Vorbemerkungen
Am 12. Dezember 2025 fand die feierliche Eröffnung der Koralmbahn im Süden Österreichs statt. Bereits seit dem 7. Dezember 2023 ist der Westast der Koralmbahn zwischen Klagenfurt und Wolfsberg in Betrieb. Wir haben auf dieser Website mehrfach über das Grossprojekt berichtet und einzelne Bahnhöfe näher vorgestellt.
Am 5. März 2026 bot sich Gelegenheit für mehrere Fahrten mit der Koralmbahn. Aus der Vielfalt des Angebots wurden verschiedene Züge benutzt – neben der ÖBB auch einen Zug der Westbahn und auf dem Abschnitt zwischen dem Bahnhof von Weststeiermarkt und Graz auch einen Regionalzug der Graz-Köflach-Bahn (GKB).
Die Eindrücke waren überwältigend. Mehr darüber und über das mit der Inbetriebnahme der Koralmbahn eingeführte Interregio-Konzept der ÖBB in diesem Bericht. Dem grossartigen Bahnhof Weststeiermarkt widmen wir einen separaten Bericht.
Aber nicht nur der hochwertige Fernverkehr in Österreich hat mit der Koralmbahn einen enormen Entwicklungsschub erfahren. Auch der bis dato eher stiefmütterliche Eisenbahnverkehr zwischen mittelgrossen Städten wurde mit dem Interregio-Konzept aufgewertet und systematisiert. Wohl nicht zuletzt auch wegen der Einstellung der direkten Züge zwischen Wien über Leoben nach Klagenfurt.

Koralmbahn und weitere Innovationen in Österreich
Angebot im Fernverkehr
Auf der rund 130 Kilometer langen Koralmbahn besteht Mischverkehr. Im Personenverkehr werden Internationale, nationale und – auf Teilstrecken – auch regionale Züge angeboten. Als Anbieter treten die ÖBB, die Westbahn und die GKB auf. Daneben sollen auf der Koralmbahn auch Güterzüge fahren.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Koralmbahn eine völlig neue Eisenbahnverbindung ist, überrascht das grosse Angebot. An Werktagen sind 34 Fernzüge unterwegs.

Bei den benutzten Zügen wurden am 5. März 2026 folgende überraschend hohe Fahrgastzahlen ermittelt. Und das an einem gewöhnlichen Werktag.

Angebot im Regionalverkehr
Auf dem Westast der Koralmbahn verkehren die Regionalzüge zwischen Wolfsberg und Klagenfurt in der Regel stündlich. Sie zweigen in Wiederndorf-Aich von der Hauptstrecke ab und fahren über die sogenannte „Bleiburger-Schleife“, um bei Mittlern wieder auf die Geleise der Koralmbahn einzuschwenken. An Werktagen werden zusätzlich 12 beschleunigte Regionalzüge angeboten – an Sonntagen noch vier.
Die beschleunigten Regionalexpresszüge fahren nicht über die „Bleiburger-Schleife“ und verkürzen die Reisezeit zwischen Wolfsberg und Klagenfurt auf 45 Minuten. Die Regionalzüge über die „Bleiburger-Schleife“ werden à Niveau in die Koralmbahn eingebunden. Dies im Gegensatz zu den Regionalzügen aus Wolfsberg, die bei St. Paul kreuzungsfrei in die Koralmbahn eingeführt werden. Der Stundentakt im Regionalverkehr führt kaum zu Trassenkonflikten.

Komplexer ist der Mischbetrieb auf dem Ostast der Koralmbahn zwischen Wettmanstätten und Graz. Die Züge der GKB fahren an Werktagen in der Regel jede halbe Stunde und erreichen die Koralmbahn à Niveau. Das Risiko von Trassenkonfilkten ist hier besonders bei Verspätungen im Fernverkehr höher als auf dem Westast.

Bei der Niederschrift dieses Berichts verfügte die GKB kaum über das für den schnellen Regionalverkehr notwendige Rollmaterial. Eingesetzt wurden von der DB AG gelieferte ausgemusterte und störungsanfällige Doppelstockwagen gezogen von geleasten Vectron-Lokomotiven.

