MadridDieseltriebzug bereit zur AbfahrtAbgang zum BusbahnhofBlick in den BusbahnhofWartezone im BahnhofAussenansicht des BahnhofsFussgängerübergang beim Bahnhof Zaragoza-Delicias
In Zaragoza
wechselten wir nach längerem Aufenthalt in einen von Marseille herkommenden
TGV. Die Fahrgäste gelangten durch eine rasch erfolgende Sicherheitskontrolle
zum Zug. Bei der Kontrolle unseres Reisegepäcks stellte der Sicherheitsbeamte
das Sackmesser in meiner Reisetasche fest. Es landete trotz meinem Bitten in
einem Abfalleimer. Der TGV verliess Zaragoza mit sechs Minuten Verspätung und
traf pünktlich um 15.45 Uhr in Madrid Puerta de Atocha ein. Die höchst
beeindruckende Fahrt mit 300 km/h führte durch eine teilweise kaum besiedelte und
gebirgige Gegend. Kunstbaute reihte sich an Kunstbaute.
Unser TGV von RENFE nach der Ankunft in Madrid Puerta de Atocha
Madrid Puerta de Atocha
In Madrid de
Atocha mussten wir vom Ankunftsbereich in den Abfahrtsbereich wechseln. Die
Entfernung zwischen den beiden Bahnhofteilen beträgt mehrere hundert Meter. Den
Fahrgästen stehen jedoch Rollbänder zur Verfügung. Das gigantische Gebäude
beeindruckt durch seine architektonische Gestaltung und die Reinlichkeit.
Blick in die BahnhofhallePassage zum AbfahrtsbahnhofKunstvoll gestaltete Tragkonstruktion
Im Abfahrtsbereich warteten unzählige Fahrgäste auf ihre Züge. Wir gelangten auf einem Rollband zu unserem Zug – einem spanischen Talgo Hochgeschwindigkeitszug. Im Abfahrtsbahnhof sah ich neben weiteren Talgo-Zügen mehrere TGV und ICE. Eher ungläubig stellte ich fest, dass die Zwischenwagen unseres Talgo statt einem Drehgestell Einzelachsen hatten.
Eine Mitarbeiterin von Renfe wies uns zu unserem Wagen. Als wir das luxuriöse Interieur sahen, stiegen wir wieder aus und erkundigten uns nochmals, ob wir wirklich in den richtigen Wagen eingestiegen waren – dies war der Fall. Enorm komfortable Sitze mit Klapptischen aus Edelholz, schwere Teppiche und gedämpfte Musik!
Blick in den Innenraum eines Wagens der 1. KlasseBlick auf den Sitzplatz mit aufgeklapptem Tisch
Schon kurz
nach der Abfahrt erreichte der Zug die Reisegeschwindigkeit von 300 km/h. Eine
Mitarbeiterin offerierte den Fahrgästen kostenlose Zeitschriften und etwas
später einen Apéro. Nach etwa der Hälfte der ausgesprochen ruhigen Fahrt wurde
den Fahrgästen ein im Preis enthaltener Lunch serviert, abgeschlossen mit
Kaffee und Digestif. Wir kennen in Europa keine auch nur annähernd so gediegene
erste Klasse.
ZeitungsständerLunchpaket mit exzellentem Rotwein
Die Fahrt bot Gelegenheit, den ganzen Zug zu besichtigen. Dazu ein paar Bilder.
Innenraum eines Wagens der 2. Klasse, mit GepäckablageWagenübergangToiletteLavabo in der Toilette
Unser Zug traf nach zwei Stunden und zwanzig Minuten pünktlich in Sevilla Santa Justa ein. Für die rund 850 Kilometer lange Fahrt von Zaragoza nach Sevilla benötigten die Züge 3 Stunden und 41 Minuten – was einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 231 km/h entspricht.
Auch in Sevilla Santa Justa präsentierte sich uns ein grossartiger und kundenfreundlicher Bahnhof. Die Fahrgäste gelangen mit Rollbändern und Rolltreppen auf das über den Geleisen liegende und klimatisierte Bahnhofgebäude. Kurze Wege führen zu den Taxistandplätzen oder zur Bushaltestelle.
Blick auf den Bereich mit den FernzügenBlick zurück auf unseren ZugZur Abfahrt bereit stehender RegionalzugAufgang zum EmpfangsgebäudeBlick auf die RampeEindruck aus der klimatisierten EmpfangshalleBlick in die EmpfangshalleVorplatz mit Vorfahrt für TaxiBlick auf das BahnhofgebäudeBlick auf die Ausfahrtsgeleise nach Südwesten. Man beachte die beiden Spurweiten.
