Gruppenreise im Elsass – Eindrücke und Kommentar

Vorbemerkungen

Am Wochenende vom 25. auf den 26. August 2018 unternahmen wir – eine Gruppe von 14 Personen – ein Wanderwochenende in den Vogesen. Dabei benützten wir gemäss der nachstehenden Übersicht auch im Elsass ausschliesslich öffentliche Verkehrsmittel.

Für die Reisen von täglich rund 220 Kilometern ab Basel SNCF benützten wir die nur am Wochenende erhältlichen Tageskarten für Gruppen bis zu fünf Personen. Diese Tageskarten kosteten EUR 38.10, entsprechend etwa CHF 44.-. Somit betrugen die Reisekosten pro Person für beide Tage CHF 19.- oder 4,4 Rappen pro Kilometer. Alle verwendeten Verkehrsmittel waren sauber und trafen pünktlich am Zielort ein.

Übernachtet haben wir in Molsheim. Der Bahnhof dieses Städtchens hat uns sehr beeindruckt. Dazu ein paar Bilder – auch die Schalterhalle präsentiert sich sauber und grosszügig. Die Signaletik ist klar und benutzerfreundlich.

Die Verbindungen zwischen Molsheim und Strasbourg sind an Werktagen sehr dicht. Am Wochenende verkehren weniger Züge. Hier ein Auszug auf dem Fahrplan.

Weitere Eindrücke

  1. Leider verkehrten infolge Bauarbeiten zwischen Molsheim und St. Dié-des- Vosgues nur Bahnersatzbusse. Die Strecke zwischen Strasbourg und Rothau wurde vor rund zehn Jahren erneuert und durchgängig auf Doppelspur ausgebaut. Ab Rothau nach Saales und weiter nach St. Dié-des-Vosgues ist die Strecke einspurig, weniger gut ausgebaut und weist einen bedeutend tieferen Zugsverkehr auf.
  2. In Rothau werden Weichen und Signale noch mit einem mechanischen Stellwerk gesteuert.
  3. In Strasbourg habe ich auf den Abstellgeleisen für den Regionalverkehr praktisch nur noch neues Rollmaterial gesichtet. Die dreiteiligen Dieseltriebzüge sind komfortabel und beschleunigen rasch.
  4. Aufgefallen sind mir der exzellente Zustand der Gleisanlagen zwischen Strasbourg und Basel und die besonders im nördlichen Teil zahlreichen Überholgeleise. Nach meiner Einschätzung hätte die Strecke während der Streckensperrung bei Rastatt bedeutend mehr Güterverkehr aufnehmen können (und sollen).
  5. Die zwischen Basel und Strasbourg mit bis zu 200 km/h fahrenden Regionalzüge TER 200 werden mit Corail-Wagenmaterial geführt. Die Wagen sind etwas in die Jahre gekommen, aber selbst in der zweiten Klasse bequem und geräumig. Die TER 200 benötigen für die Strecke von rund 145 Kilometern zwischen Basel und Strasbourg und mit drei Zwischenhalten – Mulhouse, Colmar und Sélestat – 78 Minuten und erreichen damit eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 111 km/h – höchst eindrücklich. Hinweis: Das entspricht der Durchschnittsgeschwindigkeit der zwischen Bern und Zürich ohne Halt verkehrenden IC-Züge.
  6. In seiner Gesamtheit erreicht der öffentliche Verkehr im Elsass das Niveau in der Schweiz nicht – aber die Fortschritte in den letzten Jahren besonders in den Metropolitanräumen von Strasbourg und Mulhouse sind enorm. Dazu gehört auch das neue Tram-Train zwischen Mulhouse und Thann.

Kritische Fragen zu den Sparpreisen

  1. Natürlich haben wir uns über die günstigen Fahrpreise im Elsass gefreut.
  2. Aber nicht nur im Elsass kann man günstig fahren – eine Teilnehmerin hat für die Fahrt mit dem IC 760 von Zürich nach Basel ein Sparbillett von CHF 5.20 gelöst. Der Zug war übrigens sehr schwach besetzt.
  3. Die enorm günstigen Preise beunruhigen mich dennoch. Der Preis ist aus Kundensicht der Massstab für eine Dienstleistung und bestimmt in einem gewissen Sinn das Ansehen des Produkts. Sind Bahnreisen in der öffentlichen Wahrnehmung so weit gesunken, dass die Bahngesellschaften glauben, gewisse Züge nur noch mit diesen günstigen Preisen füllen zu können? Handelt es sich dabei nicht um Schleuder- oder Schundpreise? Hoffentlich wird dadurch nicht eine fatale Spirale nach unten eingeleitet! Weshalb beschränkt sich der Einsatz von Sparbilletten nicht auf Strecken, bei denen die Bahn unmittelbar durch Fernbusse konkurrenziert wird?
  4. Zudem besteht der Eindruck, dass die Einführung der Sparbillette überhastet erfolgt ist. Billettpreise zu weniger als einem Drittel des regulären Preises sind kaum zu rechtfertigen. Möglicherweise haben die SBB Algorithmen anderer europäischen Bahnunternehmen übernommen, ohne zu berücksichtigen, dass auf den jeweiligen Verkehrsmärkten andere Gegebenheiten bestehen.

