Sugiez – Augenreiben am Mont Vully

Überblick

Im Rahmen einer Erkundungsreise auf den Mont Vully reiste ich per Bahn nach Sugiez an. Die gepflegte Ortschaft liegt am nördlichen Ufer des Murtensees und am Fuss des Mont Vully. Sugiez gehört mit weiteren Ortschaften zur weit verstreuten Gemeinde Mont-Vully und zählte Ende 2019 4’052 Einwohner. 

Der Bahnhof liegt an der Eisenbahnlinie der TPF zwischen Murten und Ins und wird von halbstündlich verkehrenden Regionalzügen bedient. Auf dem Bahnhof kreuzen sich gemäss dem aktuellen Fahrplan keine Züge. Zudem liegt Sugiez an der Buslinie Nr. 530 der TPF zwischen Lugnorre und Kerzers. An Werktagen besteht zwischen Sugiez und Lugnorre von 06.15 Uhr bis 19.15 Uhr Stundentakt. Von Sugiez nach Kerzers beschränkt sich das Busangebot an Werktagen auf sechs Verbindungen. An Samstagen und Sonntagen ist das Busangebot ausgedünnt.

Zum Bahnhof

Der Umbau des Bahnhofs war am 11. Dezember 2024 noch im Gang. Die Arbeiten an den Publikumsanlagen waren weit fortgeschritten und hinterliessen einen vorzüglichen, ja luxuriösen Eindruck. Die Qualität der Ausführung war erstklassig. Mehr dazu auf den nachstehenden kurz kommentierten Bildern.

Lage von Sugiez (Der Auszug wurde mit bestem Dank an den Verlag dem Eisenbahnatlas Schweiz von Schweers+Wall entnommen).
Bestehendes Bahnhofgebäude von Sugiez, aufgenommen von dem sich im Bau befindenden grosszügigen Parkplatz. Die Nutzung des Gebäudes ist uns nicht bekannt.
Blick von der Strassenseite auf den Hausperron. Auch hier sind die Bauarbeiten (Deckbelag, Absperrung) noch nicht abgeschlossen. Man beachte die repräsentative Wartehalle.
Blick auf den Hausperron vom Bahnsteig 2. Man beachte, dass auf dem Bahnhof von Sugiez bis auf Weiteres keine Züge kreuzen.
Repräsentative Wartehalle.
Blick in die Wartehalle. Man beachte den Bodenbelag mit Natursteinplatten und die aufwendige und teure Sitzbank. Die Reinigung des Bodens unter der Bodenplatte der Sitzbank ist aufwendig.
Sitzbank vom gleichen Typ vor der Wartehalle. Sie kann weder verschoben noch gestohlen werden. Man sieht deutlich, dass der Feinbelag auf dem Boden noch nicht aufgetragen ist.
Überbreit disponierter Treppenabgang in die Unterführung. Die Stufen sind mit Natursteinplatten belegt.
Blick in die Unterführung. Auch der Boden im Bereich der Unterführung ist mit Natursteinplatten belegt. Die Abwasserrinne ist mit rostfreiem Gittern abgedeckt. Die Seitenwände sind wie diejenigen der Rampe und des Aufgangs perfekt ausgeführt und mit einer schützenden Lasur gestrichen. Die Decke ist mit Schallschutzelementen verkleidet. Und die Kennzeichnung des Geleises ist eine Augenweide – gleichzeitig aber aufwendig und teuer.
Auch das schmucke Dienstgebäude ordnet sich nahtlos in die repräsentative und teure Umgebung ein.

Kommentar

Kein Zweifel – der Bahnhof von Sugiez ist eine Augenweide. Er entspricht dem aufwendigen und sündhaft teuren Standard, den die TPF unter anderem bei den Bahnhöfen im Greyerzerland angewendet hat. Als Bewohner im Metropolitanraum Zürich bleibt nur noch leeres Schlucken. Man vergleiche beispielsweise den Bahnhof von Sugiez mit dem bedeutenderen Bahnhof von Koblenz, einer trostlosen und eher abweisenden Struktur. Nackter Beton, Treppen aus Beton und ohne jeglichen Schmuck.

Der Bahnhof von Sugiez steht aber auch für das von uns beobachtete Phänomen, dass bei den sogenannten und meist kantonalen Privatbahnen Geld keine Rolle zu spielen scheint, während bei den SBB Schmalhans herrscht und oft nur das unbedingt Notwendige realisiert werden kann. Für uns stellt sich zudem die Frage, ob und wie weit das UVEK und das Bundesamt für Verkehr (BAV) überhaupt eine faire und angemessene Zuteilung der Mittel des BIF gewährleisten können. Die teilweise missbräuchliche Verwendung der Mittel des Kredits für den Anschluss der Schweiz an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz steht mahnend im Raum.