Stadtverkehr Sevilla
Der dichte öffentliche Stadtverkehr in Sevilla erfolgt selbst in den engen Gassen der Altstadt mit Autobussen. Daneben gibt es eine Metro, einen eher dünnen Regionalverkehr per Eisenbahn und im Stadtzentrum eine etwa drei Kilometer lange, breitspurige Tramlinie. Die Trams verkehren im historischen Zentrum ohne Oberleitung. Sie können ihre Batterien bei den Haltestellen über eine kurze Stromschiene aufladen und fahren nur ausserhalb dem Zentrum unter Fahrdraht. Die sich wie neu präsentierenden Niederflurfahrzeuge sind komfortabel und klimatisiert. Die Billettautomaten sind sehr einfach zu bedienen.
Tram ohne FahrleitungHaltestelle mit AufladebereichTram beim Aufladen der Batterien während dem kurzen AnhaltenTram im Aussenbereich unter der Fahrleitung
Würdigung
„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ – das gilt sicher auch für das spanische Bahnsystem. Die zugegebenermassen wenigen Kontakte haben uns tief beeindruckt.
Nicht nachvollziehen können wir die negative Beurteilung des spanischen Schnellfahrnetzes in der nach unserer Reise geführten Korrespondenz mit Bahnfreunden. Spanien wird in wenigen Jahren über ein Hochgeschwindigkeitsnetz von über 3‘500 Kilometern Länge mit teilweise fantastischen neuen Bahnhöfen verfügen. Nota bene wurden die neuen Normalspurstrecken weitgehend losgelöst vom bestehenden Breitspurnetz gebaut. Übernommen wurden auf diesen Strecken auch das europäische Strom- und Sicherungssystem, was den Einsatz von TGV und ICE ohne grössere Einschränkungen ermöglicht.
Die verfügbaren Informationen lassen vermuten, dass ohne die neuen und leistungsfähigen HG-Strecken der Personenfernverkehr auf der Schiene in Spanien bedeutungslos geworden wäre. Im Gegenzug wären der innerspanische Flug- und Busverkehr weiter gewachsen.
Auszug aus einer älteren Ausgabe von „Railmap Europ“ von Kümmerly+Frei. Seit der Drucklegung dieser Karte sind weitere HG-Linien in Betrieb oder in Bau, so im Norden und im Westen von Madrid. Obschon Portugal den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Madrid eingestellt hat, befinden sich Teile der HG-Strecke von Madrid nach Badajoz im Bau.
Bei einem Aufenthalt in Sevilla bemerkten wir die direkt vor unserem Hotel liegende zentrale Busstation. Wir liessen es uns nicht nehmen, die sich am Rand des historischen Stadtzentrums befindende Busstation kurz zu besichtigen und ein paar Bilder anzufertigen, die wir hier gerne veröffentlichen. Am Ende der Reportage fügen wir ein paar Aufnahmen von Zaragoza, Wien und Zürich sowie einen kurzen Kommentar an.
Die Busstation wird von mehreren Fernbusunternehmen sowie von Regionalbussen der städtischen Verkehrsbetriebe von Sevilla bedient. Der Verkehr ist sehr rege.
Aussenansicht der an einer städtischen Hauptverkehrsstrasse gelegenen Busstation.Haupteingang zur Busstation. Links befindet sich der Eingang zum Parkhaus.Eingang zur Busstation.Bequeme Sitzgelegenheiten in der klimatisierten und grosszügigen Eingangs-, Warte- und Schalterhalle. Links hinten befindet sich der Kiosk mit einem breiten Sortiment an Verpflegung, Zeitungen und Reiseutensilien.Informationspavillon, im Hintergrund die Schalter der einzelnen Busunternehmen.Abgang zu den vierzig Stellplätzen für die Busse, links eine in die Mitte der Halle führende relativ flache Rampe und rechts die nach unten führende Rolltreppe. Nicht sichtbar ist die nach oben führende Rolltreppe auf der linken Seite der Rampe.Blick in die gut entlüftete Abfahrtshalle der Busse. Auch hier hat es Sitzmöglichkeiten für wartende Fahrgäste sowie Verpflegungsautomaten und einen weiteren Kiosk.Blick auf abfahrbereite Busse.In der Busstation befinden sich auch zahlreiche Abstellplätze für Fahrräder.Im grosszügigen Bahnhof von Zaragoza befindet sich eine Busstation mit unmittelbarem Zugang zu den Fernverkehrs- und Nahverkehrszügen.Rolltreppe von der grosszügigen Passerelle über den Geleisen des Bahnhofs zum Eingang zur Busstation von Zaragoza. Unmittelbar links befindet sich ein Perron zu den Nahverkehrszügen. Diese Zone kann auch mit einem Lift und über mehreren Treppen erreicht werden.Blick aus der Busstation zum Durchgang.Blick auf die zum Zeitpunkt der Aufnahme verwaisten Stellplätze der Fernbusse.Unmittelbar unter dem neuen Fernbahnhof von Wien gelegene Stellplätze für Fernbusse.Blick auf die als Carparkplatz bezeichnete Busstation von Zürich.Wartebereich für Fahrgäste in der Busstation von Zürich.