Kommentar
Seit 2011 habe ich die Entstehung der Koralmbahn intensiv verfolgt. Ein grossartiges Bauwerk. Obschon die Frequenzen bedeutend tiefer sind als beim Lötschberg Basistunnel, wurde der Koralmtunnel von Beginn weg doppelspurig ausgebaut. Und während die Reise zwischen Klagenfurt und Graz mit den Intercity Bussen der ÖBB zwei Stunden beanspruchte, dauert die Reise heute mit den schnellsten Zügen noch 41 Minuten.
Die ganze Neubaustrecke kostete exakt EUR 6.3 Mrd. oder rund EUR 50 Mio. pro Kilometer Doppelspur, trotz einem beträchtlichen Tunnelanteil von rund vierzig Prozent. Das ist im Vergleich zu den hiesigen Verhältnissen ausgesprochen günstig.
Der Railjetexpress 151 verliess Graz am 5. März 2026 mit drei Minuten Verspätung um 09.25 Uhr und traf in Klagenfurt nach 38 Minuten Fahrzeit pünktlich um 10.03 Uhr ein. Eindrücklich!

Aber nicht nur der Fernverkehr profitiert von der Koralmbahn. Auch die Reisezeit ins periphere Lavanttal hat sich dank der Koralmbahn halbiert. Substantiell verkürzt hat sich auch die Reisezeit von Graz in den Südosten der Steiermark. Die „normalen“ Railjet haben zwischen Graz und Klagenfurt den Charakter von Regionalexpresszügen. Sonderbar ist, dass der perfekt ausgebaute Bahnhof Kühnsdorf/Klopeinersee nur von wenigen Railjet bedient wird.
Am 5. März 2026 benutzte ich für eine Fahrt von Graz nach Klagenfurt auch einen Giruno der Westbahn. Dieser Zug war auf längeren Strecken mit 250 km/h unterwegs, während die Railjet Expresszüge „nur“ 230 km/h erreichten. Trotzdem fand ich die Fahrt mit dem Giruno angenehmer. Der Zug lief ruhiger, und die Geräusche im Innenraum waren tiefer.

Nachtrag: Das Interregio-Angebot
Nachstehend ein Überblick über das Interregio-Angebot. Bemerkenswert ist, dass in Zusammenarbeit mit der Slowenischen Staatsbahn auch eine grenzüberschreitende Verbindung nach Slowenien angeboten wird. Einige Züge werden über Maribor hinaus bis nach Ljubljana weitergeführt.


Hinweis: Bei den gegenwärtig für den Interregio-Verkehr eingesetzten Zügen handelt es sich um solche der ÖBB-Reihe 4748, die mit einem 1.-Klasse Abteil nachgerüstet wurden. Die eigentlich für den Interregio Verkehr vorgesehenen Züge heissen «Mireo» von Siemens. Diese sind dem Vernehmen nach noch nicht geliefert und zugelassen.


Und noch eine weitere Innovation im grenzüberschreitenden Reiseverkehr
Erfreulich ist, dass ab Villach auch die grenzüberschreitenden Verbindungen nach Ljubljana ausgebaut und systematisiert wurden. Ab dem 14. Dezember 2026 werden im Zweistundentakt neun Züge nach Ljubljana angeboten.

