Wien-Aspern – ein Meisterwerk

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Aspern bei Wien ist den meisten wohl nur als Ort der ersten bedeutenden militärischen Niederlage von Napoleon I geläufig. 1809 massen sich in Aspern ein österreichisches und ein französischen Heer, beide mit einer Truppenstärke von gegen 100‘000 Soldaten.

Selbst in der Ausgabe 2010 des Eisenbahnatlas „Österreich“ von Schweers+Wall sucht man vergeblich nach dem Namen von Aspern.

Aber wie haben sich die Zeiten geändert! In den letzten zehn Jahren ist in Aspern im Zusammenhang mit dem Ausbau der „Marchegger-Linie“ – eine der beiden Eisenbahnstrecken zwischen Wien und Bratislava – sowie der Expansion von Wien in südöstlicher Richtung ein Verkehrsknotenpunkt entstanden, der seinesgleichen sucht.

Wir haben Wien-Aspern bereits während der Bauphase mehrmals besichtigt und möchten in diesem Beitrag den fertiggestellten Verkehrsknotenpunkt präsentieren.

Angebote in Wien-Aspern

Wien-Aspern Nord wird von der Eisenbahn, der U-Bahnlinie 2, vier Buslinien und einem Rufbus erschlossen.

Netzplan Schnellverkehr Wien und Umgebung

Wien-Aspern ist Endbahnhof der alle 30 Minuten verkehrenden S-Bahn 80 nach Hütteldorf. Zudem halten in Wien-Aspern im Stundentakt die Regionalexpresszüge zwischen Wien HB und Bratislava und die S-Bahn 81 zwischen Wien HB und Marchegg an. Die letztgenannten beiden Züge werden mit Dieseltraktion betrieben.

Die U-Bahnlinie U2 fährt in einem dichteren Fahrplan von Seestadt über Wien-Aspern zum Karlsplatz. Zwischen Seestadt und Wien-Krieau ist die Strecke aufgeständert und ermöglicht einen guten Überblick über die neuen Stadtteile. In Wien-Stadlau – auch dieser Kontenpunkt verdient einen Besuch – besteht ein weiterer Übergang zwischen den Zügen auf der Marchegger-Linie und der U-Bahn.

Marchegger-Linie

Zurzeit wird die „Marchegger-Linie“ umfassend modernisiert. Die Arbeiten umfassen die Elektrifizierung, den weitgehenden Ausbau auf Doppelspur und die grosszügige Erneuerung aller Bahnhöfe. Die entsprechenden Arbeiten sind auf dem Gebiet der Stadt Wien bis nach Wien-Aspern abgeschlossen. Die gesamte Trasse wird für einen späteren Vollausbau auf Doppelspur vorbereitet.

Nach der Aufnahme des elektrischen Betriebs zwischen Wien-Aspern und Marchegg – voraussichtlich ab 2023 – reduziert sich die Fahrzeit der Regionalexpresszüge zwischen Wien und Bratislava gemäss den Angaben der ÖBB von heute 67 Minuten auf 40 Minuten.

Auf rund 33 Kilometern verläuft die Marchegger-Linie absolut gerade und ist damit derzeit die längste geradeaus führende Eisenbahnstrecke in Österreich.

Rundgang durch den Knotenpunkt

Der neue Verkehrsknotenpunkt Wien Aspern Nord beeindruckt durch seine Grosszügigkeit sowie durch die architektonische Gestaltung, die Infrastruktur, die Benutzerführung, die SIgnaletik und die Publikumsanlagen. Bemerkenswert ist auch der künstlerische Schmuck am Gebäude.

Mit den folgenden kommentierten Bilder laden wir zu einem Rundgang durch Wien-Aspern ein.

