Internationaler Personenverkehr – Fahrt mit dem RE 96442 von Pontarlier nach Neuchâtel

Nein, die folgenden Bilder stammen nicht von einem auf die Verschrottung wartenden Wagen in Stein AG, sondern von einem grenzüberschreitenden Regional Express. Hier die Details:

Erfreut hatte ich gesehen, dass zwischen Pontarlier und Neuenburg wieder mehrere Züge verkehren. Grund genug also, am 23. September 2015 eine Reise in den Jura zu unternehmen. Doch das Ergebnis war niederschmetternd.

Als der RE 96441 – er stellte in Frasne den Anschluss vom TGV von Paris nach Lausanne her – pünktlich um 15.05 Uhr in Pontarlier eintraf, war der Zug praktisch leer. Knapp ein Dutzend Passagiere stiegen aus und acht Personen stiegen ein. Mit neun Passagieren in der ersten und 18 Passagieren in der zweiten Klasse setzte sich der Zug Richtung Neuchâtel in Bewegung.

RE 96441

Als ich durch die Wagen des Zuges schritt, traute ich meinen Augen nicht. Der Zug war im höchsten Mass heruntergewirtschaftet.

Sitz

Die Polster von zahlreichen Sitzen in der zweiten Klasse waren durchgescheuert und nicht mutwillig zerstört.

Polster

Auch die WC Anlage ist mittelalterlich.

WC

Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin in den letzten Jahren in mehreren europäischen Ländern mit der Bahn gefahren. Aber solche Bilder habe ich selbst in ärmeren Ländern in Osteuropa nicht gesehen. Nota bene – der RE 96411 stellt den Anschluss an einen europäischen Hochgeschwindigkeitszug her und ist ein Angebotselement des internationalen Personenverkehrs auf der Schiene. Eigentlich unfassbar und in höchstem Masse beschämend für die SBB.

 

2 Gedanken zu “Internationaler Personenverkehr – Fahrt mit dem RE 96442 von Pontarlier nach Neuchâtel

  1. Dieser Beitrag zeigt exemplarisch das Dilemma der Eisenbahn zwischen betrieblich Möglichem, unternehmerisch Durchsetzbarem und politisch Machbarem.
    1. dieser Regio ist das Folgeprodukt des aufgehobenen TGV Bern-Neuchâtel-Paris.
    Die Morgenverbindung ab NE um 8.07 ist – wie in letzter Zeit zweimal getestet – recht gut gebucht, daher auch eine NPZ-Komp mit 2 AB. Die Tagesmitte-Verbindung ist – wie auch die Preispolitik für den TGV ab Basel nach Paris zeigt – sehr wenig gefragt.
    2. Die SBB hat beschlossen die Elsässer-NPZ der RER-Basel nicht zu Dominos umzubauen, offensichtlich aus Kostengründen. Ins Elsass fahren sie nicht mehr. Also ist man froh noch ein Einsatzgebiet gefunden zu haben. Zwei Komp im Raum NE-Biel, eine oder zwei Komp im Raum Genf-La Plaine und Lausanne.
    3. Nach dem TGV-Abzug aus NE hat die Kantonsregierung fieberhaft nach einem Ersatz Richtung Frasne gesucht und kurzfristig konnte die SBB mit diesen, den einzigen in F und CH zugelassenen Fahrzeugen den Dienst übernehmen. Also sind die Politiker und die Fahrgäste ab NE – davon hat es einige – glücklich. Uebrigens wurde die damit verbundene Frühmorgen-Relation für Grenzgänger, NE-Pontarlier-Travers-Buttes-NE wieder fallen gelassen, wegen mangelnder Nachfrage.
    Die Flirt-France der SBB haben bekanntlich die Zulassung für FR erst nach langem hin und her erhalten. Dieser beschränkt sich auf Boncourt-Delle (wo sie sowieso nicht verkehren) und La Plaine-Bellegarde. Also vorläufig noch kein Einsatz nach Pontarlier.
    Es gäbe noch die Diesel-Triebwagen 73500 der SNCF, welche diese Leistung fahren könnten, doch davon gibt es nur 4 Stück mit Signum-Magnet und diese werden für Morteau-La Chaux de Fonds gebraucht, wo ihr Verkehren auch auf der Kippe steht. Ein reiner SNCF 73500er fährt das Pendlerzug-Paar Pontarlier-Frasne-Vallorbe, aber natürlich ohne ins CH-Netz zu kommen.

    Quintessenz:
    Vorläufig ist wohl nichts anderes zu erwarten als einige Jahre mehr an abgewetzten NPZ-Poltern. Hingegen sollte PBS hier Druck ausüben, dass eben auch der Komfort ein nicht unwesentliches Element einer Auslandreise ist und einen Spiegel für das betreibende Unternehmen abgibt. Da es sich hier um einen mehr oder weniger reinen Regionalverkehr handelt müssten auch die regionalen Körperschaften ins Boot geholt werden, sprich der Kanton NE….doch der hat nicht eben viel Geld und konzentriert sich nun auf die Neuauflage Transrun.

    • Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Dazu Folgendes:

      1. Gibt es nicht noch die für den Einsatz nach Mulhouse angepassten Flirt?
      2. Immerhin könnten sich die SBB dafür einsetzen, dass intakte EW II eingesetzt werden. Solche Sitze habe ich tatsächlich noch nie gesehen.
      3. Auch war unser Zug – obwohl grenzüberschreitend – trotz der rund 70 minütigen Fahrzeit zwischen Frasne und Neuchâtel unbegleitet.

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