Internationaler Personenverkehr nach der Art des Hauses

I  Einleitung

Ich habe in diesem Herbst im In- und Ausland mehrere Fahrten mit Zügen des internationalen Personenverkehrs unternommen. In diesem Beitrag berichte ich über meine Erfahrungen und ziehe kurz Bilanz.

II   Beobachtungen

1.  EC Transalpin

Am 11. November 2016 benutzten wir auf der Rückreise von Schwarzach-St. Veit den aus Graz kommenden EC Transalpin nach Zürich. An diesem Freitag war der Zug auf Teilstrecken in Österreich ausserordentlich gut besetzt. Schon ab Landeck-Zams war auf den meisten WC kein Papier mehr vorhanden. Infolge eines Schadens an der Lokomotive verkehrte der Zug verspätet und traf erst um 18.30 Uhr mit 20 Minuten Verspätung in Buchs SG ein. Der Grenzaufenthalt zog sich in die Länge. Beim Warten sahen wir den für das Ab- und Ankuppeln zuständigen Mitarbeiter an dem aus ca. zehn Wagen bestehenden Zug entlang marschieren. Ein einziger Mitarbeiter also für das Manöver.

Auf der Fahrt nach Zürich suchte ich das WC auf. Ich begab mich durch den stark verschmutzten Zug und fand erst in einem der hinteren Wagen ein funktionierendes WC. Immerhin hatte der Zugbegleiter die Türen zu den WC ohne Papier abgesperrt. Nach dem mehr als zehn Minuten dauernden Aufenthalt in Buchs SG traf der Transalpin mit über 40 Minuten Verspätung in Zürich HB ein.

 2.  Rail Jet Prag – Graz

Zwei Tage vorher benutzten wir am 9. November 2016 zwischen Wien HB und Graz den aus Prag kommenden Rail Jet. Der Zug traf in Wien mit etwa zehn Minuten Verspätung ein. Auf der Fahrt zwischen Wien und Wiener Neustadt reinigten Mitarbeiter der ÖBB AG den Zug und die WC Anlagen. Erfreulicherweise traf der Rail Jet pünktlich in Graz ein, wodurch unser Anschluss gewährleistet war.

 3.  Rail Jet Innsbruck – Zürich HB

Auf der Rückreise von Fortezza/Franzensfeste stiegen wir am 13. Dezember 2016 kurz vor 20.00 Uhr in Innsbruck in den aus Wien kommenden Rail Jet ein. Der Zug war bis Feldkirch stark besetzt. Das Innere des Zuges war schmutzig.

Immerhin verkehrte der Zug pünktlich. Zwischen Sargans und Zürich HB vertrat ich mir die Beine und spazierte durch den Zug. Ich zählte in der 1. Klasse acht und in der 2. Klasse 18 Personen. Ich schätzte, dass etwa ein Drittel dieser Reisenden entweder in Buchs SG oder Sargans zugestiegen war.

Auf der Fahrt zwischen Sargans und Zürich sahen wir zum ersten Mal einen Zugbegleiter. Ich sprach den Herrn an und erkundigte mich, weshalb zwischen Innsbruck und Sargans keine Billettkontrolle erfolgt sei. Der Zugbegleiter führte aus, dass das Lesegerät der ÖBB für die Billettkontrolle nicht funktioniert habe und deshalb von einer Kontrolle abgesehen wurde. Nota bene während über zwei Stunden kein Kontrollgang. Was, wenn einem Reisenden ein Malheur zugestossen oder einer Frau Gewalt angetan worden wäre?

Am gleichen Morgen beobachteten wir auf der Fahrt des Regionalexpress zwischen Innsbruck und Brenner aus nächster Nähe einen Mitarbeiter der ÖBB AG, der die wenigen Abfälle entsorgte und das WC gründlich reinigte.

4.  ICE Chur – Hamburg

Am 25. Oktober 2016 benutzte ich zwischen Landquart und Sargans den in Landquart um 10.49 Uhr abfahrenden ICE. Ich stieg unmittelbar nach dem Speisewagen in den Zug und begab mich zum hintersten der sieben 2. Klasse Wagen. Das Innere des ICE war schmutzig, und die hintersten Wagen waren leer. Die Zugbegleiterin folgte mir misstrauisch. Ich fragte sie, ob der Zug in Chur überhaupt gereinigt worden sei. Die Dame führte aus, dass dies nur bei genügend Zeit möglich wäre. Immerhin fuhr der Zug weiter bis nach Hamburg und wurde der DB in Basel in diesem Zustand übergeben.