Ansicht von Süden.
Seitenansicht.
Ansicht von Norden.
Blick auf die grosszügige Fussgänger- und Radfahrerüberführung.
Blick von der Überführung auf das Glasdach mit den bunten Streifen.
Blick auf den Zugang von der Überführung zum Seiteneingang. Man beachte die Ausführungsdetails und die verwendeten Materialien.
Treppenabgang von der Überführung – ergänzend zur hier nicht sichtbaren Rampe.
Blick auf den Bahnhof. Leider wird die weiter hinten liegende Abstellanlage für Fahrräder wenig genutzt.
Blick auf den Bahnhof mit der abfahrbereiten S-Bahn 80 nach Hütteldorf.
Wartehalle auf dem Bahnsteig.
Detail vom Bahnsteig mit einer Vorrichtung für das Befestigen von Kinderwagen oder Rollstühlen. Man beachte die sorgfältige Ausführung des Geländers.
Treppenaufgang in die Halle.
Deckenkonstruktion über dem Aufgang in die Halle.
Zugang in die Halle über der U-Bahn.
Lifte aus der Halle in die U-Bahnstation.
Lifte von der oberen in die untere Halle.
Ausführungsdetail zum Personenschutz in der oberen Halle.
Detail beim Abgang von der oberen in die untere Halle.
Aufgang von der unteren in die obere Halle.
Treppe von der unteren in die obere Halle (ergänzend zur Rolltreppe und zu den beiden Liften).
Kostenlos zu benutzende Toiletten in der unteren Halle.
Doppellifte aus der U-Bahn Station in die obere Halle.
Einer der beiden Blöcke mit Informationen für die Fahrgäste.
Aufgang in die obere Halle. Man fragt sich nach dem Nutzen der grosszügigen Überdachung.
Eines der beiden Kunstwerke auf den Frontseiten der U-Bahnstation. Dieses Bild zeigt den Verlauf der Schlacht bei Aspern.
Informationstafel zum Wandbild.
Kunstwerk auf der östlichen Frontseite der U-Bahn Station. Dieses Glasgemälde zeigt die Erschliessung der Stadt Wien mit den neuzeitlichen Verkehrsmitteln.
Blick bei Sonnenuntergang aus der unteren Halle auf den Stadtteil Seestadt. Die markanten Häuser wurden erst nach der Weiterführung der U2 nach Seestadt errichtet. Vorbildlich und visionär.
Sitzbank beim Ausgang. Lädt zum Verweilen und und zum Geniessen der wunderschönen Abendstimmung ein.
Blick auf das fertiggestellte und bereits befahrene Teilstück der Marcheggerbahn in Richtung Wien HB. Auf der linken Seite ist das in einen Trog gelegte Trasse der U-Bahn erkennbar. In den Seitenwänden ist schalldämmendes Material eingebaut, welches den Lärm der Fahrzeuge zu einem guten Teil absorbiert.
Blick auf die Marcheggerbahn Richtung Osten. Die Doppelspur geht in etwa zwei Kilometern Entfernung vorläufig in eine Einspurstrecke über.

Kommentar

Die Bilder sprechen für sich. Man verlässt Wien-Aspern tief beeindruckt und voller Bewunderung. Auf der anderen Seite empfindet man fast ein wenig Neid.

Und man stellt unwillkürlich Vergleiche mit ähnlichen Verkehrsknotenpunkten in Mitteleuropa an. So etwa mit Zürich-Stettbach oder mit dem mit einem „Brunel Award“ ausgezeichneten Bahnhof Bern-Wankdorf. Ob die zuständige Jury Wien- Aspern oder die Bahnhöfe an der Pottendorfer-Linie kennt? Ich empfehle, vor der inskünftigen Vergabe von Preisen einen Abstecher in den Grossraum Wien zu unternehmen.

6 Gedanken zu „Wien-Aspern – ein Meisterwerk

    • Sehr geehrter Herr Professor

      Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Website und für Ihren Kommentar. Dankeschön auch für Ihren Link zum Büro Zechner.

      In der Tat erkennt man bei beiden Bahnhöfen einige wesentliche Ähnlichkeiten – ich denke etwa an die geschwungenen Bahnsteigdächer oder an die „Kunst am Bau“. In Graz haben mich ausserdem die Führung der Strassenbahn im Bereich des Hauptbahnhofs mit der grosszügigen Haltestelle und die Gestaltung des Vorplatzes beeindruckt.

      Bemerkenswert sind auch die neuen Bahnhöfe an der „Pottendorfer-Linie“ – wir haben darüber berichtet – eingeschlossen der Bahnhof von Wiener Neustadt. „Klein aber fein“ fand ich auch den
      Bahnhof von Baden bei Wien mit der gelungenen Kombination von Alt und Neu.

      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude an unserer Website.

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

    • Lieber Jürg

      Vielen Dank für Dein Interesse an unserer Website und für Deinen Kommentar. Gerne halte ich dazu folgendes fest.

      1. Wien-Aspern weist heute sechs Zughalte pro Stunde auf. Da findet man am Nachmittag immer ein paar Lücken zum Fotografieren. In den Hauptverkehrszeiten sind die Frequenzen höher.