Unsere Kritik gilt insbesondere auch der offensichtlich beschlossenen und fast CHF 100 Millionen teuren Talbrücke bei Romont auf der Strecke über Bulle nach Broc. Vor allem, wenn man bedenkt, dass auf der national bedeutenden Verbindung von Zürich nach Chur auf dem musealen und knapp einen Kilometer langen Einspurabschnitt zwischen Mühlehorn und Tiefenwinkel mit höchstens 75 km/h gefahren werden kann.

6 Gedanken zu „Sugiez – Augenreiben am Mont Vully

  1. Als 84-jähriger Zeitgenosse kann ich die deutliche Markierung der Bahnsteige nur begrüßen. Ich finde, dass ein eventuell größerer Aufwand für diese Schrift eine gute Sache insbesondere für ältere Menschen ist.

  2. Besten Dank für diesen Report. Man fragt sich schon, wie schludrig das BAV die BIF-Gelder verteilt. Ein Besuch in Bulle lohnt sich auch. Ich habe selten eine größere Personenunterführung gesehen.
    Merkwürdig: der frühere BAV-Direktor – der früher bei der SBB Finanzer war – kritisiert nach seiner Pensionierung im Facebook alles und jedes. Seine „Heldentaten“ mit seiner Geldverschleuderung kommentiert er aber mit keinen Wort. Im Übrigen: wer war Direktor der tpf, der alle diese tpf-Projekte zu verantworten hat (inklusive des sinnlosen Viaduktes bei Romont!)? Der jetzige CEO der SBB. Also derjenige, der auch für die Bestellung der Bombardier-Schüttelbecher verantwortlich zeichnete… . Es passt eben alles zusammen!

    • Die Kritik am BAV sowie an Herrn Füglistaler teile ich. Sein Auftreten wirkt wie auch jenes vom ehemaligen SBB-CEO Benedikt Weibel geradezu spöttisch gegenüber des ehemaligen Unternehmens sowie den Partnern, während von beiden die jeweils eigenen Verantwortlichkeiten gekonnt ausgeblendet werden.

      Allerdings ziehen sie mit ihrer Kritik an Vincent Ducrot den Falschen in die hauptsächliche Verantwortung für das Debakel um den FV Dosto.
      Wie man schon in diversen Zeitungsberichten lesen konnte, wollte insbesondere die damalige Chefetage unter Ex-CEO Andreas Meyer sowie der Verwaltungsrat um Monika Ribar diese Bestellung um jeden Preis durchsetzen. Herr Ducrot gab zwar seine Unterschrift, ein Veto seinerseits hätte am Willen der durch das technische Wunderwerk mit der völlig unerprobten Wankkompensation geblendeten Chefetage wohl nichts geändert.

      Auch der tpf mache ich hier keinen konkreten Vorwurf. Wenn das Verteilungssystem des BAV so umfangreiche finanzielle Mittel für den jeweils eigenen Umfang der Ausbauvorhaben vorsieht, würde wohl keiner dieses Geld zurückweisen mit der Begründung, dass andere Regionen oder Bahnbetreiber dieses Geld nötiger hätten.
      Das Problem liegt hier mit dem Verteilschlüssel ein paar Etagen weiter oben.

  3. Es gibt eben Kantone, die sich zu wehren wissen und wie man zu Geld kommt. Andere schlafen einfach, lassen geschehen was die Bundesbahnen machen und haben selbst keinen Schtutz wie z.B. Bern. Der Kanton Freiburg, speziell mit Bulle, gehört zu den schnellst wachsenden Kantonen der Schweiz und die TPF selbst zehrt wohl immer noch von ihrem grossen Immobilienbesitz in den Städten Freiburg und Bulle, den sie eben versilbern konnte … dass einst ein VRP (nicht der CEO) deswegen in Schieflage geriet, übersieht man gerne – on est copain, quand-même.
    Andrerseits hatte die TPF jahrelang sehr schlecht ausgebaute und unterhaltene Anlagen. Jetzt ist Aufholen angesagt. Und am Südhang des Mont-Vully haben etliche Personen schöne Villen – die gute Anbindung nach Bern hat eben auch Vorteile.
    Lieber Ernst, schön, dass du eine Wanderung über den Wistelacher Berg planst. Es hat im freiburgischen und im waadtländischen Vully etliche Carnotzets mit wunderbaren Crus. Noch besser, dass du mit der Bahn nach Sugiez fährst … der freiburgische Landwirtschaftsdirektor / Staatsrat liebt nämlich den Wein aus dem Vully ebenfalls … manchmal es bitzeli zu viel, so dass er kürzlich zum dritten Mal im oberen Greyerzerland, dem Intyamon (wo die tpf-Bahnhöfe noch nicht so modern sind) in eine Polizeikontrolle geriet. Vous savez, c’est de la coutume chez nous après une assemblée …Ich wünsche es guets Nöis und danke für deine Reportagen.
    Beste Grüsse
    Kaspar P. Woker

