Belfort – Delle / Status vom 31. Mai 2016

Die rund 20 Kilometer lange Bahnverbindung zwischen Belfort und Delle wurde 1993 für den Personenverkehr stillgelegt. Die Teilstrecke von Belfort nach Méroux hingegen wurde für den Güterverkehr bis vor kurzem benutzt. Zwischen Delle und Belfort wurde der Personenverkehr auf den vom Optymo-Verkehrsverbund betriebenen Busbetrieb umgestellt. Verschiedene Vorstösse für die Wiederinbetriebnahme verliefen im Sand.

Durch den Bau der TGV-Linie Rhin-Rhône mit dem Bahnhof Belfort-Montbéliard ergaben sich völlig neue Gesichtspunkte. Nun ging es Schlag auf Schlag. Am 1. September 2014 wurden die Verhandlungen für die Wiederinbetriebnahme der Strecke mit der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung abgeschlossen. Die vollständig erneuerte Bahnlinie soll im Dezember 2017 in Betrieb genommen werden. Was lange währt wird gut!

Grund genug also, sich am 31. Mai 2016 trotz Regen vor Ort ein Bild vom Stand der Bauarbeiten zu machen. Freude und Erleichterung waren gross – hier ein kurzer Befund:

  1. An 20 Stellen wird teilweise intensiv gearbeitet. Die bestehenden Geleise wurden vollständig entfernt.
  2. Der Koffer wurde etwa einen Meter tief ausgebaggert und mit neuem Kies wieder aufgebaut.
  3. Mehrere Brücken oder Strassenüberführungen werden ersetzt oder saniert.
  4. Die Einführung der Strecke bei Danjoutin in die Stammstrecke Belfort-Mulhouse und die Spurwechsel in der Stammstrecke sind fertig.
  5. Unklar ist, wie die zahlreichen Strassenübergänge gesichert werden. Auf dem Gebiet der Gemeinde Grandvillars kreuzt die stark befahrene Staatsstrasse die Bahnlinie gleich zweimal.
  6. Die alten und teilweise baufälligen Bahnhofgebäude harren dem Abbruch oder der Erneuerung.
  7. Gemäss der Ankündigung der CFF am Bahnhof Boncourt sanieren die SBB die Strecke von Boncourt nach Delle bis Ende 2017. Der Betrieb des Bahnhofs Delle geht nach der Inbetriebnahme der Strecke beim Fahrplanwechsel 2017 wieder an die SNCF über.
  8. Enorm beeindruckend war auch die kurze Besichtigung des neuen Bahnhof Belfort-Montbéliard – eine separate Reise wert.

Ich habe bis dato weder Informationen über den Betreiber der wieder instand gestellten Bahnstrecke noch über den mutmasslichen Fahrplan. Wünschbar wäre sicher ein grenzüberschreitender Verkehrsverbund im Raum Belfort-Porrentruy – etwas, das im Südelsass (noch?) nicht möglich war.

Nachstehend ein paar Bilder:

1 Boncourt 1

Boncourt Perron

2 Boncourt 2

Boncourt Bahnhof

4 Boncourt 4

Boncourt Stassenbild

5 Delle 1

Delle Bahnhof

6 Delle 2

Delle Gelände

9 Delle 5

Delle Bahnübergang

8 Delle 4

Delle Trasse

13 Grandvillars 4

Bahnhof Grandvillars

10 Grandvillars 1

Brückenbaustelle Grandvillars

14 Morvillars 1

Bahnhof Morvillars

29 Belfort 14

Bahnhof Belfort-Montbéliard – Aussenansicht

16 Belfort 1

do. Eingang seitlich

17 Belfort 2

do. Eingang frotal

28 Belfort 13

do. Perron

26 Belfort 11

do. Überführung Linie Delle-Belfort

22 Belfort 7

do. Aufgang

 

 

 

24 Belfort 9

do. Wartezone

18 Belfort 3

do. Lage Übergangsbahnhof

30 Andelnans 1

Andelnans Brückensanierung

32 Danjoutain 1

Danjoutin Trasse

34 Danjoutain 3

Danjoutin Einführung Stammstrecke

35 Danjoutain 4

Danjoutin – die ersten Meter

7 Gedanken zu “Belfort – Delle / Status vom 31. Mai 2016

  1. Wie kommt man jetzt mit dem ÖV nach Delle, wenn dort gemäss den Bildern im Moment keine Geleise mehr verlegt sind?
    Danke Werner Kast

    • Sehr geehrter Herr Kast

      Vielen Dank für Ihre Anfrage und für Ihr Interesse an unserer Website.

