2. Röhre am Gotthard / Statement der Leitungsorgane der SBB / Würdigung

Aufgrund einer am 3. Januar 2016 in den Schweizer Medien breit kommentierten Meldung sollen sich die Leitungsorgane der SBB für den Bau der zweiten Röhre des Strassentunnels durch den Gotthard ausgesprochen haben. Möglicherweise wurden diese Aussagen von den Zuständigen bei den SBB relativiert und von den Medien gar plakativ verbreitet. Das ändert an der Brisanz der Aussage wenig. Zudem wirft es auf die Kommunikationsfähigkeit ein denkbar schlechtes Licht.

Der Ausbau der Strassenverbindung durch den Gotthard zu einer vollwertigen Autobahnverbindung fördert den Strassenverkehr und schwächt die Stellung der Eisenbahn im Personen- und im Güterverkehr – alles andere ist Augenwischerei. Mit anderen Worten wird der Modal Split zu Lasten der Schiene verschlechtert. Des weiteren wird die Belastung des Autobahnnetzes im Tessin und in den Ballungszentren Basel und Luzern weiter zunehmen und Ausbauten unumgänglich machen.

Natürlich gibt es gute Gründe für oder gegen den Bau des zweiten Tunnels durch den Gotthard. Jede Frau und jeder Mann hat das Recht auf eine eigene Meinung. Wenn sich aber die obersten Organe der SBB implizit für die Schwächung der Marktstellung des eigenen Unternehmens aussprechen, ist das bemerkenswert.

Wie erklären die Herren Gygi und Meyer ihre Aussagen beispielsweise einem Rangierarbeiter im Rangierbahnhof Limmattal, der selbst bei Sturm und Regen Nacht für Nacht Wagen kuppelt oder der Zugbegleiterin, die nachts in einem schlecht besetzten Fernzug massiven Belästigungen oder gar Gewalt von Fahrgästen ausgesetzt ist.

Für mich – ich bin ein Freund von klaren Worten – sind die zitierten Aussagen schlicht und einfach Hochverrat an der eigenen Sache. Punkt!

Biasca

3 Gedanken zu “2. Röhre am Gotthard / Statement der Leitungsorgane der SBB / Würdigung

  1. Für was und für wen baut man die zweite Röhre? Alle Aussagen der Politiker aller Couleurs stimmen mich nachdenklich. Offenbar „schwatzen“ alle gerne, ohne kritisches Nachdenken, den dominanten Vorrednern oder Vorrednerinnen nach.
    Mal ganz unbefangen betrachtet:
    Wieso wird der Tessin von der übrigen Schweiz abgenabelt?
    – Ein Blick auf die Landkarte genügt. Es gibt ja bald 2 Eisenbahn-Strecken. Die Strasse bietet den San Bernardino an. Im Sommer sind zudem die Lukmanier-, die Gotthard- und Nufenen-Passstrassen befahrbar.
    – Die Bündner-Regierung sorgt sich jetzt schon wegen dem Mehrverkehr. Glaubt ja niemand im Ernst, dass die schweren, europäischen Brummis den San Bernardino mit seine Kehren auf der Südseite benutzen. Kürzlich hat man am Brenner LkW-Fahrer befragt. Denen ist nicht mal der Gotthard eine Option!
    – Der grösste Teil der LkW-Transporte sind ganz sicher nicht für den Tessin bestimmt!
    – Bei namhaften SVP-Politikern ist alles aus der EU fast Teufelswerk. Aber deren LkW sind offenbar herzlich willkommen. Dabei haben die nur ein Ziel, schnellstmöglich die Schweiz zu durchqueren.

    • Sehr geehrter Herr Furgler

      Besten Dank auch für diesen Kommentar. In der Tat wird von den Befürwortern und den Gegnern der Initiative gelogen, dass die Balken krachen. Man spricht von Sicherheit – tönt tatsächlich gut – und will einfach die Kapazität der Autobahn erhöhen.

      Ich äussere mich in den nächsten Tagen mit ein paar kritischen Anmerkungen zum Transitverkehr.

      Freundliche Grüsse

      Ernst Rota

  2. Ich möchte mal einen anderen Aspekt in die Runde werfen:

    Allgemein wird immer von Sicherheit gesprochen, richtungsgetrennte Tünnelröhren wären diesem einen Aspekt sicher förderlich! Auf der anderen Seite, was ist in Sierre, richtungsgetrennte Tunnels, mit dem Reisecar aus Belgien wirklich passiert? Sowas kann auch im Gotthard, bei richtungsgetrennten Röhren passieren! Was dann?

    Brandbekämpfung in Tunnels ist eine heickle Sache, das wissen alle! Ob nun richtungsgetrennt oder nicht, spielt dabei eine sekundäre Rolle! Ist bei Brandausbruch, die Röhre innert 5 Minuten nicht evakuiert, gibt es die ersten Toten! Nicht wegen dem Brand, sondern viel mehr wegen Rauchgasvergiftungen! Das wird grundsätzlich immer verschwiegen! Übrigens auch von den Bahnen!

    Weiter soll mir keiner, der noch ein Hirn hat und überlegen kann, sagen, dass in beiden Röhren nur 1 Spur betrieben wird! Das würde uns von der EU sofort als Behinderung und gegen das Landverkehrsabkommen ausgelegt! Was dann? Wieder ein Kniefall des Bundesrates in Brüssel?

    Grundsätzlich haben wir zu viel Bahninfrastruktur zur Verfügung für den heute abzuwickelnden Verkehr auf der Schiene! Die altehrwürdigen Bergstrecken am Gotthard und Lötschberg können heute alleine schon gegen 70 – 80 Millionen Bruttotonnen abwickeln! Davon sind wir noch weit entfernt! Der Lötschbergbasistunnel kann bei einem Doppelspurigenausbau, seine Kapazität praktisch verdreifachen gegenüber heute! Ende 2016 kommt noch der Gotthardbasistunnel dazu, später dann noch der Cenneribasistunnel! Wann wird endlich am Umlagerungsziel, Schwerverkehr von der Strasse auf die Schiene, weitergearbeitet? Die rollende Autobahn stagniert mehr oder weniger seit Jahren!

    Deshalb entschieden NEIN zur 2. Röhre am Gotthard für die Strasse! Sonst muss dieser Tunnel zwingend mit einer separaten Maut belegt werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.