Danke, es ist erstaunlich, dass es so lange gebraucht hat, bis Graz (knapp 300 000 Einwohner) mit Klagenfurt (rund 100 000 Einwohner) verbunden werden konnte, wie wenn es zwischen Zürich und Bern keine direkte Verbindung gegeben hätte. Damit verbessern sich die innerösterreichischen Verbindungen und vor allem auch die Richtung Italien wesentlich. Die Koralmbahn ist auch Teil des TEN-T Korridors Baltic – Adriatic Sea, nicht aber des Mediterranean Korridors. Siehe: https://transport.ec.europa.eu/document/download/3f55bcf7-d2cf-4244-bbf1-fc4f132115ad_en?filename=TEN_T_Schematic_map.pdf
Das neue Interregiokonzept ist aber in Österreich selber ziemlich umstritten. Da die als Interregio eingesetzten Triebzüge nur 3 Wagen aufweisen und somit deutlich kürzer sind als die zuvor eingesetzten Kompositionen, sind die Züge häufig hoffnungslos überfüllt. Da die ÖBB zudem nicht über genügend Züge verfügen, können auch keine Doppeltraktionen gebildet werden. Dafür stehen jetzt zahlreiche komfortable Reisezugwagen untätig herum und warten auf bessere (oder auch schlechtere) Zeiten, obschon diese angesichts der häufig völlig überfüllten Triebzüge dringend benötigt würden. Die für das neue Interregiokonzept bestellten Züge sind übrigens tatsächlich noch nicht geliefert worden, werden aber auf Grund ihrer Länge den Platzmangel auch nicht grundlegend verbessern.. Die jetzt ersatzweise eingesetzten Züge sind übrigens keineswegs nagelneu, wie Sie im Bericht geschrieben haben, sondern wurden vom S-Bahnverkehr abgezogen und notdürftig mit einem kleinen 1.Klasseabteil und einer Verpflegungsstation an den neuen Verwendungszweck angepasst. Der Komfort hat aber insgesamt keineswegs Fernverkehrsniveau.
Das neue Interregiokonzept ist aber in Österreich selber ziemlich umstritten. Da die als Interregio eingesetzten Triebzüge nur 3 Wagen aufweisen und somit deutlich kürzer sind als die zuvor eingesetzten Kompositionen, sind die Züge häufig hoffnungslos überfüllt. Da die ÖBB zudem nicht über genügend Züge verfügen, können auch keine Doppeltraktionen gebildet werden. Dafür stehen jetzt zahlreiche komfortable Reisezugwagen untätig herum und warten auf bessere (oder auch schlechtere) Zeiten, obschon diese angesichts der häufig völlig überfüllten Triebzüge dringend benötigt würden. Die für das neue Interregiokonzept bestellten Züge sind übrigens tatsächlich noch nicht geliefert worden, werden aber auf Grund ihrer Länge den Platzmangel auch nicht grundlegend verbessern.. Die jetzt ersatzweise eingesetzten Züge sind übrigens keineswegs nagelneu, wie Sie im Bericht geschrieben haben, sondern wurden vom S-Bahnverkehr abgezogen und notdürftig mit einem kleinen 1.Klasseabteil und einer Verpflegungsstation an den neuen Verwendungszweck angepasst. Der Komfort hat aber insgesamt keineswegs Fernverkehrsniveau.
Sehr geehrter Herr Trachsel
Vielen Dank für Ihren Kommentar und für Ihr Interesse an unserer Website. Wie separat erläutert, nehme ich in zwei Antworten Stellung:
1. Verzögerungen bei der rechtzeitigen Bereitstellung von Rollmaterial treten leider wiederholt auf. Ich erinnere an die Inbetriebnahme der Zürcher S-Bahn, wo einige Jahre empfindliche Lücken beim Rollmaterial bestanden. Viel zu lange mussten vierteilige von RBe 4/4 gezogene Pendelzüge eingesetzt werden (bestehend aus dem Triebwagen, zwei EW II-Wagen und einem Dt-Treibwagen. Lärmig, abgenutzt und ohne Lüftung). Das Sitzplatzangebot lag bei etwa 220 Plätzen.
2. Und ich erinnere an die Direttissima zwischen Rom und Incisa (vor Florenz), wo es viele Jahre dauerte, bis endlich genügend für die Strecke geeignetes und 250 km/h schnelles Rollmaterial zur Verfügung stand.