      Im Grossraum Bellefort besteht mit OPTYMO ein erfreulich gut ausgebautes Netz von Lokal- und Ortsbussen. Sie verbinden Delle stündlich mit Belfort. Für weitere Angaben verweise ich auf die Website http://www.optymo.fr

      Zurzeit verkehrt von Boncourt nach Delle ein Bahnersatzbus. Weitere Informationen erhalten Sie über die Website der SBB.

      Zudem bestehen in der Region ein gutes Netz für Velofahrer.

      Ich wünsche Ihnen eine gute Reise.

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

  2. Was ich bis heute nicht weiss, und doch von grösserem Interesse wäre, auch mit Sicht auf die Amortisation der Investitionen, ist ob jemals wieder Güterverkehr über diese Strecke fahren wird! Damals, als es darum ging diese ganze Planung der Weiedereröffnung voranzutreiben, habe ich der BLS Cargo eine ganz grobe Studie gemacht, was möglich wäre auf dieser Strecke, basierend auf den damaligen Verkehren vor der Schliessung der Linie. Die SNCF Infrastruktur (RFF) suchte damals ja auch nach Alternativen um überlastete Hauptachsen zu entlasten! Leider ist bis heute in diesem Gebiet nichts oder sehr wenig (viel zu wenig) gelaufen! Als Einspurstrecke kann diese Linie nicht übermässig Verkehr übernehmen, aber so 10 bis 16 Güterzugstrassen pro Tag sollten möglich sein! Vor allem bezogen auf Kreuzungsmöglichkeiten dürften nicht mehr als eine Strasse proStunde und Richtung angeboten werden. Die Nachtstunden sollten frei bleiben für Unterhalt und wegen der Lärmbelastung der Bevölkerung. Bieten würde sich die Strecke für Holzzüge, Autozüge, Kombiverkehr, Schrottzüge, Getreidezüge, eher Ganzzüge als Wagenladungsverkehr! Bin gespannt ob man dies als willkommene Hilfe für die Amortisierung der Investitionen ins Auge fast oder nicht?

  3. Nach den zahlreichen Streckenstilllegungen der letzten Jahre in Frankreich macht es grosse Freude von der „Réouverture“ einer seit Jahrzehnten toten Bahnlinie zu lesen. Ist die Bürokratie einmal überwunden, geht es in Frankreich dann baulich meist sehr rasch vorwärts. Freuen wir uns also auf die direkten Züge Bienne – Belfort! Folgt nun nach der Wiedereröffnung des Bahn-Grenzüberganges in der Ajoie bald die Reaktivierung jenes, sich noch im tiefen Dornröschenschlaf befindlichen von St-Gingolph an der Tonkin-Linie? Auch dort wird seit Jahrzehnten von der „Réouverture“ gesprochen, aber bis heute wenig getan. Im Rahmen der CEVA-Inbetriebnahme wird diese Strecke wohl wieder vermehrt in den Fokus von Politik und Öffentlichkeit rücken. Ob es einmal direkte Verbindungen Genève-Cornavin – Evian – St-Maurice geben wird? Das könnte sehr attraktiv sein für Pendler und Touristen. Vielleicht wird dereinst sogar die von Nyon ausgehende Meterspurbahn bei La Cure die französische Grenze wieder überqueren und bis Les Rousses fahren, so wie sie dies bis 1958 tat, als sie den Anschlus an die „Ligne des Hirondelles“ genannte SNCF-Strecke Andelot – La Cluse in Morez sicher stellte. Der Wille dazu scheint vorhanden zu sein, doch fehlt, wie fast immer, das nötige Kleingeld.
    Grenzüberquerende Tramlinien zwischen der Schweiz und Frankreich entstehen in den nächsten Jahren in Basel (Saint-Louis, im Bau) und im Raume Genf (Linien CERN-St-Genis, Palettes-St-Julien und Moillesulaz-Annemasse). Interessanterweise gab es um 1930 im Kanton Genf bereits etwa 7 Tramlinien nach Frankreich, die allesamt verschwunden sind, und eine erst 1933 vollständig modernisierte und teilweise neu trassierte elektrische Meterspurbahn von Annemasse nach Sixt, welche tief in die savoyischen Alpen führte (1959 leider, wie so viele andere, eingestellt). Heute könnte die Bahn, wenn es sie denn noch gäbe, zumindest im unteren Streckenteil, wertvollen Pendlerverkehr übernehmen und die chronisch verstopften Strassen vor Annemasse entlasten.
    Eine Zeit lang war geplant, die Linien mit Rollmaterail „à la Suisse“ zu erneuern.
    Leider erwies sich dies als viel zu teuer. So kam der Autocar ins Land.