Kommentar
Die Bilder sprechen für sich – ganz offensichtlich werden im Ausland auch Buspassagiere als gleichwertige Benutzer des öffentlichen Verkehrs respektiert. Zahlreiche Ziele der von Zürich aus verkehrenden Fernbusse können per Bahn gar nicht erreicht werden – teilweise jedoch mit dem Flugzeug. Wie sich die Selbsteinschätzung des öffentlichen Verkehrs in Zürich mit den deprimierenden Zuständen beim Carparkplatz vereinbaren lässt, bleibt das Geheimnis der zuständigen Behörden von Stadt und Kanton. Unverständlich ist auch die Passivität von Parteien und Konsumentenschutzorganisationen.
„20-Minuten“ berichtet in ihrer Ausgabe vom 22. August 2019, dass der Anteil der Eisenbahn am Personenverkehr in der Schweiz von 2010 bis 2017 von 22,3 Prozent auf 19,2 Prozent gefallen ist. Ein Rückgang von 3,1 Prozentpunkten oder 14 Prozent innert sieben Jahren – eine bittere Botschaft für die Umwelt und für die Freunde des öffentlichen Verkehrs.
Andreas Keller, Sprecher des Verbandes öffentlicher Verkehr, hofft, dass mit dem beschlossenen Ausbau der Infrastruktur für CHF 13 Milliarden und dem Einsatz von neuen Technologien eine Trendwende möglich ist. Rolf Steinegger, Verkehrsexperte, führt im Interview aus, dass ohne Road Pricing das Auto als Verkehrsmittel attraktiv bleiben wird.
Würdigung
Mit dem mit CHF 13 Milliarden dotierten Ausbauschritt 2030/2035 werden vor allem seit langem bekannte Schwachstellen beseitigt. Die wesentlichen Massnahmen konzentrieren sich schwergewichtig auf den Grossraum Zürich. Die übrige Schweiz profitiert wenig. Wichtige Vorhaben wie der Ausbau des Knotens Luzern, umweltgerechte Zufahrten zu den Tunnels der NEAT, der dritte Juradurchstich oder Neubaustrecken von Lausanne nach Genf, von Roggwil nach Zürich-Altstetten oder von St. Gallen nach Winterthur bleiben auf der Strecke.
Dazu kommt, dass gemäss den Ausführungen von Peter Füglistaler, Chef des Bundesamts für Verkehr, stark limitierende Engpässe für Mehrverkehr nicht nur auf den Strecken, sondern auch bei grossen Bahnhöfen bestehen.
Verbesserungen bei der Infrastruktur werden es allein nicht richten – es braucht viel mehr. Natürlich ist die Eisenbahn ein Massenverkehrsmittel. man muss dies den Kunden aber nicht bei jeder Gelegenheit vor Augen führen. Die Autos werden immer geräumiger, und die Platzverhältnisse in den Eisenbahnwagen im beengender. Die Belegung der Züge konzentriert sich in der Schweiz immer mehr auf die Spitzenzeiten. Das ist ein Indiz dafür, dass man die Bahn zunehmend nur noch mangels Alternativen benutzt – und damit für die abnehmende Attraktivität der Eisenbahn in der Schweiz.
Zudem sind die Eisenbahn und die Bahnhöfe ein Kulturgut, das zu erhalten und zu pflegen. Das ist dem Ansehen der Eisenbahn zuträglich. Anzunehmen ist, dass die Umkehrung dieser Aussage gilt. Dieses Bewusstsein ist bei den SBB im Gegensatz zu den sogenannten Privatbahnen in der Schweiz sowie in Österreich und in Italien unzureichend ausgebildet.