 

6 Gedanken zu “Gruppenreise im Elsass – Eindrücke und Kommentar

  1. Die Region Alsace, inzwischen nicht ohne Protest der Elsässer in der Grossregion Grand Est aufgegangen, hat seit Jahren grosse Summen in die Verbesserung des Bahnangebotes auf der Achse Strassburg – Mulhouse – Basel investiert. Heute können wir von einem S-Bahn ähnlichen Betrieb sprechen mit Taktfahrplan und zahlreichen schnellen (TER 200) und langsamen Verbindungen.
    Leider, wie so oft in Frankreich, wurden die wenigen verbliebenen Nebenstrecken in die Vogesentäler arg vernachlässigt. Die Desindustrialisierung und die individuelle Motorisierung hinterliessen ihre Spuren auch hier. Eine Ausnahme bildet das Tram-Train von Mulhouse nach Thann. Der hintere Streckenteil nach Kruth wird allerdings noch immer von Dieseltriebwagen bedient und die Infrastruktur ist wenig modernisiert worden.
    Die Vogesenquerlinie Strassburg – Saint-Dié fristet seit Jahren ein eher kümmerliches Dasein, vom Agglobereich Strassburg-Molsheim abgesehen. Sie figuriert immer wieder in den nationalen Stilllegungsplänen der SNCF.
    Die Stichlinie Colmar – Metzeral galt vor etwa 25 Jahren als Vorzeigemodell einer durch die Region wiederbelebten, einst dem langsamen Untergang knapp entronnenen Nebenlinie. Deren Zukunft ist nicht in Stein gemeisselt.
    In Guebwiller im Lauchtal hofft man seit Jahren vergeblich auf die Wiederinbetriebnahme der kurzen Strecke nach Bollwiller (-Mulhouse). Da würde sich ebenfalls eine Tram-Train-Lösung eignen um die Pendlerströme einzufangen.
    Die zweite Vogesenquerlinie von Sélestat nach Ste-Marie-aux-Mines (erst feierlich 1937 eröffnet) verlor durch den zum Autotunnel umgebauten Scheiteltunnel ihre Existenzberechtigung. Eine ursprünglich geplante Koexistenz von Strasse und Bahn im Tunnel hatte keine Chance.
    Die dritte Vogesenquerung unter dem Col de Bussang, welche die Strecke Basel – Paris abkürzen sollte, wurde erst gar nicht fertig gebaut. Die Bauarbeiten wurden 1935 eingestellt.
    Geldmangel und politische Querelen um die Frage der Zweckmässigkeit waren die Ursachen. Der halbfertige Tunnel (rund 4 km waren ausgebrochen) erlangte im Zweiten Weltkrieg zweifelhafte Berühmtheit. Als Annex des KZ Struthof liess die Wehrmacht im Tunnel durch Zwangsarbeiter Daimler-Benz-Flugzeugmotoren bauen. Ebenfalls eine eindrückliche Bauruine ist der dreibogige Steinviadukt von Urbès, welcher die Zufahrt zum Bussangtunnel ermöglichen sollte. Stumme Zeugen einst hochfliegender Bahnprojekte, die zu spät kamen. Heute umfährt der TGV auf dem Weg nach Paris das Vogesenmassiv nördlich (Pas de Saverne) und südlich (Burgunder Pforte).
    André Guillaume, Binningen

    • Lieber André

      Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und für Dein Interesse an unserer Website. Darf ich Folgendes ergänzen:

      1. In der Tat präsentiert sich der öffentliche Verkehr km Elsass in der Fläche trotz einigen Fortschritten weiterhin kümmerlich. Zwischen Saales und St. Dié verkehren zurzeit keine Züge mehr.

      2. Auch zwischen Niederbronn-Les Bains und Bitch wurde der Bahnbetrieb wohl für immer eingestellt.

      3. Immerhin ist die Infrastruktur dort, wo der Eisenbahnbetrieb aufrechterhalten wird, auf einem recht guten Stand. Auch das Rollmaterial ist praktisch neu und modern.

      4. Dafür wurde in den letzten 25 Jahren der öffentliche Verkehr in den Stadtregionen von Strasbourg und Mulhouse massiv ausgebaut. Beide Städte verfügen heute über einen zeitgemässen Stadtverkehr mit Tram und Bus.

