Liebe SBB – ein Tick mehr für Kinder!

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Vor vielen Jahren lasen wir in einem deutschen Eisenbahnmuseum diesen Spruch:

„Früh geübt. Alt getan – Dein Fahrzeug sei die Eisenbahn!“

Tiefgründig! Unseres Erachtens haben die Bahnen bis vor wenigen Jahren abgesehen von wenigen löblichen Ausnahmen wenig für die Steigerung ihrer Attraktivität bei Kindern und Jugendlichen getan. Gute Ansätze, wie etwa der „Junior-Club“ der SBB, wurden eingestellt.

Erfreulicherweise hat sich vielerorts eine Trendwende eingestellt. So bei einigen Schweizer Privatbahnen und auch bei ausländischen Staatsbahnen ennet der Grenze. Zeit also, dass die SBB ihre Aktivitäten für die jüngsten Fahrgäste wieder aufleben lassen.

Mehr dazu und ein paar zufällig ausgewählte Beispiele in diesem Bericht.

Ausgangslage

Einige der zentralen Herausforderungen des öffentlichen Verkehrs im Allgemeinen und der Eisenbahn im Speziellen bestehen ausserhalb der betrieblichen Aspekte wie Fahrzeuge, Infrastruktur, Service oder Fahrplan. Um das Image nachhaltig zu erhalten und zu fördern, erachten wir a) die Hebung der gesellschaftlichen Positionierung des öffentlichen Verkehrs, b) die Wiedergewinnung der Jugend und c) die Ausstrahlung von Modernität – alle drei wichtige und lange vernachlässigte Aspekte.

Ganz wichtig ist die Wiedergewinnung der Jugend. Das ist leichter gesagt als getan. In den Spielwarengeschäften wurde das Angebot an Modelleisenbahnen drastisch abgebaut. In den letzten Jahren ist das Angebot an Modelleisenbahnen im (ehemaligen) traditionellen Franz Carl Weber-Katalog von ursprünglich knapp einem Dutzend Seiten auf eine knappe Seite geschrumpft. Selbst im früher stark eisenbahnaffinen Verkehrshaus der Schweiz ist die Ausstellung über die Eisenbahn etwas in den Hintergrund getreten. Während in meiner Jugendzeit die Lokomotivtypen der SBB und ihre technischen Daten allgemein bekannt waren, ist dies heute nicht mehr der Fall. Fazit: Der Zauber der Eisenbahn hat sich bei den jüngeren und jüngsten Fahrgästen verflüchtigt.

Zeit zum Handeln. Wie erwähnt, dazu ein paar Beispiele aus dem In- und Ausland.

Privatbahnen in der Schweiz

Die Rhätische Bahn

Die Rhätische Bahn hat diesen Bedarf als eine der ersten Eisenbahnen in der Schweiz erkannt und originelle Angebote für Familien und Jugendliche entwickelt. Im Vordergrund steht die Kampagne „Clà Ferrovia“ mit vielfältigen Angeboten. Dazu ein paar Bilder aus einer Broschüre.

Deckblatt einer 28 Seiten umfassenden Broschüre.
Auszug aus der erwähnten Broschüre, die eine Mischung von Unterhaltungs- und Bahnthemen abdeckt.
Hinweise in der Broschüre für Veranstaltungen für Kinder.

Mehr über diese attraktiven Angebote über die Website der RhB. So können beispielsweise ganze Familien am 1. Sonntag eines Monats für nur CHF 30.- zusammen einen ganzen Tag auf dem Netz der RhB reisen.

Unvergessen ist die eindrückliche Ausstellung beim Bahnhof von Preda, bei der Kinder und Jugendliche über den Bau des neuen Albulatunnels informiert wurden.

Die RhB geniesst eine weit über ihre Grösse hinausgehende Beliebtheit. Dazu haben sicher auch die hier beschriebenen Aktivitäten beigetragen.