      2. Als ich vor sieben Jahren das erste Mal auf dem Gelände bei Aspern stand, sah man Richtung Seestadt kein einziges Haus. Der Ast der U-Bahn führte ins öde Niemandsland. Heute ist dort – aus der Ferne gesehen – eine grössere Satellitenstadt entstanden. Ganz offensichtlich sind in Wien weitsichtige Planer am Werk, welche vor dem Bau der Siedlungen leistungsfähige Infrastrukturen bereitstellen. Welch ein Gegensatz zu Zürich! Da werden in „Green City“ Hunderte von Wohnungen für Familien gebaut – ohne Schulhäuser oder eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Das gleiche Bild sieht man im Gebiet der einstigen „Grütfarm“ – eigentlich ein Skandal.

      3. Wien-Aspern eignet sich primär für Fahrgäste, welche von Seestadt zum neuen Hauptbahnhof von Wien fahren möchten – oder umgekehrt. Wer von der Marchegger-Bahn ins Stadtzentrum von Wien fahren möchte, steigt ungleich besser in Wien-Stadlau um. Hier besteht neben Wien-Aspern ein weiterer Knotenpunkt U-Bahn/S-Bahn. Die Umsteigeverbindung von der über den Bahnhof führenden U-Bahn zur S-Bahn sind sensationell.

      4. Ich empfehle Dir einen Besuch vor Ort. Möglicherweise würden sich Vorurteile rasch verflüchtigen.

      Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude an unserer Website.

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

  1. Sehr geehrte Damen von fokus-oev-schweiz,
    Hallo Herr Rota,
    es freut mich selbstverständlich, dass Ihnen die Bahnausbauten im Wiener Raum so gut gefallen. Es sollte dabei aber nicht auf den Westen Österreichs vergessen werden (Stichwort Bahnquerung „Kleines Deutsches Eck“ und die vorgeschlagene „Falknisspange“ seitens „Forester“ aus dem EBFÖ-prof. bzw. unseres gemeinsamen Bekannten aus Sargans).
    Alles ergäbe aus unserer Sicht eine sinnvolle Fernverkehrsstrecke Wien-Hbf – Zürich-HB auf der Arlbergroute und als Mitbewerb zur DB, im speziellen aber zum LKW-Transit, Auto- und (Binnen)-Flugverkehr zwecks Eindämmens von CO2 gegen die stetige Erderwärmung!
    Zum Teil wird im Osten Österreichs auch viel Geld verpulvert – Ihr Forum erwähnt selbst die großzügige Dachkonstruktion der Hst. Wien-Aspern – und wo schon wird gleich eine „U-Bahn“ noch vor Errichtung der Seestadt-Wohnhäuser gebaut?
    Auch die neue Koralmbahn wird bereits jetzt 2-gleisig elektrifiziert, obwohl Teilabschnitte erst 2023 in Betrieb genommen werden und der Vollbetrieb dann nochmals 2 Jahre bis zur endgültigen Inbetriebnahme benötigt.

    Beste Grüße,
    Ihr Stefan DÜRR aus A-4300 St. Valentin a/d Westbahn

    • Sehr geehrter Herr Dürr

      Vielen Dank für das Interesse an unserer Website und für Ihren Kommentar. Vorab hoffe ich sehr, dass Sie wolhauf sind, und erinnere mich gerne an unsere Kontakte wegen einer innerösterreichischen Umfahrung des „Deutschen Eck“. Darf ich zu Ihren Ausführungen Folgendes festhalten?

      1. Nicht nur im Osten von Österreich wird viel investiert. Man denke etwa an die Koralmbahn, die Weiterführung der Tieflegung der Inntalbahn, den Brenner Basis-Tunnel oder – ganz erfreulich – die NBS zwischen Salzburg und Steindorf bei Sasswalchen.

      2. Ganz offensichtlich bewegt sich auch in Bayern mit der ABS zwischen München, Mühldorf und Freilassing einiges. Allerdings wie leider üblich in Deutschland „mit Gottes langem Atem“.

      3. In einigen Jahren werden aus dem Raum München zwei leistungsfähige Strecken nach Salzburg führen. Da halte ich eine zusätzliche und direkte Strecke von Kufstein nach Salzburg für immer weniger gerechtfertigt. Dafür wäre der Korridor zwischen Rosenheim und Freilassing punktuell auszubauen.

      Ich wünsche Ihnen alles Gute weiterhin viel Freude an unserer Website.

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

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