Bild von einem Abgang der Bahnhofunterführung in Sargans, einem bedeutenden Bahnknotenpunkt in der Schweiz. Bei den Objekten vor der Treppe handelt es sich um Kot.für sich selbst sprechendes Bild einer weiteren Unterführung in Sargans.Bushaltstelle im kürzlich erneuerten Bahnhof Zürich-Wollishofen – links die Haltekante zum stark frequentierten Bus nach Zürich-Leimbach (Ich bitte um Nachsicht für die schlechte Aufnahme).Bild bei Tag – man beachte den schmalen Durchgang zur oben gezeigten Haltestelle der Buslinie 70.Detail von der kürzlich erstellen Unterführung in Wallisellen – die Ecke ist wohl Ersatz für die nicht vorhandene WC-Anlage. Auch eine Warteraum ist nicht vorhanden.weiteres Bild aus der neu erstellten Unterführung in Zürich-Wollishofen.Detail aus der Unterführung des mit dem Flux-Preis ausgezeichneten Bahnhofs Wallisellen.ein weiteres Bild aus der Unterführung von Wallisellen.Bild aus dem Bahnhof Zürich-Enge. Die notfallmässig gestützte Strassenbrücke weist schon seit vielen Jahren erhebliche Mängel auf. Nun musste die Brücke mit zusätzlichen Massnahmen gestützt und für den Bus- und Lastwagenverkehr gesperrt werden. Die Busse werden über eine schmale Quartierstrasse umgeleitet. Die Fahrzeuge der drei darüber führenden Tramlinien können, da sie ihre Last angeblich über eine längere Strecke verteilen können, weiter verkehren. Wer hat hier versagt?Aufhängung der kürzlich auf Stromschiene umgerüsteten Fahrleitung. Das Bahnhofsgebäude von Zürich-Enge gehört zu den bemerkenswerten neueren Bauten der Stadt Zürich. Das Gebäude wurde weitgehend mit Naturbausteinen errichtet. Die gewählte Konstruktion für die Fahrleitung ist barbarisch. Was ist wohl die Meinung der Zürcher Denkmalpflege?Dazu ein Bild, wie man in Österreich Stromschienen aufhängt.gemäss diesem Bild wäre auch in Zürich-Enge eine bessere Lösung möglich gewesen.
Als Aussenstehender gewinnt man den Eindruck, dass das betriebswirtschaftliche und bonusorientierte Handeln bei den SBB überhand genommen hat. Das ist eine fatale Entwicklung. Nicht, dass man Staatsunternehmen nicht wirtschaftlich und effizient führen soll. Aber die SBB haben eine eminente gesamtwirtschaftliche Bedeutung, und da muss sich das Unternehmen nach volkswirtschaftlichen Kriterien messen und beurteilen lassen – eben beispielsweise dem Marktanteil.
Ein grosser Detailhandelskonzern der Schweiz wirbt für sein Angebot mit dem Leitspruch „Qualité & Prix“. Das mögen sich die Zuständigen von Meridian, einem in Deutschland tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen der französischen Transdev-Gruppe, auch gedacht haben. Transdev setzt beim elektrisch betriebenen Personenverkehr hauptsächlich auf FLIRT-Triebwagenzüge der Firma Stadler. Auf der bereits erwähnten Medienreise der Bahnjournalisten Schweiz „Im Osten der Schweiz viel Neues“ fuhren wir mit einem Meridian-Zug von München nach Kufstein. Die Fahrt war abgesehen von den etwas engen Abteilen in der 1. Klasse pünktlich und angenehm.
Auf der Plattform lagen Prospekte für Kunden auf, mit denen über die Tarife und die Entschädigungsregelung bei Verspätungen informiert wurden. Mehr darüber in diesem Beitrag.
FLIRT-Triebwagenzug im Bahnhof München-Ost (Foto von Paul Smith in Wikipedia)
Abgesehen vom Einsatz von FLIRT-Zügen von Stadler fällt die grosszügige und weit über den gesetzlichen Normen liegende Entschädigungsregelung bei Verspätungen auf – ein Vorbild für die kleinräumige Schweiz?
Auszug aus einem Prospekt von Meridian
Bemerkenswert sind auch die ausserordentlich günstigen Ausflugs- und Freizeit-Tickets. Diese sind im gewählten Bereich an Werktagen ab 09.00 Uhr und an Wochenenden und Feiertagen uneingeschränkt gültig.
Speziell ist auch die Kooperation mit der WESTbahn. So kann eine Gruppe von fünf Erwachsenen und drei Kindern in der ersten Klasse für EUR 143.- ab München einen Tagesausflug nach Wien unternehmen – die Fahrt mit Meridian und WESTbahn dauert nicht viel länger als mit den direkt verkehrenden und teureren Fernverkehrszügen von DB und ÖBB.