Flugbus – und die SBB?

Das Konsumentenmagazin SALDO berichtet in seiner neusten Ausgabe 7/2019, dass eine gemischte Trägerschaft aus privaten und staatlichen Firmen einen Busbetrieb eingeführt hat, der aus mehreren schweizerischen Städten die Erreichbarkeit der frühen Flugverbindungen ab Zürich-Kloten oder Basel-Mülhausen sicherstellt. Aus unserer Sicht entspricht diese Dienstleistung einem echten Bedürfnis – selbst von Stadtteilen von Zürich ist es kaum möglich, mit dem öffentlichen Verkehr die am Morgen früh startenden Flugzeuge zu erreichen. Die in der Region Zürich wohnenden und mit den letzten Flügen in Zürich landenden Personen können auch zu später Stunde meistens von Kloten aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause gelangen. Den Fluggästen, die ausserhalb des Grossraums Zürich wohnen, ist dies in der Regel aber kaum möglich – es sei denn, man treffe am Wochenende in Zürich ein und könne auf die gut ausgebautem Nachtverbindungen ausweichen.

Auszug aus der Ausgabe 7/2019 von SALDO

Ein paar Anmerkungen zu diesem Sachverhalt:

  • Weshalb musste hier ein Konglomerat aus privaten und öffentlichen Unternehmen aktiv werden?
  • Gemäss dem Versuchsbetrieb mit selbstfahrenden Bussen in der Stadt Zug oder mit der Förderung des Car Sharing versuchen die SBB, sich als Gesamtanbieter für multimodale Mobilitätsbedürfnisse zu positionieren. Weshalb haben es die SBB – allenfalls in Kooperation mit Postauto Schweiz – versäumt, mit Bussen die Erreichbarkeit der frühen Abflüge sicherzustellen oder spät landende Passagiere nach den wichtigsten Zentren zu befördern?
  • Beispielsweise mit der Aufnahme ihrer Busverbindungen in den Fahrplan und in das Tarifsystem. Wie die Fahrpreise von Flugbus zeigen, wären die SBB mit den ordentlichen Tarifen und einem zweifellos akzeptierten bescheidenen Zuschlag konkurrenzfähig gewesen.
  • Neuland hätten die SBB mit diesem Angebot kaum betreten – sie bieten mit dem Glarner Bus und dem Intercity-Bus nach München bereits heute nationale und internationale Busverbindungen an.
  • Was nicht ist, kann noch werden. Ärgerlich wäre, wenn auf den neu entstehenden Mobilitätsplattformen durchgängige Angebote ersichtlich oder gar käuflich wären, auf www.sbb.ch jedoch nicht.

2 Gedanken zu “Flugbus – und die SBB?

  1. Die ersten Flieger starten in Zürich um 06:00. Das sind hauptsächlich Ferienflieger. Die Businessfliger starten erst gegen 07:00.
    Der flugbus.ch verkehrt im ganzen April nicht in der Relation mit Grindelwald.
    Die Abfahrten ab Grindelwald Dorf erfolgen immer um 08:45, 11:45 und 16:45. Die angegebene Fahrzeit beträgt einheitlich 2h45. Google berechnet dafür eine Fahrzeit von 2h03, folglich dürften die angegebenen Ankunftszeiten realistisch sein.
    Mit der Bahn besteht ab Grindelwald ein Halbstundentakt. Die Fahrzeit beträgt 2h53 oder 2h55 mit zwei- oder dreimaligem Umsteigen. Die frühste Verbindung startet in Grindelwald um 05:19. Der Flughafen wird damit um 08:14 erreicht. Der Onlinefahrplan weist dafür eine erwartete sehr hohe Belegung aus. Folglich gibt es ein Potenzial für Frühverbindungen, aber der Bus müsste Grindelwald bereits um 03:00 verlassen.
    Diese Busverbindung konkurrenziert nur die Bahn. Als einziger Vorteil könnte gelten, dass nicht umgestiegen werden muss. Ob das die Enge des Kleinbusses wettmacht? Zudem braucht der Bus mindestens fünf Passagiere damit er überhaupt fährt.
    Ganz anders der Bus ab Domat / Ems, der um 02:45 abfährt. Google berechnet für eine Fahrt zum Flughafen 1h32. Folglich wird der Bus mit den Zwischenstopps in Chur und Landquart den Flughafen auch wie vorgesehen um 05:00 erreichen. Die erste Zugverbindung erreicht den Flughafen erst um 06:42. Diese Verbindung ist eine echte und sinnvolle Ergänzung zur Bahn!

  2. Aus Sicht des Flughafen Kloten oder der interessierten Kund-innen mag dieses neue Angebot wohl sehr interessant Angebot sein.

    Gänzlich ausgeblendet bleiben dabei die legitimen Rechte der betroffenen Menschen, die durch die sehr frühen Flüge in ihrer Nachtruhe und damit auch in Ihrer Gesundheit betroffen sind. Ebenso tangiert werden auch die rechte all jener Menschen die zunehmen zur Nachtarbeit gezwungen werden und zu einem oft fast unmöglichen Beziehungspflege in der Familie und dem Umfeld.

    Die Freiheit jedes einzelnen misst sich immer auch an der Freiheit der anderen betroffenen Menschen. Und hier werden die Rechte der Konsument/innen heute zu sehr über alle anderen Freiheiten gestellt, was ich als Bürger unseres Landes nicht in Ordnung finde. Dabei wird zu oft der gesunde Respekt und die Verantwortung anderen Menschen gegenüber vergessen. Der Konsum, von was auch immer, wird zu sehr über alle anderen Freiheiten gestellt.

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