3. Ich habe am 5. März 2025 in Klagenfurt um 10.11 Uhr einen IR nach Bruck an der Mur und zwei abgestellte Kompositionen gesehen und in Graz um 16.28 Uhr einen IR nach Maribor und um 16.45 Uhr einen IR nach Linz beobachtet. Alle Züge waren neu und (leider!) mässig besetzt. Ich habe die Züge fotografiert und im Beitrag veröffentlicht.
4. Ich habe in den letzten Jahren zahlreiche Reisen und zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten auf einigen der heutigen Interregio-Strecken unternommen, nämlich Linz-Selzthal, Graz-Leoben-Selzthal-Schwarzach/St. Veit-Wörgl sowie Bruck an der Mur-Knittelfeld-Klagenfurt (diese noch mit EC oder IC). Alle Züge waren mässig besetzt und oft ohne Verpflegungsangebot.
Nochmals besten Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und weiterhin viel Freude an unserer Website.
Freundliche Grüsse
Ernst Rota
Sehr geehrter Herr Trachsel
Nochmals besten Dank für Ihren Kommentar. Dankeschön, dass Sie sich dafür Zeit genommen haben.
Die Inbetriebnahme der Koralmbahn und das teilweise darauf zurückzuführende Interregio-Konzept sind ein grosser Schritt für das österreichische Schienennetz. Endlich wurde das sich primär auf den Fernverkehr ausgerichtete Netz mit einem durchdachten Erschliessungskonzept für die Regionen ergänzt.
Bei derart tiefgreifenden Neuerungen sind Anfangsschwierigkeiten verständlich. Ich kann die harsche Kritik in Österreich nicht nachvollziehen. Für mich sind sie ein Ausdruck der zunehmenden Verrohung der Kommunikation in unserer Zeit. Und ich erinnere an die enormen und erst teilweise behobenen Probleme mit den Dosto-Neigezügen.
Freundliche Grüsse
Ernst Rota
Danke für den schönen Bericht und insbesondere die Fahrgastzahlen 😀
Eine so große Änderung von Zugangeboten bringt naturgemäß Probleme mit sich. Die Lieferprobleme bei den Fahrzeugen tun ihres dazu.
Aber: es ist einfach nur gut, diese Verbindung einmal zu haben. 30 geht der SemmeringBT in Betrieb und dann ist alles nur noch ein Katzensprung, trotz Alpen dazwischen.
Außerdem: auch die Verbindungen nach Salzburg und Deutschland führen nun über die Koralmbahn. So wie der nightjet nach Zürich, der aber erstaunlicherweise jetzt 2 Stunden mehr braucht.
Trotzdem ist Graz nun super erreichbar. Wir sehen uns bei der Schienenfahrzeugtagung! Programm ist nächste Woche online! 👍🏻
Sehr geehrter Herr Professor
Vielen Dank für Ihren Kommentar und für Ihr Interesse an unserer Website. Neben der Koralmbahn haben mich das Interregio-Konzept und der relativ dichte Verkehr mit Slowenien beeindruckt. Stundentakt nach Maribor, Zweistundentakt von Villach nach Ljubljana und 5 direkte Züge von Bleiburg nach Maribor. Ein Vorbild für Europa!
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Schienenfahrzeugtagung. Beste Wünsche auch an Herrn Prof. Dr. Veit.
Freundliche Grüsse
Ernst Rota
Sehr geehrter Herr Rota,
danke für den aufschlußreichen Bericht über die Koralmbahn. Zwei kleine Korrekturen darf ich jedoch anbringen: die derzeit im Interregio-Verkehr der ÖBB eingesetzten 27 Triebwagengarnituren sind nicht solche der ÖBB-Reihe 4748, sondern der Rh 4746 (dreiteilig mit kleinem und improvisiertem Erste-Klasse-Abteil) von Siemens Mobility und ÖBB-Technische Services. Es sind brandneue Desiro-ML-Fahrzeuge mit den Ordnungsnummern 131 bis 157, die den Namen „4746 Alpin“ (auch „Desiro Alpin“) bekommen haben. Die eigentlich dafür vorgesehenen 31 Mireo- (nicht Giruno-!)Garnituren (ÖBB Rh 4884) werden von Siemens erst geliefert und sollen ab 2027 je nach Lieferung und Abnahme durch die ÖBB zum Einsatz gelangen. Die derzeit verkehrenden 4746 Alpin mit für den InterRegio-Verkehr zu geringer Gefäßgröße werden dann – nach Rückbau der 1. Klasse zur 2. Klasse – dem Nahverkehr zugeführt.
Beste Grüße aus Österreich –
Franz-Josef Inntaler