5.  ICE Chur – Zürich

Auf einer früheren Fahrt mit dem ICE auf der gleichen Strecke stieg ich in den 1. Klassewagen neben dem Speisewagen ein und begab mich zum vordersten Wagen. Dabei fertigte ich diese beiden Fotos an.

Ein Kommentar erübrigt sich. Auch dieser ICE fährt bis nach Hamburg durch.

III  Folgerungen

Hier meine Schlussfolgerungen:

  • Die Erfahrungen zeigen die Qualität des internationalen Personenverkehrs auf diesen Strecken im freien Fall.
  • Zudem liegt eine massive Ressourcenverschleuderung vor. Zwischen Innsbruck und Feldkirch halten die Rail Jet-Züge wie die übrigen Fernverkehrszüge an allen grösseren Bahnhöfen. De facto haben die Züge den Charakter eines Regionalexpress, und niemand stört sich daran. Dafür sind die Züge gut besetzt. Im Gegensatz verkehren die internationalen Züge zwischen Zürich und Sargans ohne Zwischenhalt und sind vor allem in den Randstunden praktisch leer. Meist zirkulieren die Züge von und nach Österreich mit einem Abstand von drei Minuten zu den IC von und nach Chur. Weshalb leitet man die Rail Jet aus Wien nicht nach Bregenz um und stellt den Anschluss aus Zürich mit Anschlusszügen (Flirt?)  analog Neuenburg – Frasne sicher?
  •  Ich frage mich immer mehr nach der Rechtfertigung unserer Ansprüche vor allem an Deutschland, die Strecken nach Stuttgart oder München auszubauen, wenn die SBB AG nicht mehr in der Lage ist, einen auch nur einigermassen korrekten internationalen Zugsverkehr anzubieten.
  • Da werden auch die möglicherweise in ferner Zukunft erfolgenden Ausbauten der Gäubahn und der Strecke im Allgäu keine Trendwende mehr ermöglichen. Die Personenfernverkehrsmärkte sind stark umkämpft, einerseits durch günstige Fernbusse und andererseits durch den kaum noch teureren Luftverkehr. Die Marktanteilsverluste der Bahn durch den heutigen Schlendrian können auch durch Innovationen und Beschleunigungen nicht wieder wettgemacht werden.
  • Das BAV ist aufgefordert, von den gravierenden Mängel Kenntnis zu nehmen, und entweder Verbesserungen durchzusetzen oder den Leistungsauftrag für den internationalen Personenverkehr einem anderen Verkehrsunternehmen zu übertragen. Die Zeit drängt!

6 Gedanken zu “Internationaler Personenverkehr nach der Art des Hauses

  1. Werter Herr Rota
    Sie sprechen mir aus dem Herzen. Jedoch sind auch Nahverkehrszüge wie zB. solche der RBS immer mehr vermüllt. Auch „gereingte Züge“ sind unter den Sitzbänken oftmals nicht mal abgestaubt!

    • Sehr geehrter Herr Etter
      Vielen Dank für Ihren Kommentar und für Ihr Interesse an unserer Wewbsite.
      Darf ich auf meine Antwort an Herrn Guillaume verweisen?
      Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude an unserer Website und frohe Festtage
      Freundliche Grüsse
      Ernst Rota