      Nochmals besten Dank für Deinen Kommentar und weiterhin viel Freude an unserer Website

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

  2. Zu den Sparbilletten: Die Bahn macht das, was Fluggesellschaften schon lange tun: Bucht man im Voraus, gibt es Spezialpreise. Zum Teil sind sie wirklich sehr tief, auf der andern Seite helfen sie aber mit, die Züge zu den Nebenverkehrszeiten zu füllen. Deshalb soll dieses Angebot fortgeführt werden. Dass GA-Besitzer darob nicht gerade glücklich sind, kann ich zwar verstehen, auf der andern Seite ist die Rabattierung auf diesen Abos sehr hoch, entsprechend tief ist ihr Beitrag an die Betriebskosten. Kommt dazu, dass die normalen Billettpreise viel zu hoch sind. Eine Reduktion der normalen Fahrpreise um mindestens 40 % und damit verbunden der Verzicht aufs Halbtax könnte diese Einstiegshürde senken. Wäre sicher eine Ueberlegung wert.

    • Lieber Kurt

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und für Dein Interesse an unserer Website. Darf ich dazu Folgendes anmerken:

      1. Vorab sollte man klären, wozu Sparbillette eingesetzt werden, nämlich (a) Schaffung von Mehrverkehr und/oder Auslastung der Betriebsmittel, (b) Glättung der Spitzen und (c) Bekämpfung der Konkurrenz durch andere Anbieter oder Verkehrsträger.

      2. Der Vergleich mit dem Luftverkehr ist nicht gerechtfertigt. Fluggesellschaften bieten supergünstige Preise weitgehendst nur auf stark frequentierten Strecken mit starker Konkurrenz an. Man prüfe nur die Preise der Fluggesellschaften zu sekundären Zielen – von Sparpreisen keine Spur.

      3. Ich vermute, dass die Sparpreise bei den SBB durch die Verlagerung des Verkehrs in nachfrageschwache Zeiten und – eher weniger – durch die Schaffung von Mehrverkehr motiviert sind.

      4. Für mich stellt sich die Frage nach der Angemessenheit der Sparpreise – ich halte CHF 5.20 für eine Fahrt mit dem IC von Zürich nach Basel für einen Schundpreis. Dadurch geben die SBB Erlöse preis und präsentieren sich als „Billiger Jakob“ – dies wiederum schwächt das Ansehen des öffentlichen Verkehrs und mindert die finanzielle Basis für zukunftsgerichtete Innovationen.

      5. Mit anderen Worten – ich erkenne kein klares Konzept und halte die Einführung der Sparbillette in ihrer heutigen Form für ein überhastetes und die Interessen der SBB auf lange Sicht schwächendes Manöver. Möglichwerweise hat man einfach ein nicht auf das Unternehmen passendes Verfahren aus dem Ausland oder von der Luftfahrt implementiert.

      Nochmals vielen Dank für Deinen Kommentra und weiterhin viel Freude an unserer Website

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

  3. Die via PC / Handy zu bestellenden Sparbillette sind ein Experimentierfeld der SBB. Hier kann und muss Expertise entwickelt werden. Weil quasi tageweise die Angebote verändert werden können, ist das Risiko sich zu verrennen klein. Ich stimme Ernst Rota zu, Zürich – Basel zu CHF 5.20 muss ein Ausrutscher bleiben. Für ‚Normalmeier‘ ohne Halbtaxabo oder andere Vergünstigungen ist die Bahn in der Schweiz unzahlbar. Mit Sparbilletten und Preisspielen à la easyJet gewährt man diesem Publikum einen Zugang zum OeV-Schweiz. In Basel ist die Situation besonders ärgerlich, denn beispielsweise die 50’000 Einwohner von Lörrach und die 30’000 Einwohner von Weil am Rhein verfügen im besten Fall über eine Bahncard. Obwohl sie im Einzugsgebiet von Basel SBB wohnen entfallen sie als Bahnkunden in der Schweiz aufgrund der Preissituation. Dies gilt natürlich für den ganzen Landkreis Lörrach (Population wie Kanton Basel-Landschaft) oder das Oberelsass. Ich informiere Freunde und Bekannte in Badischen Landen jeweils über Tageskartenaktionen von COOP, Post usw. Es wird sehr geschätzt mit dem schweizer OeV einen Tag lang für rund fünfzig Franken ‚Kreuzfahrten‘ unternehmen zu können, erst noch ohne Halbtaxabo!
    Willi Rehmann, Pro Bahn NWCH

  4. Lieber Willi

    Vielen Dank für Deinen Kommentar mit den ergänzenden Informationen und für Dein Interesse an unserer Website. Darf ich dazu Folgendes anmerken:

    1. Sparbillette sind auch in der Schweiz nichts neues. Ich erinnere mich beispielsweise an die Sonntags-Billette vor der Einführung des Halbtaxabonnements oder an Messebillette.
    2. Wie Du zutreffend schreibst, ist alles eine Frage des Masses. Dieses scheint mir bei den SBB in der aktuellen Phase aber nicht gegeben zu sein. Ich frage mich nach dem Sinn von Sparbilletten in Hauptverkehrszeiten und nach der Höhe der Rabatte.
    3. Ich habe festgestellt, dass die ÖBB die bis dato oft spottbilligen Angebote der „Sparschiene“ erheblich verteuert haben.

    Bleiben wir dran! Weiterhin viel Freude an unserer Website und nochmals besten Dank.

    Freundliche Grüsse

    Ernst Rota

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