  4. Die Strecke könnte sehr gut morgens und abends für Tourismuszüge von Belfort über den TGV Bahnhof, Delémont, Moutier, Solothurn, Neubaustrecke, Kriegsschlaufe nach Luzern benutzt werden. Damit könnte eine attraktive Verbindung mit nur einmal Umsteigen zwischen Tourismuszentren Paris und Luzern und umgekehrt geschaffen werden. Aber vermutlich müsste das ein innovativeres Bahnunternehmen als die SBB an die Hand nehmen, wie das Beispiel der vorgeschlagenen Angebote der SOB für die alte Gotthardlinie zeigt. Die SOB ist daran eine komfortable Version der Stadler FLIRTs für den Voralpenexpress zu beschaffen, die auch für solche Angebote geeignet wäre.
    Im Güterverkehr könnte mit leichten Kombiverkehrs-Pendelzügen im schnellen Güterverkehr von Rotterdam her Richtung Lötschberg-Simplon-Italien der Engpass Freiburg-Basel-Olten umfahren werden. Die ungarische Firma ARON-RCS ist daran, solche Züge zu entwickeln.
    PS: Der umgebaute Bahnhof Delle wird bereits seit anfangs September 2016 wieder von den SBB angefahren.

  5. Der Traum von direkten Zügen ab Biel bis Belfort scheint den SNCF nicht zu behagen. Offenbar wurde kürzlich an einer Fahrplankonferenz beschlossen, die Schweizer Züge nur bis zum TGV-Bahnhof in Méroux zu führen und SNCF-Züge Belfort-Delle fahren zu lassen. In der Alstom-Stadt Belfort scheint der Anblick von Stadlerzügen zu stören. Zu den Zügen Paris-Belfort-Schweiz: Gretz-Armainvilliers-Belfort ist immer noch nicht elektrifiziert und soll es demnächst bis Troyes werden. Dazwischen bleibt eine nicht elektrifizierte Strecke, bei der auch keine Elektrifizierungspläne bekannt sind.

    • Sehr geehrter Herr Sulser
      Vielen Dank für Ihre Informationen und für das Interesse an unserer Website.
      In der Tat könnten die Flirt-Züge bei den zuständigen Stellen der SNCF auf Ablehnung stossen. Diese Vermutung steht seit der unerfreulichen Entwicklung auf der Strecke von Basel nach Mulhouse im Raum.
      Da die Wiederaufnahme der Strecke zwischen Belfort und Biel eher im Interesse der Schweiz liegt – nicht zuletzt zur Strukturförderung im Pruntruter Zipfel – hätte man möglicherweise über den Schatten springen müssen und die SNCF um Anpassung von Fahrzeugen für den Verkehr in die Schweiz bitten können. Möglicherweise sogar als Tauschgeschäft für die Linie im Elsass.
      Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Freude an http://www.fokus-oev-schweiz.ch
      Freundliche Grüsse
      Ernst Rota

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