  2. Die mangelnde Sauberkeit und Hygiene in vielen Zügen im nationalen und internationalen Verkehr widerspiegeln den desolaten Zustand unserer übersättigten Konsumationsgesellschaft, in der Rücksichtnahme gegenüber anderen und das generelle Verantwortungsbewusstsein für das Allgemeinwohl, wozu auch saubere Trams, Busse, Züge und öffentliche WC’s gehören, stetig zurück gehen. An Bahnhöfen und unterwegs wird praktisch pausenlos konsumiert. Das entsprechende Fress-Angebot ist ja überaus reichlich vorhanden, beinahe verschwenderisch in der Umsatz generierenden Shoppingmeile Bahnhof! Nahrungsmittel und Getränke sind oft unsinnig voluminös verpackt und deren Abfälle bleiben dann irgendwo liegen, obwohl in der Regel Abfalleimer vorhanden sind. Leider sind diese oft überfüllt und dann bilden sich sehr schnell hässliche Depots rund um diese herum.
    Dann ist der Damm gebrochen und die Müllberge türmen sich. Immerhin ist es nirgendwo verboten, seinen eigenen Müll wieder einzupacken und am Zielort resp. zu Hause fachgerecht zu entsorgen. Es ist halt auch eine Frage der Erziehung. Was tun, wenn die Eltern ihre Vorbildfunktion nicht mehr wahrnehmen und beim allgemeinen Littering keine Sanktionen erfolgen, die diesen Namen verdienen? Das Reinigungspersonal ist wahrhaftig nicht zu beneiden. Oft werden diese Menschen als eine Art Dienstboten betrachtet, denen man den eigenen Dreck bedenkenlos hinterlassen kann. Nach mir die Sintflut!

    • Sehr geehrter Herr Guillaume
      Vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme. In der Tat treffen Ihre Ausführungen in höchstem Masse zu. Unsere Überflussgesellschaft zeigt Zeichen von Verwahrlosung. Andererseits liegt meines Erachtens auch bei den SBB ein Versagen vor.
      1. Zahlreiche Bahnhöfe – ich denke vor allem an Bahnhöfe in der Stadt Zürich – sind verwahrlost und sehr abweisend (geworden). Dort, wo gepflegte Bahnhöfe bestehen, ist die Hemmschwelle für einen liederlichen Umgang mit Abfällen ungleich höher.
      2. Der Abbau der Zugbegleitung hat den Trend ebenfalls verstärkt. Motivierte, ausreichend bezahlte, gut geführte und – vor allem – durch einen angemessenen Rechtsrahmen hinreichend geschützte Zugbegleiter würden die Ordnung und die Sauberkeit in den Zügen substantiell erhöhen.
      Die Wahrscheinlichkeit für eine Trendwende ist in Anbetracht unter anderem von „Railfit“ leider sehr klein.
      Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude an unserer Website sowie Ihnen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr.
      Freundliche Grüsse
      Ernst Rota

  3. Sehr geehrter Herr Rota
    Vielen Dank für Ihren interessanten Reisebericht.
    Zur Verschmutzung der Züge – so bedauerlich diese für „ordentliche und saubere“ Reisende wie Sie und ich ist – wäre anzumerken, daß nicht die Bahngesellschaften den Dreck produzieren oder hinterlassen, sondern ein zunehmend enthemmtes Reisepublikum. Mitunter könnte man meinen, Barbaren wären unterwegs gewesen, denen Abfalleimer und Anstand fremd geworden sind.
    Schuld an diesem Dreck sind also nicht die Bahngesellschaften. Diese tragen Schuld höchstens daran, daß sie nicht noch mehr teure Arbeitskräfte angestellt haben, die den Unrat dieser Zeitgenossen wegräumen müssen. Im Bereich der ÖBB gibt es auf allen Großbahnhöfen nur noch die Wagenreiniger und das Bahnhofs-Säuberungspersonal (ausgelagert in die „Mungos-GmbH“) und in leider nur mehr wenigen wichtigen Zügen Reinigungspersonal.
    Meine persönliche Beobachtung ist, daß es hinsichtlich Sauberkeit in Zügen und Bahnhöfen am allermeisten bei der DB AG krankt; ÖBB-, SBB- und sogar FS-Züge sind immer noch wesentlich reiner unterwegs.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Franz-Josef Inntaler

    • Sehr geehrter Herr Innthaler
      Vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und für Ihr Interesse an unserer Website. Ich war so frei, Ihre Ausführungen geringfügig zu kürzen.
      Darf ich Sie auf meine Stellungnahme beim Artikel von Herrn Guillaume verweisen?
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude an unserer Website sowie frohe Festtage und ein gutes neues Jahr.
      Freundliche Grüsse
      Ernst Rota

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