  4. Ich als Freiburger begrüsse rein isoliert betrachtet natürlich, dass die tpf die Bahnhöfe auf modernste Art und Weise ausbaut und auch den Fakt, dass die Anlagen nicht nur rein funktionell gestaltet wurden, sondern auch etwas für das Auge übrig bleibt.

    Sobald ich allerdings meine regionale Brille abnehme, bleibt mir zum Verteilschlüssel der Finanzmittel aus dem BIF nur Kopfschütteln übrig.

    Ich persönlich habe keine grossen Ansprüche an Bahnhöfe. Es sollte lediglich alles sauber, funktional und gut erreichbar sein.
    Ich kenne das erwähnte Beispiel aus Koblenz nicht. Doch falls der Bahnhof die vorher genannten Ansprüche in gutem Mass erfüllt, ist auch der Verzicht auf gestalterische Mittel nicht weiter problematisch.

    Allerdings macht es mich dann umso stutziger, dass die finanziellen Mittel aus dem BIF durch die Mehrkosten des Ausbauschritts 2035 nach dem Ausbau langsam zu Neige gehen, während die kantonalen Privatbahnen fleissig weiter mit übermässig prunkvoller Infrastruktur auffahren.

    Währenddessen malen Verkehrspolitiker (sowie trotzige Autobahn-Befürworter) aufgrund der Mehrkosten des Ausbauschritts 2035 den Teufel an die Wand und fordern die SBB und das BAV dazu auf – frei nach Manier des ehemaligen SBB-CEOs Benedikt Weibel – die Kosten zusammenzustreichen. Man beginge in diesem Szenario den selben Fehler wie zur Zeit von Bahn 2000 und würde teilweise dringend benötigte Ausbauprojekte (u. a. Vollausbau Lötschberg, Viertes Gleis ZH-Stadelhofen) weiter aufschieben.

    Ich hoffe, dass sich die Hauptverantwortlichen – namentlich die neue BAV-Direktorin Christa Hostetter sowie SBB-CEO Vincent Ducrot – insbesondere im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen zu den Kosten des Ausbaus im Normalspurnetz recht bald einer dringend notwendigen Anpassung des Verteilschlüssels der Finanzmittel aus dem BIF widmen.

  5. Es ist vernünftig, dass zeitgemässe Anlagen errichtet werden. Sugiez muss auch im Verspätungsfall für Zugskreuzungen nutzbar sein, die veraltete, schlechte Anlage hat dies früher sehr erschwert und in vielen Fällen dazu geführt, dass Verspätungen weiter verschleppt wurden, weil die beschränkte alte Anlage wenn immer möglich nicht zum Kreuzen genutzt wurde.
    Für das Fahrgastaufkommen in Sugiez ist die Grösse der Anlage jedoch überrissen. Ich habe genauso wenig Verständnis dafür, dass auf Regionalbahnen von geringer Bedeutung wie Romont – Bulle solche überrissenen Bauten errichtet werden.
    Dasselbe gilt auch für einige Ausbauten des RBS:
    Das krasseste Beispiel ist der neue unterirdischen Bahnhof in Bern: nach dessen Eröffnung werden sich Züglein von 60-180m Länge in einer 300m langen Halle verlieren. Zugleich muss der Ausbau der beengten Normalspurigen Anlage warten.

    Der Mitteleinsatz ist nicht zielgerichtet. Ich erinnere mich noch an die Aussage eines Fachmannes über die Wahl der STEP-Projekte: zu viel Beifang! Ich finde dies sehr gut ausgedrückt.

    Künftig müssen die Prioritäten hier besser gesetzt werden. Projekte von überregionaler oder nationaler Bedeutung müssen Vorrang haben vor den Wünschen und Träumen einzelner Bähnchen, Kantone oder Bezirke.

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