Süd-Ost-Bahn

Auch die SOB hat die Zeichen der Zeit erkannt und einen grossen Schritt getan. Die Medienstelle der SOB hat kürzlich mit einer Medienmitteilung über ihre längerfristig angelegte Kampagne „Zugpferdli“ informiert. Dabei können die jüngsten Fahrgäste von einem reichen und vielfältigen Angebot an Aktivitäten profitieren.

Seite 1 der Medienmitteilung.
Seite 2 der Medienmitteilung.
Deckblatt des zwanzig Seiten umfassenden Magazins.
Auszug aus dem Magazin.

Beispiele aus dem Ausland

Deutsche Bahn AG

Kürzlich habe ich in der Auslage eines deutschen Bahnhofs ein paar Publikationen der DB  für ihre jüngsten Fahrgäste entdeckt. Nachstehend ein paar Beispiele:

36-seitiges Magazin „miniLOK“ der DB für die jüngsten Fahrgäste.
Auszug aus „miniLOK“
Deckblatt des 52-seitigen Magazins „LeseLOK“ der DB für Jugendliche.
Auszug aus „LeseLOK“ mit einem bahnkundlichen Thema.
Folgeseite.
Ein Malbogen der DB für Kinder, denen das Lesen verleidet ist.

Société Nationale de Chemins de Fer

Tief beeindruckt hat mich die Kinderecke im Wartsaal des Bahnhofs von Hendaye.

Aussenansicht des Wartsaals von Hendaye. Die Aufnahme stammt vom November 2022.
Innenansicht des Wartsaals von Hendaye. Die Möblierung wurde in den letzten beiden Jahren umgestellt. Im Büchergestell liegen zahlreiche Kinderbücher auf. Das Bild wurde im Juni 2024 aufgenommen.

RATP – Metro von Paris

Dieses Bild wurde im Juli 2024 in Paris von der Frontseite der automatisch betriebenen Linie M4 der Metro aufgenommen. Hier haben Kinder die Möglichkeit, die Rolle des Wagenführers zu simulieren.

Klebefolie auf der Ablage vor der Frontscheibe. Unten sind Sitzflächen erkennbar.

Österreichische Bundesbahnen

Beispielhaft sind die Installationen im Familienwagen des Railjet. Im abgetrennten Familiensektor steht den Kindern je nach Zug entweder ein Kino oder ein aktiv zu bedienender Simulator zur Verfügung. Da wird für Kinder auch eine längere Zugreise zum unvergesslichen Erlebnis.

Aussenansicht vom Familienwagen.
Familienwagen „nur“ mit Kino.
Familienwagen mit Fahrsimulator.
Detailansicht des Fahrsimulators.

Familienwagen der SBB

Abschliessend auch ein gutes Beispiel von den SBB. Die seit vielen Jahren im Betrieb stehenden Familienwagen in den IC 2000 belegen, dass die Förderung der Attraktivität des Reisens für Familien bei der SBB früher ungleich höher im Kurs stand als dies heute der Fall ist. Die Inneneinrichtung der genannten Wagen kommt den Bedürfnissen von Familien in höchstem Mass entgegen.

Seither wurde für die eher selten im Zug anzutreffenden Behinderten sehr viel Platz reserviert. Wir haben am Beispiel des Giruno darüber berichtet. Die ungleich zahlreicheren Kinder aber gingen abgesehen von einem engen Familienabteil und ein paar Spielflächen auf den kleinen Abteiltischen vergessen.

Aussenansicht des Familienwagens.
Unteres Geschoss des Familienwagens mit viel Platz für Kinderwagen und Fahrräder.
Zugang zum Kinderabteil.
Innenansicht des Kinderabteils. Hier können sich Kinder auch bei 200 km/h gut austoben.
Detailansicht der sorgfältig gestalteten Inneneinrichtung.
Grosszügiger Spieltisch im Familienabteil.

Schön wäre es, wenn sich die SBB in dem hier beschriebenen Sinn bei Neuanschaffungen von Rollmaterial wieder am vorbildlichen Standard der IC2000-Wagen orientieren würden. Zahlreiche gute Beispiele sind vorhanden.

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